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rund um das Thema Rettungsdienst.

Angst vor dem Rettungsdienst?

10.05.2017, 17:00 Uhr

Kommentar zum gestrigen „Akte 20.17“-Beitrag auf Sat.1

Ernsthaft, Sat.1? Sind das die Probleme im deutschen Rettungsdienst? Weil sich irgendwo zwei Mitarbeiter komplett danebenbenommen haben, wird in einem Fernsehbeitrag ein ganzer Berufsstand verunglimpft? Die darin aufgeworfene Frage lässt sich leicht beantworten: Ja, das ist ein skandalöser Einzelfall. Im Gegensatz zu Gewalttätigkeiten und Beleidigungen, mit denen Einsatzkräfte immer häufiger konfrontiert werden. Im Gegensatz zu oftmals blockierten oder gar nicht erst gebildeten Rettungsgassen, die die Arbeit des Rettungsdienstes erschweren. Im Gegensatz zur vielfachen missbräuchlichen Nutzung des Notrufs, die die Einsatzzahlen unnötig in die Höhe schnellen lässt.

Mit dem gestern in der Sendung „Akte 20.17“ ausgestrahlten Beitrag „Häme und Spott – Wenn Helfer zum Täter werden“ wird allen hauptamtlich wie ehrenamtlich Tätigen im Rettungsdienst, die anderen Menschen helfen wollen, mit der großen „Skandal-Keule“ ins Gesicht geschlagen. Viel schlimmer ist aber, dass mit dem nicht zu entschuldigenden Fehltritt zweier Rettungsdienst-Mitarbeiter in der Öffentlichkeit Ängste geschürt werden („Damit wir nicht alle fürchten müssen, in hilfsbedürftiger Notlage, zum öffentlichen Gespött zu werden“), die zu weiteren Anfeindungen führen können. Dass die Rettungssanitäter-Ausbildung mit 520 Stunden viel zu kurz ist, steht auf einem anderen Blatt. Die gezeigten Fälle stehen mit der Qualifikation aber in keinem Zusammenhang, sondern sind Auswüchse mangelnder Sozialkompetenz.

Kommentare

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10.05.2017, 18:44 Uhr von Theresa
Hallo, ich finde es eine Frechheit, dass so über die Rettungssanitäter hergezogen wird. Erstens ist es ganz sicher nicht die Regel, dass sich RS so benehmen, nur weil sie eine kürzere Ausbildung genossen haben. Zweitens ist es (so weit ich weiß in allen Bundesländern) vorgesehen, dass der Höherqualifizierte, also der Rettungsassistent, den Patienten betreut. Demzufolge ist es nicht auszuschließen, dass dies nicht durch einen " kurz ausgebildeten " Rettungssanitäter geschehen ist.
Übrigens muss jeder RS in SH min. 200 Notfalleinsätze vorweisen, um überhaupt auf einem Rettungswagen arbeiten zu dürfen. Soviel zur Relation, die Reporterin hat viel Erfahrung mit Einsätzen, weil sie "mehr als 200 Notfalleinsätze" vorzuweisen hat.
Mit freundlichen Grüßen,
Theresa,
RS 200 seit 6 Jahren mit "mehr als 200 Einsätzen "
10.05.2017, 19:03 Uhr von Tim C.
Also ich habe nur den Schluss des Beitrags gesehen und war deutlich irritiert, das Frau Karlinda Rettungsassistentin ist bzw. sein soll. Ich frage mich, wann hat sie diese Ausbildung gemacht?

Unabhängig davon (auch wenn sie diese Ausbildung gemacht haben sollte) war das, was ich gesehen habe eher im Stil der Frühstücksreporterin, wo sie damals schon mit den Hund nicht mithalten konnte.

Eine kurze Recherche bei Google und man findet neben einem Wiki-Eintrag auch die Facebook Seite der Dame. Leider steht da nirgends, das sie die Ausbildung gemacht hat, geschweige denn in diesem Beruf arbeit oder gearbeitet hat. Aber auch das ist egal, wenn man sich das ein oder andere Video anschaut das, passend zur Herkunft, im Frühstücksfernsehen ausgestrahlt wurde, muss man nicht nur die Hände vor die Augen halten, weil man nicht aushalten kann, was dort zu sehen ist.

Auch wenn ich schon ein paar Jahre nicht mehr im Rettungsdienst arbeite, denke ich, das ein gestürzte ältere Dame, die in der Anamnese 2 Wirbelbrüche angibt auf der Schaufeltrage liegend und ohne Vakuummatratze ins Krankenhaus gebracht wird - kann ich nur hoffen, das Ich nie von Ihr versorgt werden muss.

Ja, es gibt Fälle, wo auch Rettungspersonal unprofessionell handeln und Frust haben, weil man schon wieder eine HiLoPe fahren muss. Aber so etwas darf nicht passieren und da ist jeder Kollege in der Verantwortung so etwas zu unterbinden und ggf. zu melden.

Solange solches Verhalten auch von den Vorgesetzten nicht verfolgt werden, kann ein Reporter damit einen Blumentopf verdienen, weil es sich besser verkaufen lässt, als wenn man "theoretisch" von einem Angriff auf Helfer berichtet oder die Situation nachgestellt werden muss - da diese Angriffe nicht aufgenommen wurde.....
10.05.2017, 19:12 Uhr von klaus
...ja, auch das sind Probleme des Rettungsdienst, weil es eben regelmäßig und zu oft an Qualität fehlt.
10.05.2017, 19:41 Uhr von E
Bin ich froh, dass ich ein RettAss bin und kein Böser RettSan=).
Spaß bei Seite. Ja, der Bericht war schon etwas "Merkwürdig".
Es werden ja wohl nicht nur zwei RS auf dem RTW gewesen sein, ein RettAss oder NFS gehört ja auch dazu, oder war das Fahrzeug nicht nach dem Gesetz besetzt?
Da haben sich ein paar RD-Mitarbeiter aber etwas von so daneben benommen und die eine Dame, die nicht erkannt werden wollte, wollte es auch noch rechtfertigen!?
Es ist, denke ich, eine Ausnahme, oder hoffe es zumindest.

Was aber leider auch stimmt, es wird im RD und KTP im Augenblick als Personal aber auch alles und jeder genommen, dann braucht man sich nicht zu wundern.
Es kommen ja auf Sat? RTL? usw. täglich Sendungen, wo der RD die Hauptrolle spielt. Alles spektakuläre Fälle. Die Wahrheit sieht aber anders aus, das sollte man den Leuten auch mal klar machen.
10.05.2017, 20:26 Uhr von frank
Ja, was die Kollegen da gefilmt haben ist nicht ok.

Es geht aus den Berichten nicht hervor, ob der "Bart" evtl. im Vorfeld vielleicht durch nicht Anwesende aufgemalt wurde. Erst mal wieder ein Generalverdacht gegen den RD.
Zudem kann sich der oder die Betroffene nicht zu der Sache äußern und werden mal pauschal schlecht/schuldig dargestellt. Greifen wir uns mal an die eigene Nase - und erinnern uns an Situationen wo wir uns nicht gerade "passend" verhalten haben. Da gibt es sicherlich einige.
Klar, sollte man so etwas nicht in einer "geschlossenen" Whats App" Gruppe veröffentlichen.

Zum Schluss noch eine Sache zum Thema - Darstellung in der Öffentlichkeit / Qualität. Heute war ich für ca 4 Stunden auf der Rettmobil in Fulda. Was ich in dieser Zeit an Kollegen und Kolleginnen gesehen habe hat mich erschreckt. 60% Haben allein äußerlich so gewirkt, dass Sie aufgrund Ihres Übergewichtes nicht in den vierten Stock laufen können. Andere hatten ein massiv ungepflegtes Erscheinungsbild usw. usw.

Schade
10.05.2017, 21:24 Uhr von Rainer
Ich als RS empfinde es als Beleidigung der Dame so etwas auszusprechen, als ob die Rettungssanis alle dumme Idioten wären. Dank dieser Frau wird man nun so nach außen hin dargestellt. Danke!!! Kleiner Tip am Rande, eine Woche diesen Job machen und die geht Freiwillig!! Von nichts eine Ahnung aber Urteilen, FRECHHEIT! Außerdem waren es 2 junge Kollegen die noch grün hinter den Ohren waren, ich wäre da eher für eine Einführung einer Altersgrenze ab wann man die Ausbildung machen darf
10.05.2017, 21:33 Uhr von Pascal
Die "Qualität" der Sendung wird dem Thema (zugegebenermaßen ein ernstes) nicht gerecht und pendelte sich irgendwo zwischen "Frauentausch", "Goodbye Germany" und BILD-TV ein. Der Pathos der Journalistin und Rettungssanitäterin mit "mehr als 200 Einsätzen" ist exorbitant und verleitet mich dazu, gerade sie in die von ihr pauschal verurteilte Gruppe der Adrenalinjunkies und Profilneurotiker einzuordnen. Da hilft auch ihr schönheitschirurgisch aufgespritzter Schmollmund nicht weiter: bei mir würde die Dame mit solch einem elitären Verhalten vom RTW fliegen.

Pascal (NotSan, seit 18 Jahren mehr als 200 Einsätze )
10.05.2017, 21:37 Uhr von Patrick
Guten Tag.
Ich habe zu dem Beitrag nur eins zusagen:«Ich habe selten so ein unqualifizierten Mist gesehen!"
Klar ist das nicht in Ordnung was von dem Rettungsdienstpersonal da gelaufen ist, Da gibt es keine Entscheidung für. Aber ich muss mich da meinen vor schreiben anschließen, Die gesamte Hetze gegen den Rettungsdienst ist genau so unverantwortlich und falsch, wie der Vorfall über den berichtet wurde.

Dann noch was zu Frank, der auf der Rettmobil war, schön das du dort warst. Aber was du zu den Kollegen bzw. über sie geschrieben hast ist in keinster Weise in Ordnung. Nur weil du vielleicht der durchtrainierte Superatlet bist, muss das nicht jeder sein. Ich habe auch deutlich zuviel Übergewicht und wenn du mich privat sehen würdest wärst du der erste, der ein riesen Bogen um mich machst. Ich lebe wie ich es für richtig halte und das tut glaub ich jeder von uns, Da spielt das aussehen im privaten keine Rolle, um aussagen zu können wie einer im Job ist. Im übrigen wiege ich 180kg bin 195 groß und laufe ohne Probleme in den 4. Stock mit C3 und Sauerstoffbrett, zu Not nimm ich den Rucksack auch noch auf den Rücken. Also lass doch solche Aussagen, sonst bist du nichts besser wie die Dame im Beitrag.
10.05.2017, 22:32 Uhr von Stefan
Es sollte noch erwähnt werden, dass die angebliche Expertin, gerade mal 200 Einsätze gefahren ist und meiner Ausäffassumg nach keinerlei Erfahrungen mitbringt und und allen verbal ein Messer in den Rücken sticht. Laut ihrer Aussage sind RettSan gefährlich und alt eingesetzte Kollegen seien abgestumpft und somit auch gefährlich für die Patienten.
Ja man stumpft nach der Zeit bei vielen Einsätzen ab. Ich selbst mache mit bei einer obdachlosen alkoholisierten Person keine Gedanken wie und warum sie in doese Lage geraten ist. Auch bei dem verstorbenen Unfallopfer Frage ich mich nicht jedes Mal, ob da vielleicht jetzt kleine Kinder keine Mama oder keinen Papa mehr haben, da solche Gedanken eine über längere Zeit innerlich zerreissen würden.
10.05.2017, 23:08 Uhr von Karsten
Wenn man sich ihre Vita durchliest, kann man zu dem Schluss kommen: dumm ist die Dame nicht und ihre Entscheidungen scheinen durchdacht und differenziert. Sie deshalb wegen weniger Einsätzen als Expertin zu diesem Thema in Frage zu stellen, die explizit Beispiele für das angesprochene Fehlverhalten einzelner Retter bestätigt, finde ich ich jetzt besonders verwerflich. Im Gegenteil, eigentlich sollten wir es alle gut finden, wenn solche schwarzen Strafe zur Verantwortung gezogen werden oder allgemein für diese Probleme sensibilisiert wird.

Nicht erkannt habe ich eine Generalverurteilung des Rettungsdienstes. Es wurde konkret auf einzelne Problembereiche eingegangen, aber auch darauf hingewiesen, dass es natürlich nicht die Regel ist.Im Gegenteil, es wird positiv über engagierte Kollegen gesprochen.

Das in den Kommentare stimmungsmachende Aufrechnung von geschlagenen Sanis vs.Sanis, die Hitlerbärtchen malen, ist nicht zielführend. "Wir werden ja auch immer geschlagen und bepöbelt, da dürfen wir ja wohl mal ein Hitlerbärtchen malen!"... das geht natürlich nicht. Beide Verhaltensweisen gehören bearbeitet, beide sind gleich schlimm und müssen öffentlich gemacht werden und von der Gesellschaft geächtet werden, damit beides nicht mehr vorkommt. Unabhängig voneinander.
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