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Invasive Maßnahmen durch bayerische Notfallsanitäter

07.02.2017, 11:25 Uhr

Foto: VBM Medizintechnik

Aktualisierte Checkliste geht über Pyramidenprozess hinaus

Im Januar 2017 wurde die bayerische Checkliste der invasiven Maßnahmen erneuert, nach denen Notfallsanitäter im Freistaat gemäß § 4 Abs. 2 Nr. 1 c eigenverantwortlich bis zum Eintreffen eines Notarztes tätig werden können. Der Umfang der Liste entspricht nicht nur vollumfänglich den Ergebnissen des Pyramidenprozesses. Etwas überraschend geht man in Bayern noch über diesen Konsens hinaus, um dem Notfallsanitäter eine weitere Eskalationsstufe zur Beherrschung gravierende Atemwegsprobleme an die Hand zu geben. Dort ist nämlich auch die Durchführung der sogenannten Nadel- oder Punktionscricothyreotomie („Jet-Ventilation“) nach Versagen weniger invasiver Techniken wie dem Einsatz der Beutel-Masken-Beatmung oder supraglottischer Atemwege vorgesehen. Die Aufnahme der Maßnahme bietet so dem Notfallsanitäter eine Handhabe zur überbrückenden Versorgung der befürchteten „Cannot-ventilate-Cannot-intubate“-Situation.

Den Maßnahmenkatalog und die Empfehlungen zur Medikamentengabe finden Sie hier.

Bücher zum Thema:

Notfallsanitäter upgrade

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Kommentare

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07.02.2017, 12:43 Uhr von E
Tätig werden können oder eigentlich müssen? Auf den Notarzt können auch andere warten.
Wo und wie oft kann/muss man üben?
Sollte in der heutigen Zeit ein NFS diese Maßnahmen nicht beherrschen?
Fragen über Fragen.
07.02.2017, 13:01 Uhr von Daniel
Wenn diese Massnahmen jetzt auch den Weg aus der Ausbildung in die alltägliche Anwendung finden würden (und zwar je nach Massnahme auch eigenverantwortlich ohne Notarzt, z.B. bei der Analgesie), wäre das ein richtiger und wichtiger Schritt nach vorn! Dazu jetzt noch zeitnah die nötigen Gesetzesänderungen (Heilpraktiker- und BTMG) und man könnte schon fast damit leben...
So wie ich es lese, ist das aber wieder nur eine Anweisung, was in den Schulen unterrichtet werden soll und keine "Empfehlung" zur Massnahmenfreigabe für die ÄLRD, oder irre ich mich da!?
07.02.2017, 18:54 Uhr von Freakmean
Für Bayern ist das schon fast revolutionär. Immerhin ein Anfang. Heute werden die Maßnahmen erlernt... Morgen angewendet... und mal schauen evtl. werden auch Bayerns NFS in naher Zukunft Komplet ohne NA zumindest nicht Opioid Analgesie betreiben. In denn Algos für Thüringen z.B. ist der NA bei nicht Opioider Analgesie und zur RR Senkung schon heute nicht mehr obligat. Es braucht eben alles seine Zeit!
08.02.2017, 10:44 Uhr von Frank
Die Liste erscheint mir sehr seltsam. Bei Bolusgeschehen muss der NotSan laryngoskopieren um den Fremdkörper mit der Magillzange zu entfernen. Die Intubation soll er jedoch nicht durchführen. Der Larynxtubus ist erwähnt, aber als folgende Eskalationsstufe ist die Koniotomie aufgeführt? Ich hatte schon etliche Fälle, die mit LTS einfach nicht zu beatmen waren. Schließlich haben wir konventionell endotracheal intubiert. Die Intubation ist m.E. doch wesentlich weniger invasiv wie die Koniotomie, oder sehe ich das falsch? Es gibt doch Fälle in denen alternative Atemwege kontraindiziert sind (upper airway Probleme wie Inhalationstrauma etc.) dann soll der NotSan direkt Koniotomieren? Wird hier wieder über das Ziel hinausgeschossen, oder ist die Liste einfach nicht durchdacht? Vielleicht kann mir das einmal jemand erklären.
08.02.2017, 12:17 Uhr von Max
Ich weiss nicht ob die ÄLRD in Bayern überhaupt dazu befugt sind irgendwas "freizugeben". So wie ich das aus dem BayRdG lese kann das nur der Rettungsdienstausschuss bei der obersten Rettungsdienstbehörde:

http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayRDG-10
08.02.2017, 15:19 Uhr von Michel
@ Max: ich denke schon, dass der ÄLRD etwas "freizugeben" hat.

Der Rettungsdienstausschuss hat die Aufgabe "fachliche Empfehlungen und ein landesweit einheitliches Vorgehen im Rettungsdienst zu erarbeiten", siehe Art. 10 Abs 2 BayRDG. Das ist relativ abstrakt.

Die ÄLRD hingegen sollen "für ihren Rettungsdienstbereich Aufgaben im Rahmen des § 4 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. c des Notfallsanitätergesetzes auf Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter delegieren", siehe Art. 12 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 BayRDG. Hier wird also durch den örtlich zuständigen ÄLRD konkret delegiert.

http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayRDG-10
http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayRDG-12
08.02.2017, 21:58 Uhr von Max
Schon alles für mich nachvollziehbar was Sie da schreiben Michel. Aber in dem Artikel geht es um 1C-Massnahmen.
10.02.2017, 13:10 Uhr von Klaus-Gerrit
Bin in 39 Jahren präklinischen Notfallmedizin und 9000 Notarzteinsätzen gänzlich ohne "Nadelkrikotomie mit Jet-Ventilation" ausgekommen und finde auch keine Studie, die Sicherheit oder Nutzen dieser Maßnahme in der Präklinik untersucht hätte. Wer kennt eine Untersuchung zu dieser Vorgehensweise ?
11.02.2017, 17:53 Uhr von E
@Klaus-Gerrit: Sie sind ja nur ein Notarzt und kein Notfallsanitäter, Ironie aus.

Werden NFS, ab jetzt die Nadelkrikotomie 1000 Fach einsetzen? Gott schütze uns.
Aber es gibt bestimmt einige PROFIS, die es schon mehrfach gemacht haben .
Nach dem Motto, was ist schon dabei,gell?
12.02.2017, 10:53 Uhr von Daniel
Ach Leute. Hängt euch doch jetzt nicht an einer Ultima-Ratio-Massnahme auf, die erstens nur die letzte Möglichkeit darstellt, bevor ein Patient erstickt und die zweitens auch der Grossteil der Notärzte wenn überhaupt, dann nur an Simulatoren erlernt hat. Glaubt ihr ernsthaft, dass die NotSan jetzt bei jedem zweiten Patienten "ne Nadel in den Hals rammen werden"!?
Ich finde es richtig, dass eine solche Option erlernt und trainiert wird, auch wenn man sie glücklicherweise wahrscheinlich nie anwenden wird. Dafür bietet sich halt nur ein Simulationstraining oder Kurse wie z.B. "invasive Notfalltechniken" (kenne ich aus CH, bestimmt gibt es ähnliche Formate auch in D) an, in denen solche Massnahmen an Leichen trainiert werden. Hier muss man zukünftig halt auch überlegen, was für Fortbildungen für den NotSan Sinn machen und ob die "kreisverbandsinterne Bereitschaftsausbildung zur Frühdefibrillation" vom fachlichen Niveau her noch ausreichend ist...
Wenn man aber dem NotSan, oder auch schon dem RettAss nicht zutraut, eine solche Massnahme nur im absoluten Ausnahmefall einzusetzen, dann brauchen wir auch nicht über Medikamente oder andere Massnahmen diskutieren. Dann unterstellt man, dass die NotSan Rettungsrambos sind, die nur darauf aus sind ohne abzuwägen invasive Massnahmen durchzuführen. Und von diesem Bild wollen wir doch alle weg und da sind wir mit der neuen Ausbildung auch auf dem richtigen Weg.
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