Wenn in der Gemeinde Sonsbeck am Niederrhein (NRW) rettungsdienstliche Hilfe erforderlich ist, muss diese für gewöhnlich aus dem rund 20 Kilometer entfernten Rheinberg anrücken. Fest steht damit, dass die Zeit zwischen der Alarmierung und dem Eintreffen des Rettungsdienstes viel zu lang ist. Wenn in dieser Phase keine Erste Hilfe geleistet werden kann, dann ist es in vielen akuten Fällen bereits zu spät.
Nun haben Ärzte aus der Gemeinde eine First-Responder-Gruppe gegründet (bestehend aus ehrenamtlichen, entsprechend geschulten und ausgerüsteten Helfern), die im Notfall die Zeit bis zum Eintreffen des RD überbrückt. Zehn First Responder gibt es bereits. Seit Anfang Juli haben sie über 20 Einsätze gefahren, unter anderem bei Herzinfarkt-Verdachtsfällen, Verkehrs- und anderen Unfällen.
Zur Gruppe gehören Mitglieder des DRK und der Freiwilligen Feuerwehr. Das Ziel der Gruppe ist, einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst vorzuhalten. Das Projekt ist zudem mit dem Kreis Wesel abgestimmt. Die First Responder werden von der Leitstelle gleichzeitig mit dem Rettungsdienst alarmiert und sind in drei bis acht Minuten an jedem Ort in der Gemeinde, wie ein Mitinitiator erläutert. Ein eigenes Einsatzfahrzeug gehört ebenfalls zur Ausstattung: Mit Hilfe des Kreises wurde ein alter Mercedes angeschafft. An Bord befinden sich unter anderem ein Notfallkoffer, Sauerstoff und ein Defibrillator. Die Schutzkleidung wird vom DRK gestellt, das auch Erste-Hilfe-Schulungen für Interessenten anbietet. (Quelle: Rheinische Post)



Kommentare
Grundsätzlich frage ich mich jedoch schon, was das soll?! Wenn der RTW länger als 20 Minuten braucht oder auch nur 17,38 Minuten ist es Zeit für eine neue RettWa mit hauptamlichem Personal. Das soll jetzt keine Geringschätzung der First Responder werden, aber sie werden niemals so gut und professionell arbeiten können wie der Regel-RD. Ja, Ja, es gibt Ausnahmen, angeblich, ist schon klar.
Dass der Kreis Wesel das Projekt unterstützt, ist nicht verwunderlich, sparen sie sich so doch Diskussionen und unter Umständen die Investitionskosten und Gespräche mit den KKen und vielleicht sogar eine EU-Ausschreibung.
PS:) 24 Stunden-Bereitschaft? Im 2 oder 3 Schichtsystem? In der Woche? Wie soll das denn gehen und dabei meine ich nicht 1 Woche oder 14 Tage sondern 1 Jahr oder auch 10 Jahre!
Und was spricht gegen einen First Responder, auch wenn der RD innerhalb der Hilfsfrist eintrifft? AFAIK sind Fristen von 12-15 min für den RTW normal, für eine Rea vom medizinschen her aber inakzeptabel. Da macht dann der First Responder auch in Orten Sinn, die innerhalb der Hilfsfrist erreichbar sind.
Wir haben an der Kreisgrenze, in einer Toten Ecke, auch einen FR und Grundsätzlich ist er da auch sehr sinnvoll, wenn auch nur am WE besetzt, das ist auch in Ordnung so.
Wenn aber Vorgaben nicht eingehalten werden, dürfen diese Engagements nicht als Ersatz geschaffen werden. Als medizinisch sinnvolle Ergänzung bestehender vorgabenkonformer Systeme zur VERKÜRZUNG der regulären Zeiten sinnvoll.
In UK hat man eine Hilfsfrist von 8 Minuten (in 75% der Fälle), in Seattle/King County ist nach 6 Minuten ein AED am Patienten und die Überlebensraten von Patienten mit einem beobachteten HKS mit VF liegt bei über 50%. In NRW überlebt nicht einmal die Hälfte von diesen 50%. Auch wenn 12 Minuten "konform" sind, so sind sie zu lang, wenn es darum geht, ein Leben zu retten. Aber anscheinend spielt das trotz aller Evidenz keine Rolle.
Aus diesem Hintergrund sollte der zuständige Träger des Rettungsdienstes, seinen Bedarfsplan mal überdenken.
Ich möcht hier natürlich nicht das ehrenamtliche Engagement der eingesetzten Helfer schmälern, im Gegenteil, selbst bei einem flächendeckenden RD-System ist es legitim auf entsprechende Resourchen zurückzugreifen, selbst wenn nur ein paar Minuten überbrückt werden, bis der qualifizierte Rettungsdienst eintrifft.
Je nach Einsatzmeldung ist es auch hilfreich, eine 2-3 Mann starke Rtw-Besatzung zusätzlich durch diese Kräfte zu unterstützen.
Aber dies darf nicht zu Lasten einer rettungsdienstlichen Grundversorgung gehen, wenn laut Einsatzzahlen und überarbeitetem Bedarfsplan, an neuen benötigten Rettungswachen gespart wird.
Ich verstehe den obigen Artikel so, dass egal welches Engagement die First-Responder an den Tag legen, dies kann nur eine Notlösung darstellen.
Im Hinblick auf Einsatzsituationen z. B. stumpfes Bauchtrauma "Scoop and Run" statt "Stay and Play", wäre eine optimale Versorgung nicht gewährleistet, fehlt doch die zeitnahe Transportkomponente.
Hat sich mal einer der Verantwortlichen Gedanken gemacht, welche Belastung (familiär, persönlich oder beruflich) es für die ehrenamtlichen Helfer bedeutet, wenn sie regelmäßig oft eingesetzt werden. Allein von der möglichen Qualifikation und Ausstattung werden diese, sicherlich entsprechend oft an ihre fachlichen und persönlichen Grenzen stoßen. Für hauptamtliche Mitarbeiter ist dies schon belastend, trotz entsprechendem Background.
Ich hoffe nur, dass die Kollegen ihrer Aufgabe langfristig gewachsen sind und sie diese auch unbeschadet überstehen, habe hier aber begründete Zweifel, wenn z. B. kein entsprechendes Nachsorge-System etabliert ist.
Sinnvoll sind sie trotzdem, auch wenn der nächste RTW in der Regel "nur" 8-10 min. bis zur Einsatzstelle braucht.
Denn:
Wir brauchen uns nicht alle drei Jahre neu darüber zu unterhalten, ob nun 28 oder 32 x drücken oder Adrenalingabe nach dem zweiten oder dritten Zyklus oder erst drücken dann defibrillieren oder doch besser andersrum, sinnvoll ist, wenn mit der Rea erst nach zehn oder fünfzehn Minuten begonnen wird.
Also vermutet doch nicht hinter jeder Gründung und öffentlicher Unterstützung einer FR Gruppe gleich eine Ausdünnung von Rettungsmitteln mit riesigem Einsparpotenzial des RD-Betreibers oder des Kostenträgers.
Sicher gibt es bei den FR auch Profilneurotiker, aber die gibt es im hauptamtlichen Bereich sicher nicht weniger.
Deswegen: nicht immer alles gleich schlecht reden!
"...vom DRK gestellt, das auch Erste-Hilfe-Schulungen für Interessenten anbietet." Nur einen EH-Kurs? - Meiner Meinung nach zu wenig (aber vllt. hab ich da was missverstanden)!
Bei uns im bayerischen Landkreis Cham unterhält das BRK zum Beispiel vier "Helfer vor Ort"-Standorte. Die Mindestqualifizierung ist Rettungsdiensthelfer. Daneben gibt es viele Rettungsassistenten und Rettungssanitäter. Ein paar Krankenschwestern/-pfleger sind auch dabei. Ehrenamtliche und Hauptamtliche (des Rettungsdienstes, die in ihrer Freizeit fahren) des BRK's halten sich in etwa die Wage.
Zum Einsatz kommen entweder eigens angeschaffte Neuwagen oder ausgemusterte KTW's und NEF's. Die Ausstattung ist dementsprechend umfangreicher, als nur Koffer und Sauerstoff.
Mein Fazit:
Wenn man es richtig macht und die First Responder/ HvO's nicht als Ersatz sondern als Ergänzung sieht haben alle was davon - in erster Linie natürlich die Patienten.
also ich finde auch, dass es SO eigentlich nicht geht.
Helfer-vor-Ort-Systeme können eine sinnvolle Ergänzung des Systemes sein, sollten aber nicht punktuell dauerhaft als fest eingeplante Größe für den Ersteinsatz gezählt werden.
Am sinnvollsten wäre es, HvO-Systeme als Rückfallebene einzusetzen. Wie in dem Beispiel aus dem Artikel könnten die HvO zum Zuge kommen, wenn der dort abseits stationierte RTW bereits gebunden ist.
Zudem ließe sich in diesem speziellen Beispiel evtl. auch was über die Struktur vor Ort regeln. Näher als Rheinberg an Sonstbeck liegt Xanten, mit einer hauptamtlich besetzten Rettungswache (1 RTW, 1 NEF, soweit ich weiss!!!). Vll sollten einfach die Ausrückebezirke angepasst werden? Zudem ließe sich eine Erweiterung einer Rettungswache (z. Bsp. in Xanten) eher realisieren, als ein Neubau in Sonsbeck.
GLG, der Chris