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„Erschreckende Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst“

20.09.2012, 12:56 Uhr

„Plusminus“ berichtet über Löhne und Tarifverträge

Am gestrigen Mittwochabend wurde in der ARD-Sendung „Plusminus“ ein Beitrag über die Arbeitsbedingungen im deutschen Rettungsdienst und Krankentransport ausgestrahlt. Das Fazit der Autoren: „Mit Tricks werden Tarifverträge umgangen und die Mitarbeiter auf den Rettungs- und Krankenwagen mies bezahlt.“ Zur Sprache kommen die Leiharbeitsfirma Aventino Soziale Dienste, eine 100-prozentige Tochter der Malteser (RETTUNGSDIENST berichtete), deren Löhne um ein Drittel unterhalb der Löhne liegen, die von der Mutter-gGmbH gezahlt werden, rund 9 Euro brutto: „... weil wir mit dem bestehenden Malteser-Haustarifvertrag am Markt nicht mehr bestehen konnten“, wie der Pressesprecher des MHD erklärt. Und dabei hat die Malteser Hilfsdienst gGmH im vergangenen Jahr einen Überschuss von 4,4 Mio. Euro erzielt.

Der DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg hat seinen Rettungsdienst und Krankentransport in zwei Firmen ausgelagert. Bei der Tochter City-Ambulanz gibt es für die Beschäftigten ebenfalls keinen Tarifvertrag. Der Kreisgeschäftsführer räumte dazu ein, dass DRK-Tariflöhne in diesem Bereich wirtschaftlich unmöglich wären. In einem weiteren Beispiel des Films geht es um den ASB Oberbayern, wo die Beschäftigten seit 10 Jahren ohne Tarifvertrag arbeiten. Auch der Verdacht, dass die Auszubildenden in München nur 125 Euro pro Monat erhalten haben sollen (RETTUNGSDIENST berichtete), wird in dem Fernsehbeitrag thematisiert.

Direkt zu dem Film geht es hier.

Einen ausführlichen Text zu dem Beitrag gibt es hier

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Kommentare

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20.09.2012, 14:16 Uhr von Jan
Moin,

schlimme Sachen und aus meiner Sicht überhaupt nicht in Ordnung. Leider wärmte der Bericht ja lediglich alte bzw. durchaus bekannte Sachverhalte nur neu auf.

Kommunales Kopfschütteln, Jan
20.09.2012, 14:24 Uhr von Flo
Zumal die wahren Verursacher der Misere mal wieder nur am Rande als (berechtigtes) Verteidigungsargument der achso bösen HiOrgs auftauchen. Solange die Kostenträger nicht bereit sind die Realität anzuerkennen und entsprechende Löhne in die Kostensätze einfließen zu lassen, dürfte sich wenig ändern.
20.09.2012, 14:44 Uhr von Sepp
Ich hoffe, dass der Zoll in Bayern weiter ermitteln darf und die Praktiken nicht nur beim ASB Oberbayern, sondern bei ALLEN Durchführenden des Rettungsdienstes an die Oberfläche kommen.

Wie Du so schön sagst, Jan, sind das eigentlich "altbekannte" Geschichten, aber da kommen wieder die Politiker ins Spiel, wie der ASB-Landesvorsitzende Hans-Ulrich Pfaffmann, MdL der SPD und von Beruf Krankenpfleger, tätig in den 80er Jahren im KH München-Bogenhausen.

Fakt ist, wie ich schon öfters erwähnt habe, hat der RD in Bayern viel Dreck am Stecken und dieser Sumpf gehört trockengelegt, auch wenn dabei einige HiOrg oder Private über die "Klinge" springen. In Bayern ist seit gestern der Entwurf zur Novelle des RDG auf dem Markt, aber von einer Gleichbehandlung, wie es in dem Gerichtsurteil vom 24. Mai 2012 gefordert wird, ist dieser Entwurf, der vermutlich aus der Feder des BRK stammt (wie 2008), weit entfernt. Er hat einzig das Ziel im Auge, die kleinen Privatunternehmen besonders im Krankentransport zu vernichten. Jedenfalls wird dieser Entwurf, sollte er durchgehen, weitere Klagen nach sich ziehen, weil es hier um Existenzen geht.

Gruß aus Bayern
20.09.2012, 15:37 Uhr von Derin
Es gibt eine einfache Erklärung für dieses Spiel. Bei den HiOrg muss ein RIESIGER Verwaltungswasserkopf mitbezahlt werden. Darum muss das Geld, das eingenommen wird, eben bei den Gehältern der normalen Mitarbeiter gespart werden.

Warum geht eigentlich niemand auf die Straße und ruft zum Streik auf? Haben alle solche Angst vor der Garantenstellung und angeblichen Strafmaßnahmen? Ein kleiner Notdienst muss aufrecht erhalten werden. Mehr nicht. Was denkt Ihr, wie schnell sich dann an der Situation etwas ändern würde? RD-Mitarbeiter haben verdammt viel Macht. Nutzt sie!
20.09.2012, 15:57 Uhr von Bernd
Sind es immer nur die "bösen" HiOrg oder sollte man auch die GKV'en, Politiker und Zweckverbände mit an den Pranger stellen?

Da gehören immer zwei dazu. Der, der knechtet, und der, der sich knechten lässt.
20.09.2012, 16:09 Uhr von ALFRED
Ich glaube, dass das Rettungsdienstpersonal immer noch seinen "Dornröschenschlaf" schläft, und daraus gar nicht erwachen will.

Man könnte auch sagen "die überwiegende Mehrheit geht den Weg des geringsten Widerstandes" und das wird sich wohl kaum ändern.

Ein böses Erwachen wird die zwangsläufige Folge sein.

Alfred Brandner
-Rettungsassistent
-Fachkraft Gewaltpräventation/Abwehr
20.09.2012, 16:34 Uhr von Ulrich
Was mich wirklich ärgert ist, dass damit argumentiert wird, "wir können nicht mehr zahlen, weil wir dann nicht konkurrenzfähig sind." Wie wäre es denn, wenn man eine fixe Preisuntergrenze festlegt, statt sich mit aller Gewalt auf Kosten der Mitarbeiter immer weiter gegenseitig zu unterbieten? Wenn ich im Vertrieb mir keine Preisuntergrenze setze und jeden Preis der Mitbewerber unterbiete, zerstöre ich meinen eigenen Markt. Sollte eigentlich in den ersten Semestern BWL gelehrt werden. Ist aber augenscheinlich in diesem Sektor eine unbekannte Philosophie. Solange niemand es wagt, Stop zusagen, dreht sich die Preisspirale immer weiter abwärts. Nicht zuletzt oft auch auf Kosten der Qualität ...
20.09.2012, 16:46 Uhr von alfred
Dass Du Dich wehren musst, wenn Du nicht untergehen willst, wirst Du doch einsehen.

(Brecht)
20.09.2012, 18:54 Uhr von Sepp
Liebe Freunde,

ich stelle mal eine Rechnung auf: Verdienst RS 1985 in BAT 6b mit Schichtzulagen ca 2.400-2.700 DM netto. Verdienst RettAss im Jahre 2012?

Der Unterschied ist bereits so gravierend, dass es wie Derin sagt, nur mit einer Großdemo oder Streik geht. Die AOK in Bayern sch... sich einen Dreck, wie die Patienten versorgt und transportiert werden, nur billig muss es sein.

Ich kann nur an die RD'ler appalieren, reißt Euch zusammen und streikt mal eine Woche und Ihr werdet sehen, wie schnell sich etwas ändert. Aber solange die Schlafschafe unter den RD'lern so weitermachen, wird es immer schlimmer, außer z.B. in Bayern, wenn es Rotes Kreuz und Blaues Kreuz schaffen, das Monopol zu statuieren, dann bestimmen sie den Preis gegenüber den Kostenträgern.

Auf die Politik braucht keiner zu hoffen, denn die ist zu korrupt und zu dumm, um etwas zu Gunsten der Mitarbeiter zu ändern. Auch die beiden Führungskräfte des ASB Oberbayern, die derzeit am Pranger stehen, waren früher mal Krankenhilfsträger, aber wie heißt es so schön: Gib mir Macht und ich vergesse meine Herkunft!

Leute, es wird Zeit, dass was passiert, sonst geht es ewig so weiter!
20.09.2012, 19:31 Uhr von f.
Es hilft nur ein vernünftiger Flächentarifvertrag, dann können sie ausschreiben oder kommunalisieren wie sie wollen.

Aber...DIESEN FLÄCHENTARIF WIRD UNS NIEMAND SCHENKEN!
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