S+K Verlag
Der einzige Fachverlag für
Notfallmedizin in Deutschland.
Bücher, Zeitschriften und Nachrichten
rund um das Thema Rettungsdienst.

Kein Platz für Bufdis?

26.01.2012

Foto: Chrischerf/Wikipedia

Bewerberzahl übersteigt Stellenangebote

Nach den anfänglichen Schwierigkeiten überrascht der deutlich große Andrang beim Bundesfreiwilligendienst (BFD) die Beteiligten. Für dieses Jahr rechnen Wohlfahrtsverbände und Kommunen mit 60.000 Interessenten für den BFD. Allerdings reicht der Etat nur für 35.000 Stellen und schon jetzt seien 32.000 Verträge abgeschlossen worden, so das Bundesamt für Familie und für zivilgesellschaftliche Angelegenheiten in Köln, das den BFD mit 250 Millionen Euro fördert. Gestern sollte das Bundesfamilienministerium mit den Trägern (insbesondere Wohlfahrtsverbände) über die diesjährige Verteilung beraten.

Bei einigen großen Organisationen, darunter dem DRK, konnten alle Bufdi-Stellen bereits besetzt werden. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung rechnet z.B. das DRK damit, dass es von Februar an deswegen Absagen verteilen muss. Der Generalsekretär des DRK, von Waldburg-Zeil, fordert nun die Bundesregierung auf, für 2013 ein höheres Budget einzuplanen. Sorgen bereite ihm zudem, dass die doppelten Abiturjahrgänge vor der Tür stünden und man die vermutlich zahlreichen Bewerber dann abwimmeln müsste.

Weitersagen:

Kommentare

26.01.2012, 14:47 Uhr von Thomas
Den Etat für die real-arbeitsplatzzerstörenden Bufdi-Plätze zu erhöhen, das ist nun wirklich das Absurdeste, was passieren könnte.
Mit der Abschaffung des Zivildienstes hätten nach und nach endlich wieder echte Arbeitsplätze in den verschiedenen Bereichen entstehen können, wenn die HiOrgs nicht eine so große Lobby hätten.

Chance vertan, liebe Regierung, und dann auch noch einen oben draufsetzen – so viel zur "freien" Marktwirtschaft.
Willkommen im Subventionsland Germania
26.01.2012, 17:02 Uhr von doggi
... kopfschüttelnd dem Thomas mal zustimmt. Ich bin auch Experte, ich weiß nur noch nicht für was.
27.01.2012, 00:52 Uhr von Dennis
Es ist wirklich unglaublich, was sich in diesen Ämtern abspielt.
BFD-Plätze in allen Ehren – was aber Organisation und Verwaltung von Verträgen angeht, ist das einfach nur großer Mist. Zuerst kam man mit Verträgen nicht hinterher (teilweise zwei Monate nach Dienstantritt), dann fragliche Kindergeldzahlungen mangels passendem Gesetz und nun zu viele Stellen (wo doch vor kurzer Zeit noch "viel zu wenig Stellen" besetzt werden konnten?!).
Von der Organisation ganz abgesehen muss man dazu sagen, dass es nicht nur BFD-Stellen im Rettungsdienst (wie oben von Kommentator Thomas angesprochen) gibt. In anderen Bereichen (Fahrdienst, Essen auf Rädern, etc.) gibt es Defizite, die sicherlich nicht durch feste Arbeitsplätze mangels Interesse gedeckt werden können.

Für Bereiche, in denen es genug Nachfrage nach Arbeitsstellen gibt, kann ich Thomas ebenfalls nur beipflichten. Für den Arbeitgeber mag die Möglichkeit der Billigbeschäftigung (2,33 Euro pro Stunde, keine zusätzliche Fahrtkostenerstattung, Förderbeträge ggü. FSJ-Stellen) sicherlich genial sein. Aus Sicht eines qualitativ hochwertigen Systems (das sollte ja unser aller Ziel sein) bewegen wir uns aber in die entgegengesetzte Richtung.

Um Qualität aufzubauen, darf der Mitarbeiterkreis nicht (bestenfalls) jährlich fluktuieren – aber auch das ist eine Milchmädchenrechnung. Der "Bufdi" wird zuerst einen Monat auf einen Lehrgang geschickt, macht ein bis zwei Monate Praktikum und kann dann im Folgenden voll eingesetzt werden.
Das kann doch nicht funktionieren, wenn ebenjener weitere 1 1/2 Monate für Seminare ausfällt.
Fraglich ist der Einsatz im Rettungsdienst sowieso:
"Der Bundesfreiwilligendienst soll dem Gesetz zufolge ebenso wie der Zivildienst keine regulären Arbeitsplätze kosten, sondern allein unterstützende Tätigkeiten beinhalten."
An unserer Wache werden 10 Bundesfreiwilligendienstleistende eingesetzt, größtenteils auf RTW (Mindestbesatzung RH / RA). Es glaubt doch wirklich niemand, dass diese Stellen nicht durch festangestellte Kräfte besetzt werden könnten.
Das freiwillige Engagement in allen Ehren, irgendwo muss aber doch Schluss sein. Sparen schön und gut, aber bitte nicht an der Qualität. Als "Bufdi" werden Mitarbeiter beschäftigt, die (ganz im Gegensatz zum Zivildienstleistenden) quasi ohne jegliche Arbeitsrechte eingesetzt werden.
27.01.2012, 09:13 Uhr von Thomas
@Dennis: In erster Linie meinte ich natürlich die Stellen im RD, aber auch in vielen anderen Bereichen haben Bufdis meiner Meinung nach nichts verloren. Aber eines darfst Du mir auf jeden Fall glauben: Wenn es sich nicht lohnen würde, dann stellen die HiOrg den jeweiligen Betrieb ein. Es gibt ja auch "private" Unternehmen, die Menüservice, Behindertenfahrdienst, Hausnotruf, Blutdienste, etc. anbieten und OHNE subventionierte "Freiwillige" auskommen.

Gruß, Thomas
28.01.2012, 22:25 Uhr von Dr. Gabriel
Wo steht denn geschrieben, dass "Private" keine Bufdis einsetzen dürfen? Ich denke an die ganzen gGmbH oder Vereine, die in ihren Satzungen als gemeinnützig gelten. Wenn diese Bufdis ja so ein Erfolg sein sollen, warum kündigen bei der neuen Freiwilligenarmee nach 1-3 Monaten ein Drittel der Freiwilligen?

Der neueste Schlager der HiOrG, Vereine und Wohlfahrtsverbände sollen Integrationsbetriebe sein. Hier werden neben den Lohnkosten sogar die Inventionskosten mit übernommen. Wichtig ist nur, dass ein paar der Angestellten lt. Gesetz schwerbehindert sind. Auch dabei sind die Ärzte der oben genannten sehr erfinderisch.

Wenn es um Abgreifen von Fördergelder geht, sind diese gGmbH, Vereine und Wohlfahrtsverbände sehr Ideenreich. Und dann wird dem ersten Arbeitmarkt Konkurrenz gemacht, egal ob es um Handwerker-, Wäscherei-, Hausmeister-, Fahr-, Schreib-, Dienste etc. geht.
29.01.2012, 20:52 Uhr von udo
@Dr. Gabriel: Wer Bufdis einsetzen will, muss gemeinwohlorientierte Dienstleistungen anbieten. Dies dürfte einem Unternehmen, das nicht als gGmbH firmiert, ziemlich schwer fallen. Aber gemeinwohlorientiert ist man nur, wenn der Zweckbetrieb des Vereines nicht mehr als 35.000 Euro Umsatz im Jahr macht und nicht im Wettbewerb mit vergleichbaren Einrichtungen steht. Damit dürften so ziemlich alle Fahrdienste als Einsatzstelle für Bufdis ausfallen. Irgendwer wird das bestimmt in naher Zukunft durch eine Wettbewerbsanspruch klären.

Was mich aber an der ganzen Diskussion wirklich stört, ist das Schweigen von Ver.di. Immerhin ist der Einsatz von Bufdis, wie früher bei den Zivis, eine mitbestimmungspflichtige Maßnahme. Aber auch das scheint viele Betriebsräte nicht sonderlich zu stören.
Kommentar hinzufügen
Benachrichtigen Sie mich, wenn es neue Kommentare gibt.
Sicherheitsabfrage: 1 + 9 = 

Felder, die mit einem * gekennzeichnet sind, sind Pflichtfelder.

zum Seitenanfang
KontaktRSS
Stumpf + Kossendey Verlag, 2012
Impressum