S+K Verlag
Der einzige Fachverlag für
Notfallmedizin in Deutschland.
Bücher, Zeitschriften und Nachrichten
rund um das Thema Rettungsdienst.

Feuerwehr Hamburg fordert einheitliche Notrufnummer

02.08.2017, 13:30 Uhr

Foto: K. von Frieling

Maurer wehrt sich gegen Vorwürfe

Wie die Tageszeitung „Die Welt“ heute meldet, wehrt sich die Hamburger Feuerwehr gegen die Vorwürfe, sie würde Rettungsdiensteinsätze verschleppen (wir berichteten hier). Es gebe niemanden, der die Mitarbeiter der Feuerwehrleitstelle anweise, private Anbieter nachrangig zu berücksichtigen, so der Leiter der Berufsfeuerwehr Hamburg, Oberbranddirektor Klaus Maurer. Welches Fahrzeug zum Einsatz komme, liege an einem festgelegten Algorithmus, der die Ausrückfolge für einen bestimmten Einsatzort festlege.

Der Grund für die Doppelalarmierungen seien unterschiedliche Notrufnummern, die es in Hamburg neben der 112 noch gebe. So sei z.B. der ASB unter der Nummer 19223 zu erreichen, was zu Abstimmungsprozessen zwischen den Anbietern für Rettungsdienste führe. Maurer fordert daher eine einheitliche Notrufnummer in der Hansestadt – die 112 – und plädiert für eine zentrale Leitstelle. Derzeit gibt es neben der der Feuerwehr noch drei weitere der Privatanbieter. Die Feuerwehr habe aber kein Interesse daran, andere Anbieter rauszuhalten, denn auch sie würde an Leistungsgrenzen stoßen. Aber einer müsse bei der Organisation den Hut aufhaben – und das müsse die Feuerwehr sein.

Kommentare

« 1 2 3 4  ... »
02.08.2017, 15:05 Uhr von Philip
da kommt doch Bewegung in die richtige Richtung rein. Dass die anderen Leitstellenanbieter sich laut "Die WELT" nicht äußern wollen überrascht. Vielleicht haben sie auch so viel Entgegenkommen nicht erwartet.
02.08.2017, 15:15 Uhr von pa.
Schön das die Erkenntnis da ist. Wichtig ist das jetzt endlich Taten folgen. D.h. die Führung der Bf HH zusammen mit dem Innensenator sollte mal alle Hiorg. und Privaten an einen Tisch holen und gemeinsam an einer Lösung arbeiten von der alle profitieren.
Hätte man auch schon vor 30 Jahren haben können, wenn es die Bf gewollt hätte.
02.08.2017, 15:31 Uhr von Harry
Ich kenne das noch von früher aus Österreich. Vor dem Lawinenunglück von Galtür gab es alleine in Tirol mindestens 20 verschiedene Bezirksleitstellen, Notrufannahmestellen der Feuerwehr und der verschiedenen Rettungsdienstanbieter mit unterschiedlichen "Notrufnummern". Nicht selten waren die Telefone ehrenamtlich besetzt und jeder Rettungsstützpunkt hatte sein eigenes "rotes Telefon". War der RTW oder NAW im Einsatz, dann konnte es passieren, dass die Telefone vor sich hin bimmelten, da kein Personal mehr auf dem Stützpunkt war, welches die Notrufe entgegennehmen konnte. Angenommen wurden die Notrufe nicht selten von neuen Zivildienern oder Freiwilligen. Notrufabfrage, Anleitung zur Ersten Hilfe etc. Fehlanzeige. Es kam beinahe täglich vor, dass an Einsatzstellen aufgrund von Doppelalarmierungen mehrere Fahrzeuge regelrecht um die Patienten kämpften.
Es ist traurig, dass immer zuerst eine Katastrophe passieren muss, bevor sich etwas verändert. In Österreich wurde das Defizit nach der katastrophalen Notfallorganisation von Galtür erkannt. Seither gibt es nur noch wenige große und hoch professionelle Leitstellen.

Meiner Erfahrung nach, funktioniert eine Trennung (baulich) zwischen Krankentransport-, Rettungs- und Ärztlicher Notfalldienst Leitstellen sowieso nicht. Ebensowenig wie das in Deutschland immer noch vielerorts übliche Sachbearbeiterprinzip. Dem Hilfesuchenden sollten für die rettungsdienstliche Gefahrenabwehr maximal zwei Nummern zugemutet werden. Die 112 für sämtliche Notfälle (Feuer, Rettung etc.) und eine Nummer für alle sonstigen Anliegen (Ärztlicher Notfalldienst, Transportdienst, Krankentransport etc.).

Ich habe auf der letzten Internationalen Fortbildung mit einem englischen Dispatcher Kollegen geredet. Das Konzept des NHS hört sich sehr gut an. Da gibt es die 999 für alle medizinischen Notfälle und die 111 für alle sonstigen Beratungsleistungen. Das schöne ist, dass das Konzept darauf ausgerichtet ist, Nicht-Notfallpatienten vom Krankenhaus / Rettungsdienst fernzuhalten. Es wird also nicht automatisch bei einem 999 Anruf ein RTW geschickt, sondern gegebenenfalls dazu geraten den Hausarzt (GP) aufzusuchen, ggf. wird gemäss Verfahrensanweisung zur Selbsthilfe angeleitet, ein Paramedic Practitioner steht für chronische Erkrankungen zur Verfügung und kann Patienten selbstständig mit Schmerzmittel oder Antibiotika versorgen und zu Hause lassen. Ist kein Transportfahrzeug nötig, dann wird von der 111 auch gerne ein Taxi zu den Patienten organisiert. Trotzdem platzt der NHS Rettungsdienst aus allen Nähten, die Gründe sind jedoch in den krassen Einsparungen der letzten Jahrzehnte zu suchen (RTW Auslastungen nahezu immer am gesetzlichen Limit von 86%, Wartezeiten auf RTW (zweitdringlichste Kategorie mit Sondersignal) teilweise mehrere Stunden).

In Deutschland ist der Druck im System scheinbar noch nicht groß genug um eine Veränderung herbeizuführen. Vielerorts gilt das Prinzip, "Sie telefonieren, wir kommen". Leider fehlt es heutzutage vor allem an einem auf vielen Leitstellen, "denkendes Personal mit gesunden Menschenverstand!" Da wird Nachts um 3 Uhr ein RTW losgeschickt zu "Knieschmerzen seit 3 Jahren" oder kein Witz zu "Schlaflosigkeit". Gleichzeitig wird über zu wenig Rettungsmittel im System und eine Zunahme der Einsätze gejammert. In den 80er und 90er Jahren war der Rettungsdienst vielleicht noch nicht so professionell wie heute, jedoch haben wir auf den Leitstellen Patienten regelmässig an Hausärzte, Pflegedienste oder Taxis verwiesen. Patienten für den Krankentransport "leichte Knieschmerzen seit 3 Jahren und nicht mehr gehfähig" wurden Nachts auf Halde gelegt und erst dem KTW tagsüber disponiert. Wir haben im Rettungsdienst Patienten regelmässig zu Hause gelassen (betrunken und gehfähig) oder tagsüber in Hausarztpraxen transportiert. Damals wurde viel häufiger an die Auswirkungen für das Gesamtsystem gedacht und nicht jeder "mit Köfferchen am Straßenrand wartende" direkt ins KH transportiert. Die Einsatzzahlen sind doch auch deshalb gestiegen, weil jedem Leitstellenmitarbeiter Angst gemacht wird. Alle Rettungsdienstanbieter haben Angst vor negativer Publicity in der "Zeitung mit den vier großem Buchstaben" wenn Michael P. aus Buxtehude mit Husten- Schnupfen- Heiserkeit (Männerschnupfen) nicht sofort mit Blaulicht ins KH Transportiert wird. Alle Leitstellenmitarbeiter haben Angst davor, dass der 36 jährige mit Gastritis-Bauchweh der den ärztlichen Bereitschaftsdienst anruft doch einen Herzinfarkt hat und den Mitarbeiter bis ins Gefängnis klagt.

Ich halte mich an das Sprichwort: "Angst ist ein schlechter Berater!". Wir leben "Gott sei Dank" nicht in den USA und es steht kein Rechtsanwalt hinter jedem Patienten der den Rettungsdienst auf Millionen verklagt.
Was Deutschland seit Jahrzehnten bräuchte wären überregionale Großleitstellen. In "ein Mann Schiessbuden" kann keine professionelle Notrufabfrage / Disposition betrieben werden. Wir brauchen dringend die Trennung von Dispatcher und Calltaker, ein (akademischer) Overhead-Supervisor der das Leitstellenpersonal im Dienst berät, schult oder in kritischen Fällen (psychologische Beratungen, IT Systemausfälle, MANV etc.) das Ruder übernimmt. Deutschland braucht dringend flächendeckend eine sturkturierte Notrufabfrage (bsp. AMPDS). Es muss zwingend eine eigene dreijährige Ausbildung für Leitstellenpersonal geschaffen werden (RettSan+Feuerwehr+IT+psychologische Gesprächsführung+MANV Praxistraining etc.). Die beste Lösung wäre für jedes Bundesland maximal 1-3 Grossleitstellen, die Personell und Finanziell entsprechend ausgestattet wesentlich günstiger zu betrieben werden könnten als dies im status quo der Fall ist. In einer Zukunftswerkstatt für Leitstellen (Fortbildung) haben wir sogar einmal 4 Grossleitstellen für ganz Deutschland durchgespielt und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Vorstellung gar nicht so unrealistisch wäre. Stand heute am Beispiel Baden-Württemberg; 38 Mini-Leitstellen, teilweise immer noch mit einer Person besetzt. Im Vergleich dazu UK: Die 10 NHS ambulance trusts bestehen aus 5 (defacto) unabhängigen foundation trusts und betreiben sage und schreibe Vier-24 Stunden-999 ECCs (Notrufleitstellen) für ganz England.

Einfach mal zum nachdenken! Schönen Tag noch.
02.08.2017, 15:36 Uhr von Alwin
Wie schlecht eine Berufsfeuerwehr, voller Bauingenieure und anderer selbst ernannter Organisationstalente, die Organisation von Leitstelle und die Mitwirkung im Rettungsdienst ausgestalten kann, dürfen wir in München jeden Tag erleben.

Auch dort ist man um keine Ausrede verlegen.

In München kann man sich gut ein Bild verschaffen, wie es nicht geht!
02.08.2017, 15:56 Uhr von christiane
DFeuG-facebook

Pressemitteilung-2.8.2017

"Vorwürfe der Hilfsorganisationen gegen die Feuerwehr Hamburg und die aktuelle Berichterstattung in den Medien"
02.08.2017, 16:16 Uhr von pa.
Im Rahmen eines sogenannten runden Tisches ist zu schauen, in welchen Bereichen die meisten Hilfsfristüberschreitungen sind. In diesen Stadtteilen sollte man zuerst den RD verstärken. Hier müssten die Hiorg. als erstes RTW hinstellen. Sinnvoll in diesem Zusammenhang wäre RTW der Hiorg. mit auf die Wachen der BF zu stellen, sofern dieses räumlich machbar ist.
02.08.2017, 17:37 Uhr von Philip
@Alwin
Was ist es denn genau, was alles nicht funktioniert. Nach Deinem Post zu Urteilen hast Du praktische Erfahrung damit.
02.08.2017, 17:40 Uhr von Hans_Dampf
@Harry:
Haben Sie sich nur mit einem Disponenten unterhalten oder haben Sie auch "selber mal am Tisch gesessen"?
Sollten Sie Disponent sein, dann wüssten Sie, dass bei einem Großteil der Anrufer es aussichtslos ist, sie an den KäBD oder den Hausarzt zu verweisen. Und umso größer die Leitstelle umso weniger wird das individuelle und die Zeit sich mit dem Anrufer zu beschäftigen, also wird geschickt.
Glauben Sie mir, es ist ein Irrglaube, dass es mit größeren Leitstellen alles besser wird.

Zurück zum Thema, der Plan für Hamburg ist natürlich zu begrüßen.
02.08.2017, 17:48 Uhr von E
Eine Notrufnummer, in einer Leitstelle! Na es geht doch, muss nur umgesetzt werden.
Hätte man früher drauf kommen können. Aber immerhin.....

Aber bitte auch dann alle Rettungswagen mit der 112 als Notruf bekleben.
Alle anderen Nummern als Krankentransport kenntlich machen.
Es muss für jeden in der Bevölkerung eindeutig sein.
02.08.2017, 18:05 Uhr von Freidenker
Da lacht die Forelle.......wer ,bitte schoen, programmiert den anzuwendenden Algorithmus? Wer gibt den Inhalt des Selbigen vor? So etwas Flaches habe ich lange nicht lesen muessen, die Feuerwehr Hamburg entzaubert sich selber , mimimi ....das war doch der Computer und nicht wir...wir sind doch die Guten und die Besten....... Sagenhaft
« 1 2 3 4  ... »
Kommentar hinzufügen
Benachrichtigen Sie mich, wenn es neue Kommentare gibt.
Sicherheitsabfrage: 2 + 5 = 

Felder, die mit einem * gekennzeichnet sind, sind Pflichtfelder.

zum Seitenanfang
KontaktRSS
Stumpf + Kossendey Verlag, 2017
Impressum