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Hochschule und Rettungsdienstschule arbeiten zukünftig zusammen

08.01.2016, 11:54 Uhr

Prof. Dr. habil. S. Ückert (Vizepräsidentin H:G), Philipp Utermann (Inhaber/Leitung ResQuality) und Prof. Dr. G. Nadler (Studiengangsleiter SRM/PVR) (v.l.) (Foto: H:G)

H:G und ResQuality schließen Kooperationsvertrag

Die Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst (H:G) mit Hauptsitz in Berlin und die ResQuality-Rettungsdienstschulen mit Hauptsitz in Dortmund haben einen Kooperationsvertrag geschlossen. Die H:G bietet derzeit den siebensemestrigen Bachelor-Studiengang „Präklinische Versorgung und Rettungswesen“ an, der sich vor allem an Rettungsassistenten richtet. ResQuality ist eine Bildungseinrichtung für Rettungsfachpersonal mit Schulstandorten in Dortmund, Essen und Köln.

Durch den Kooperationsvertrag kann die H:G die Simulationseinrichtungen bei ResQuality nutzen. Studierenden mit abgeschlossener Ausbildung zum Rettungsassistenten, die in der Bildungseinrichtung eine Weiterqualifikation zum Notfallsanitäter absolvieren, können sich Studien- und Prüfungsleistungen anrechnen lassen. Mittelfristig möchte die H:G mit ResQuality als Kooperationspartner einen Modellstudiengang zum Notfallsanitäter nach § 7 NotSanG anbieten. Gedacht ist an einen achtsemestrigen dualen Studiengang mit hohem Präsenzanteil.

Kommentare

11.01.2016, 19:42 Uhr von Hanns
Der Notfallsanitäter Bachelor of Science wird wohl der Notfallsanitäter der Zukunft in den nächsten 10 Jahren werden. Bei den nachgeprüften Rettungsassistenten wird's wohl nur bei einer Umbenennung bleiben, die richtigen NFS haben eben einen akademischen Grad und dass wird den kleinen aber feinen Unterschied machen, in den Kompetenzen und natürlich auch beim Geld.
12.01.2016, 11:34 Uhr von E
Gibt es richtige und unrichtige NFS? Bachelor of Science? 3 Jahre Ausbildung? 3 Jahre ist eine normale Ausbildung, mit anschließendem Gesellenbrief. Wo ist da ein akademischer Grad? Leute, der NFS ist ein ganz normaler Beruf, nicht mehr und nicht weniger.
13.01.2016, 00:49 Uhr von Sascha
@E: mir ist nicht ganz klar, wieso du anscheinend dich so stark gegen eine Akademisierung in unserer Proffesion weigerst. Ein Bachelor hat einen anderen akademischen Grad als eine Ausbildung und ermöglicht die Durchlässigkeit zum Master und Doktor. Relevante Titel und Grade für gehobene klinische aber auch Managementpositionen. Weltweit ist die Tendenz klar: Akademisierung und zwar für eine Weiterentwicklung und Bildung von neuen Fachfeldern. Somit weg von der innerklinisch beherrschten Fakultät, hin zur Bildung einer eigenen Fakultät und Insituten mit Forschungs- und Selbstregulierungsauftrag.
Deutschland hat es leider nur geschafft in den letzten 25 Jahren von 2 auf 3 Jahre Ausbildung aufzustocken und ist noch nicht im Bereich der Akademisierung angekommen. Ich bin mir aber sicher, das dieses in den nächsten 10 Jahren ein ganz klares Ziel ist.
14.01.2016, 11:22 Uhr von Philip
@Sascha

das Paramedic-System ist ein typisch angelsächsisches System. In Europa wird vornehmlich anders gearbeitet. Einige skandinavische Länder und auch mittelmeeranreiner (Italien) setzen auf Krankenpfleger mit einer entsprechenden Zusatzausbildung. Norwegen und Frankreich sogar auf Intensivpfleger. Frankreich ist bezüglich der Einbringung der Ärzte in die Notfallrettung noch umfassender (ab Leitstelle) als Deutschland. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Deutschland hier einen Alleingang macht, vor allem nicht in Anbetracht der starken Ärztelobby.
Ein Bachelor oder Master mag nicht schlecht sein. Nur wirklich einbringen kannst Du das Wissen momentan nur in der Ausbildung als Lehrer an einer Schule. Dazu musst Du aber auch entsprechende pädagogische Inhalte vermittelt bekommen haben. Ob diese erweiterten medizinischen Kenntnisse bei den Reettungsdienstbetreibern gebraucht werden, bezweifle ich da hier die ärztlichen Leiter die medizinische Verantwortung tragen. Für Leitungspositionen sind eher Kenntnisse in BWL oder besser ein Abschluss in Rettungsingenieurwesen gefragt, der eigens hierfür geschaffen worden ist.
Ein Studium ohne das es einen definierten Arbeitsmarkt gibt kostet nur Geld und Zeit und sorgt für Frustration bei den Absolventen.
15.01.2016, 11:15 Uhr von Dr
@Philip:

Nur ein paar Aspekte, ohne auf das Personal im Rettungsdienst in Europa konkreter eingehen zu wollen. Richtig ist, dass im Rettungsdienst in Frankreich und Italien "Nurses" (also Krankenpflegepersonal mit mind. dreijähriger Ausbildung) plus evtl. Zusatzqualifikationen tätig sind. Allerdings ist die Ausbildung dieser "Krankenpfleger" nicht mit der deutschen "pflegelastigen Ausbildung an Berufsfachschulen" vergleichbar. Die drei- oder vierjährigen Ausbildungen in Nursing findet in fast allen Staaten der EU an Hochschulen statt; Zugangsvoraussetzung Abitur. Letztlich führen diese Nurses in der Berufspraxis überwiegend medizinische Tätigkeiten aus. Die Grundpflege wird von Personal mit einer kürzeren Ausbildung geleistet.

Bezogen auf den Rettungsdienst sind vielleicht auch die Niederlande interessant. Voraussetzung für eine Tätigkeit im Rettungsdienst: 4 Jahre Studium Krankenpflege an einer Hochschule, einige Jahre Tätigkeit in einer Klinik (z.B. Kardiologie), dann Fachlehrgang Rettungsdienst.

Lange Rede, kurzer Sinn: In den EU-Staaten in den "Krankenpfleger" im Rettungsdienst zum Einsatz kommen, haben diese eine Hochschulausbildung!

Gesamtbetrachtung: In fast allen Staaten der EU finden die dreijährigen Ausbildungen in fast allen Gesundheitsfachberufen an Hochschulen statt! Deutschland ist hier diesbezüglich mittlerweile ein Exot. Selbst im traditionsbewussten Österreich ist eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, zur Hebamme, zum Ergotherapeuten, zur MTA etc. seit 2010 nur noch an Hochschulen möglich.

Also: Bitte nicht versuchen die notwendigen Anpassungen zu verhindern, die dadurch notwendig werden, dass die "Angelegenheiten" komplexer" werden.
16.01.2016, 12:04 Uhr von Philip
@Dr
das in anderen Ländern viel studiert wird, liegt daran, das es dort keine duale Ausbildung gibt (siehe bspw. Spanien). Mehr Geld verdienen die trotzdem nicht (auch was den Umfang an Theorie und Praxis angeht, sind diese gleich auf).
Der Unterschied zwischen dem angelsächsischem System liegt vor allem in dem Selbstverständnis der nichtärztlich Medizintätigen (wollte jetzt bewußt nicht Assistenzberuf schreiben). Dort studieren und forschen auch Pflegekräfte, da sich diese Berufe u.a. selber definieren. Durch diese Weiterqualifikation wird aber auch eine Erweiterung der Kompetenzen erreicht. In Deutschland nicht möglich.

Besser fände ich, wenn die medizinischen Fachberufe zusammerngelegt werden würden. Basisqualifikation und Fachfortbildung. Vorteil, wäre eine Duschlässigkeit im System. Denn nur weil der RettAss nun NFS heißt wird die Arbeit nicht leichter. D.h. die Mitarbeiter müssen ab einem bestimmten Alter evtl. in andere Arbeitsfelder wechseln. Heute kann ein Wechsel wegen fehlender Qualifikation in eine Klinik nicht erfolgen, oder wenn es doch klappt, dann nur mit massiven finanziellen Einbußen (Anstellung als Pflegehelfer).

Mir geht es nicht um das Verhindern von "notwendigen Anpassungen". ich kann mich noch gut an die ersten Absolventen des Pflegewirts erinnern. Heute ist es mitlerweile so, dass Du ohne Bachelor nicht einmal mehr eine Stationsleitung bekommst. Ohne akademische Bezahlung wohlgemerkt!

Was den obigen Abschluss (Versorgung und Rettungswesen) angeht: Hier fehlt mir der Markt (im Moment). Man studiert, zahlt Geld dafür und am Ende gibt es keine geeignete Anstellung, die auch entsprechend gezahlt würde. Problem ist auch, dass Du ohne GuK- oder Notfallsanitäterausbildung keine Möglichkeit hast, im medizinischen Umfeld zu arbeiten, da dies die anerkannten Abschlüsse sind. Bisher konnte parallel der RettAsss gemacht werden. Und zu hoffen, dass die Politik irgendwann einlenkt, bringt den aktuellen Absolventen nichts.
16.01.2016, 16:49 Uhr von Dr
@Philip

Der Studiengang "Präklinische Versorgung und Rettungswesen" ist ja auch ein ADDITIVER Studiengang, als Voraussetzung wird die Ausbildung zum Rettungsassistenten empfohlen.

Und für diese Absolventen gibt es einen Markt bzw. Stellen. Um nur zwei Möglichkeiten zu nennen:

Fachlehrer (also Lehrer auf Q3-Ebene) an Berufsfachschulen für Notfallsanitäter: Das Bundesrecht und auch das Landesrecht schreibt für (neu einzustellende) Fachlehrer einen "akademischen Abschluss" vor; siehe § 6 NotSanG und auch die Vorschriften der 16 Bundesländer. Mit diesem Studienabschluss kann man als Fachlehrer eingestellt werden.

Leitungsfunktion im Rettungsdienst: Hier gilt zunehmend das "was du oben" zur Stationsleitung beschrieben hast.

Übrigens: Die duale Ausbildung (Ausbildung überwiegend im Betrieb, ergänzt durch Berufsschule) gibt es zwar in Europa nur in den deutschsprachigen Ländern, in anderen Ländern in der EU (z.B. Frankreich) finden "reguläre Ausbildungen für einen Beruf" an Fachschulen statt. Dass die dreijährige Ausbildung in Gesundheitsfachberufen an Hochschulen stattfindet, das hat damit zu tun, dass ein bestimmtes Niveau in der Regel eher durch eine Hochschulausbildung zu erreichen ist.

Deine Argumentation klingt ziemlich nach ver.di, die andere Ausbildungen als die "Duale" eher ablehnt, weil sie in diesen anderen Ausbildungen kein Mitspracherecht hat.
17.01.2016, 07:36 Uhr von Philip
wenn der obige Abschluss für eine kleine Gruppe von fertigen NFS gesehen wird, die in die Ausbildung gehen wollen, ist das O.k. Mir ging es ursprünglich darum, festzustellen, dass es um zwei verschieden Systeme geht, als Sascha den Vergleich mit den Paramedics gebracht hat.

Bezüglich ver.di und duale Ausbildung. Ich bin nicht bei ver.di. Ich habe, aufgrund der personellen Probleme in Deutschland und der Arbeitslosigkeit im europäischen Ausland eine ganze Reihen von Bachelor-Krankenschwestern aus Osteuropa und dem Mittelmeerraum erleben dürfen und muss sagen, dass die auch nicht mehr können, als eine GuK nach einer "Lehrausbildung" aus Deutschland. Und die Gehälter sind in diesen Ländern, wenn man die dortigen Lebenshaltungskosten berücksichtigt, trotz allem auch nicht besser.

Mir persönlich ist es egal, wie in einigen Jahren ausgebildet wird. Wichtiger fände ich jedoch und hier hast Du mit den Niederlanden Recht, wenn die Gesundheitsberufe eine gemeinsame Ausbildungsbasis bekämen um den Mitarbeitern die Möglichkeit eines Wechsels, sei es aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen (Interessenverschiebung) zu ermöglichen.

Prinzipiell muss man aber beachten, dass Hochschulabschlüsse in Deutschland Einkommenswünsche generieren, die oft dann nicht erfüllt werden können, wenn öffentliche Tarifverträge gelten.
17.01.2016, 11:46 Uhr von Sascha
@Philip:
Ich glaube man darf hier nicht schwarz und weiß sehen.
Erstmal möchte ich diesen ewigen Vergleich zwischen Paramedic und Notarztsystem mal an den Haken hängen. Es gibt nicht DAS Paramedicsystem und vica versa. Als Beispiel für die Hochschulausbildung habe ich unser System genommen, das aus einem (nicht klassischen) Paramedicsystem gewachsen ist. Hochschulbasierte Systeme sind nicht mehr die Paramedicsysteme die man noch durch Filme oder Zeitschriften kennt. Es gibt sie noch, vor allem in den USA, dennoch sind die akademisierten Systeme diesen entwachsen. Der Begriff Paramedic wird klassisch zur Einfachheit noch genutzt, verbirgt sich dahinter aber ein sogenannter Clinician = Mediziner (Medizinier wird nicht mit Arzt gleichgestellt), hier Notfallmediziner. Dieses unterscheidet jene von den Prozokoll - basierten Paramedics aus den USA. Die Hochschulausbildung ermöglicht hier das Praktizieren nach klassischen medizinischen Grundlagen. Individualmedizin mit Grenzen aber nicht mit SOP sondern medizinischen Richtlinien, die Grenzen haben. Diese Grenzen dürfen und sollen bei Notwendigkeit überschritten werden, sofern es die Situation erfordert. Dazu besitzen solche Systeme die Möglichkeit einen gleichermassen oder höherwertig qualifizierten Mediziner telefonisch zu kontaktieren und mit ihm den Fall und seine Entscheidungen zu diskutieren.
Fehler die gemacht werden sind, immer nur in diesen beiden Systemen zu denken. Das geht aber nicht mehr, seit dem eben sich Woche von mir grob angerissenen Systeme entwickelt haben, die sehr gute Outcome und Prozessqualitäten besitzen.
Weiter Fehler sind, sich den Arzt/Notarzt als alleinige, in Deutschland eher heterogen geprägte, Stufe der maximalen Qualifikation zu sehen.
Derzeit gibt es immer noch keine aus zB Deutschland hervorgehende Studie oder Kriterien, die das untermauern kann. Andere Systeme können aber, durch ihre Veränderung hin zu einer akademisierten Landschaft aus Bachelor/Master/Doktoransolventen nachweisen, eine hohe Patientensicherheit, sehr gute Outcome und Prozessqualität zu besitzen, mit eigener Forschungs und Bildungabteilung an den Universitäten.
Nur so kann ein Dialog geführt werden, wenn man diesen unabhängig von Berufsbildern führt, sondern von Systemlösungen für die Zukunft und dahingehend Optionen diskutiert. Wenn man also akademisierte Lösungen anstrebt, von denen ich überzeugt bin, dann gehört dazu auch das Gesankenspiel, in ferner Zukunft Notärzte durch Spezialisten in dem Fachfeld Notfallmedizin zu ersetzen und den RD ggf um andere Fachkräfte zu erweitern, die bislang noch keinen Einzug gefunden haben.
Wer jetzt mit Qualitätsverlust und Patientensicherheit argumentieren will, sollte vorher genannte Systeme kennen und mir Beweise vorlegen, das dieses Systeme gegenüber zB Deutschland qualitativ schlechter gestellt sind.
Ich glaube solch ein Weg kann für Deutschlanf eine Bereicherung und Professionalisierung darstellen, mit der Chance auf eine bessere finanzielle Stellung der Berufsgruppen.
17.01.2016, 11:52 Uhr von Joachim
Liebe Kollegen,

in Deutschland gibt es einen allgemeinen Akademisierungsrun an Hochschulen, die im Allgemeinen alles private Einrichtungen sind, von den Studiengebühren der Studenten leben und bedauerlicherweise, so muss man feststellen, auf Grund ihrer Neugründungen eigentlich über keine eingehende Reputation verfügen. Insofern werden die erlangten Bachelorabschlüsse an den renommierten Hochschulen meist auch nicht anerkannt. Eine allgemeine Hochschulreife ist an den privaten Hochschulen auch nicht von Nöten. Wer einen Bachelorabschluss an einer dieser privaten Hochschulen machen möchte, sollte sich vorab informieren wie viel dieser Abschluss an einer renommierten Hochschule wert ist. Manch jemand wird da ein wenig belächelt. Wenn es bei den Abschlüssen Notfallsanitäter B.Sc. nur um eine Lehrbefähigung nach neuem Recht geht, muss man natürlich auch Fragen, warum gibt es dann Medizinpädagogen B. Sc. oder Berufspädagogen!? Für die primäre Verwendung in der Lehre wären doch diese Bezeichnungen treffender. Nein, ich denke der Weg ist schon klar. In 10 bis 20 Jahren wird es wie beim NHS in London den Paramedic B.Sc., in Deutschland eben den Notfallsanitäter B.Sc. geben. Was auch eine gewisse Logik hat, denn Deutschland muss dahingehend nachziehen. Ein 3-jährig ausgebildeter NFS hat den Ausbildungsgrad eines Gesundheits- oder Krankenpflegers. Mir ist nicht bekannt, dass diese Berufsgruppe regelrecht einen Thorax punktieren kann bzw. vor allem darf. Die Maßnahmen, die für den Notfallsanitäter diskutiert oder umgesetzt werden sollen wird man keiner Berufsgruppe überlassen können die im Wesentlichen "nur" über eine 3- jährige Ausbildung mit mittleren Schullabschluss verfügt. An der Akkon-Hochschule bietet man den B.Sc. Studiengang Emergency Practitioner an, also einen Praktiker! Einen Praktiker für den Einsatzdienst am Patienten auf der Straße und das erklärt alles.
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