Am gestrigen Mittwochabend wurde in der ARD-Sendung „Plusminus“ ein Beitrag über die Arbeitsbedingungen im deutschen Rettungsdienst und Krankentransport ausgestrahlt. Das Fazit der Autoren: „Mit Tricks werden Tarifverträge umgangen und die Mitarbeiter auf den Rettungs- und Krankenwagen mies bezahlt.“ Zur Sprache kommen die Leiharbeitsfirma Aventino Soziale Dienste, eine 100-prozentige Tochter der Malteser (RETTUNGSDIENST berichtete), deren Löhne um ein Drittel unterhalb der Löhne liegen, die von der Mutter-gGmbH gezahlt werden, rund 9 Euro brutto: „... weil wir mit dem bestehenden Malteser-Haustarifvertrag am Markt nicht mehr bestehen konnten“, wie der Pressesprecher des MHD erklärt. Und dabei hat die Malteser Hilfsdienst gGmH im vergangenen Jahr einen Überschuss von 4,4 Mio. Euro erzielt.
Der DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg hat seinen Rettungsdienst und Krankentransport in zwei Firmen ausgelagert. Bei der Tochter City-Ambulanz gibt es für die Beschäftigten ebenfalls keinen Tarifvertrag. Der Kreisgeschäftsführer räumte dazu ein, dass DRK-Tariflöhne in diesem Bereich wirtschaftlich unmöglich wären. In einem weiteren Beispiel des Films geht es um den ASB Oberbayern, wo die Beschäftigten seit 10 Jahren ohne Tarifvertrag arbeiten. Auch der Verdacht, dass die Auszubildenden in München nur 125 Euro pro Monat erhalten haben sollen (RETTUNGSDIENST berichtete), wird in dem Fernsehbeitrag thematisiert.
Direkt zu dem Film geht es hier.
Einen ausführlichen Text zu dem Beitrag gibt es hier.


Kommentare
schlimme Sachen und aus meiner Sicht überhaupt nicht in Ordnung. Leider wärmte der Bericht ja lediglich alte bzw. durchaus bekannte Sachverhalte nur neu auf.
Kommunales Kopfschütteln, Jan
Wie Du so schön sagst, Jan, sind das eigentlich "altbekannte" Geschichten, aber da kommen wieder die Politiker ins Spiel, wie der ASB-Landesvorsitzende Hans-Ulrich Pfaffmann, MdL der SPD und von Beruf Krankenpfleger, tätig in den 80er Jahren im KH München-Bogenhausen.
Fakt ist, wie ich schon öfters erwähnt habe, hat der RD in Bayern viel Dreck am Stecken und dieser Sumpf gehört trockengelegt, auch wenn dabei einige HiOrg oder Private über die "Klinge" springen. In Bayern ist seit gestern der Entwurf zur Novelle des RDG auf dem Markt, aber von einer Gleichbehandlung, wie es in dem Gerichtsurteil vom 24. Mai 2012 gefordert wird, ist dieser Entwurf, der vermutlich aus der Feder des BRK stammt (wie 2008), weit entfernt. Er hat einzig das Ziel im Auge, die kleinen Privatunternehmen besonders im Krankentransport zu vernichten. Jedenfalls wird dieser Entwurf, sollte er durchgehen, weitere Klagen nach sich ziehen, weil es hier um Existenzen geht.
Gruß aus Bayern
Warum geht eigentlich niemand auf die Straße und ruft zum Streik auf? Haben alle solche Angst vor der Garantenstellung und angeblichen Strafmaßnahmen? Ein kleiner Notdienst muss aufrecht erhalten werden. Mehr nicht. Was denkt Ihr, wie schnell sich dann an der Situation etwas ändern würde? RD-Mitarbeiter haben verdammt viel Macht. Nutzt sie!
Da gehören immer zwei dazu. Der, der knechtet, und der, der sich knechten lässt.
Man könnte auch sagen "die überwiegende Mehrheit geht den Weg des geringsten Widerstandes" und das wird sich wohl kaum ändern.
Ein böses Erwachen wird die zwangsläufige Folge sein.
Alfred Brandner
-Rettungsassistent
-Fachkraft Gewaltpräventation/Abwehr
(Brecht)
ich stelle mal eine Rechnung auf: Verdienst RS 1985 in BAT 6b mit Schichtzulagen ca 2.400-2.700 DM netto. Verdienst RettAss im Jahre 2012?
Der Unterschied ist bereits so gravierend, dass es wie Derin sagt, nur mit einer Großdemo oder Streik geht. Die AOK in Bayern sch... sich einen Dreck, wie die Patienten versorgt und transportiert werden, nur billig muss es sein.
Ich kann nur an die RD'ler appalieren, reißt Euch zusammen und streikt mal eine Woche und Ihr werdet sehen, wie schnell sich etwas ändert. Aber solange die Schlafschafe unter den RD'lern so weitermachen, wird es immer schlimmer, außer z.B. in Bayern, wenn es Rotes Kreuz und Blaues Kreuz schaffen, das Monopol zu statuieren, dann bestimmen sie den Preis gegenüber den Kostenträgern.
Auf die Politik braucht keiner zu hoffen, denn die ist zu korrupt und zu dumm, um etwas zu Gunsten der Mitarbeiter zu ändern. Auch die beiden Führungskräfte des ASB Oberbayern, die derzeit am Pranger stehen, waren früher mal Krankenhilfsträger, aber wie heißt es so schön: Gib mir Macht und ich vergesse meine Herkunft!
Leute, es wird Zeit, dass was passiert, sonst geht es ewig so weiter!
Aber...DIESEN FLÄCHENTARIF WIRD UNS NIEMAND SCHENKEN!