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KTW-Einsätze werden in Bayern oft mit RTW durchgeführt (Korrektur)

16.03.2017, 08:52 Uhr

Foto: BRK-KV Berchtesgadener Land

Rettungsdienst stehe aber immer für Notfalleinsatz zur Verfügung

Im Jahr 2015 wurden in Bayern rund 52% aller Krankentransporte mit einem RTW gefahren. Dies geht aus der Antwort des Innenministeriums in München auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Peter Meyer (Freie Wähler) hervor (Drucksache 17/14949). Insgesamt hatte der Rettungsdienst in diesem Jahr knapp 1,4 Mio. RTW-Einsätze und rund 580.000 KTW-Einsätze zu erledigen. Etwa 297.000 Krankentransporte wurden dabei von RTW durchgeführt. Zum statistischen Hintergrund erklärte das Ministerium auf Anfrage: „Fährt ein Rettungswagen einen Einsatz im Krankentransport, so zählt dieser Einsatz sowohl als Krankentransport, wie auch als RTW-Einsatz.“ Abgerechnet werde ein solcher Einsatz selbstverständlich als Krankentransport und nicht als Notfalleinsatz.

Meyers Anfrage zielte im Kern auch auf die Frage, ob aufgrund von Krankentransporten ein RTW einmal nicht für einen Notfalleinsatz zur Verfügung stand. Diese Gefahr besteht nach Angaben des Innenministeriums nicht: „In jedem Fall steht ein RTW bereit.“ Zusätzlich wird auf das Vorhandensein von arztbesetzten Rettungsmitteln verwiesen, z.B. Rettungshubschrauber. Eine Statistik über eine eventuelle zeitliche Verschlechterung bei der Versorgung von Notfallpatienten durch Krankentransporte per RTW – die sogenannte Kreuzverwendung – liege gleichwohl nicht vor. (POG)

Korrektur, 21. März 2017: Das Bayerische Innenministerium hat uns darauf hingewiesen, dass lediglich 34% und nicht wie ursprünglich gemeldet 52% aller Krankentransporte im Jahr 2015 in Bayern mit einem RTW gefahren wurden. Die in der Drucksache aufgeführten Zahlen wurden auf RETTUNGSDIENST-Anfrage zwar bestätigt, aber nicht näher aufgeschlüsselt. „Fährt ein Rettungswagen einen Einsatz im Krankentransport, so zählt dieser Einsatz sowohl als Krankentransport, wie auch als RTW-Einsatz,“ hieß es lediglich. Wolle man berechnen, wie hoch der Anteil der mit RTW gefahrenen Krankentransporte prozentual sei, erklärte das Innenministerium jetzt, so müsse man die KTW-Einsätze (rund 580.000) mit denen der Kreuzverwendung (rund 297.000) zusammenzählen. Daraus ergebe sich eine Gesamtzahl von rund 874.000. Dies bedeute, dass nur 34% der in Bayern 2015 angefallenen Krankentransporte mit RTW gefahren worden seien.

Kommentare

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16.03.2017, 09:33 Uhr von R.
Ein RTW wird ja nicht aus Spaß vorgehalten.
Wenn der RTW einen Krankentransport durchführt, ist dieser gebunden.
Also für die in dieser Zeit anfallenden Notfälle nicht verfügbar.
Hier in NRW werden eigentlich nur immer das Minimum an RTW's vorgehalten.
Wird sicher auch so in Bayern sein.
Also ist die Aussage das nicht einmal ein RTW, eben aufgrund einer KTW-Fahrt, nicht zur Verfügung stand wohl gelogen. Aber man hält ja die Hilfsfristen ein!
KTW und First Responder als Ersthelfer, machen es möglich.
Traue keiner Statistik, die....
Naja kennt doch jeder
16.03.2017, 09:50 Uhr von Johannes
Könnte es sein, dass der Wegfall der ZDL als "billige Arbeitskräfte" 2011 zu der Verlagerung von KTW-Einsätzen auf die Rettungswägen geführt hat? Ich meine JA.
16.03.2017, 09:53 Uhr von Ingo
In Bayern kann nur ein qualifiziertes Einsatzmittel (RTW, NEF, RTH...) die 12min Frist halten. Organisierte Erste Hilfe (HVO) oder ein KTW vorweg zur Erstversorgung, trägt nicht dazu bei, die 12min Frist zu halten. Besonders auf dem Land gibt es oft Standorte mit nur einen RTW. Fährt dieser einen Krankentransport, ist das Einsatzmittel gebunden und gerade an diesen Standorten ist meist das Krankenhaus nicht ums Eck, sprich man fährt erst mal eine Weile.
16.03.2017, 09:55 Uhr von Kurt
Sehr geehrtes S&K-Team.

Können Sie bitte erläutern, wie Sie auf die 52% kommen? Soweit ich es sehen kann, enthält die Antwort keine Gesamtzahl der Krankentransporte, sondern lediglich...
...die Gesamtzahl der Einsätze für RTW und KTW sowie...
...die Zahl der RTW-Einsätze, die Krankentransporte waren.

Woraus ergibt sich da der 52% Anteil?
16.03.2017, 10:15 Uhr von Frank
In Bayern werden die KTW der Hilfsorganisationen nach Vorhaltezeit (und nicht je gefahrenem Einsatz) vergütet.
Dies hat zur Folge, dass die Produktivität in der Regel stark verbesserungswürdig ist. Ich denke, hier weiß jeder, wie man sich vor Arbeit drücken kann. Nämlich in dem man den Status „frei“ später oder nicht drückt.
Besonders schlecht ist die Auslastung im Krankentransport Fürth, Erlangen und Nürnberg.

LG

Frank
16.03.2017, 12:22 Uhr von Sascha
@Frank: einfach GPS Tracking einführen und wenn das FHZ dich mehr als 200 Meter bewegt wird es automatisch auf frei gesetzt.
16.03.2017, 12:57 Uhr von Daniel
@ Kurt
580.000 KTW Einsätze = 100%
297.000 durch RTW gefahren = 52%
16.03.2017, 13:09 Uhr von W.
@Sascha ...in Bayern gibt es das GPS-Tracking schon sehr lange... @Frank man kann auch aus dem Status 8 alarmieren und Diensthandy gibts auch...
16.03.2017, 13:44 Uhr von chris
Ich denke hier muss man einiges hinterfragen.
Ich bin selbst in Bayern in urbanem Umfeld tätig.
Auch bei uns werden häufig RTWs zu Krankentransporten eingesetzt, insbesondere in den Abend und Nachtstunden sowie am Wochenende. Die KTW Vorhaltung ist hier gering.
Oftmals werden auch aufgrund der Einweisungsdiagnose RTWs eingesetzt, was m.E. gar nicht eine so schlechte Idee ist ( genannt seien nur Thoraxschmerz, Gi Blutung oder auch eine Schenkelhalsfraktur ). Nach den Arbrechnungsrichtlinien in Bayern darf hier der RTW, auch wenn zu notfallmedizinischen Maßnahmen greift, nur einen KTP abgerechnen.
Gerade in den vielen ländlichen Bereichen lohnt sich eine Parallelvorhaltung für RTW und KTW nicht, weil die Auslastung auch mit den KTP schon extrem gering ist. Sonst hätten sich hier längst Privatunternehmen für den KTP angesiedelt.
Zur Hilfsfrist : Hier liegt das eigentliche Problem, gar nicht so sehr im EInsatz von RTW im Krankentransport, als vielmehr in der sich veränderten KH Landschaft und damit in den immens langen Transportwegen; sogar in München ist Aufnahmekapazität für internistische Patienten im Winter so schlecht, daß es zu immens langen Wartezeiten bei den Patientenübergabe in den Kliniken kommt, 15 Minuten Wartezeit sind hier keine Seltenheit.
Das Problem ist vielschichtig, einfache Lösungen gibt es nicht.
Den schwarzen Peter dem Personal zuzuschieben ist zwar einfach, aber nicht zielführend.
16.03.2017, 13:46 Uhr von Uwe
@S&K Team
Die Anzahl der tatsächlich durchgeführten Krankentransporte geht nicht aus der Antwort hervor. Aber man kann die Grundgesamtheit abschätzen.

Annahme:
KTW werden zu 95% im KTP eingesetzt

576.646 x 0,95 = 547.814 Krankentransporte durch KTW
plus die 297.189 Krankentransporte die durch RTW durchgeführt wurden
ergibt etwa 845.003 Krankentransporte (KTW+RTW)

Anteil RTW am KTP (297.189 / 845.003) = 35%
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