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„KUNO continues“

28.07.2011

Foto: KBA e.V.

Politik und Kassen fordern Klarheit

Nach einem Bericht der Schleswig-Holsteinischen Zeitung verschärft sich der Ton in der Debatte um den Einsatz des Notarzteinsatzhubschraubers „KUNO-SH-01“ der Hilfsorganisation KBA. Demnach liegen Politik, Krankenkassen und der Betreiber mit Sitz in Hartenholm (Kreis Segeberg) im Streit über Kosten, Nutzen und Zulässigkeit eines solchen NEH. Eine Zulassung hat „KUNO-SH-01“ zwar, allerdings nur eine des Luftfahrtbundesamtes und nicht nach dem Rettungsdienstgesetz. Damit ist auch die Finanzierung der Einsätze nicht gesichert und KBA bleibt derzeit auf den Kosten sitzen. Das Projekt sei zunächst auf drei Monate angelegt und in dieser Phase wolle man – eigenfinanziert – die Notwendigkeit des zusätzlichen Notarzt-Transports in ländlichen Regionen belegen.

Der Verband der Krankenkassen in Schleswig-Holstein (VDEK) ist von diesem Vorhaben nicht überzeugt und appelliert an den Betreiber, das Vorhaben einzustellen. Der VDEK scheint zu befürchten, dass hier neben der öffentlich-rechtlichen Sphäre ein „Paralleluniversum“ entstehen könnte. Der Verbandsvorsitzende Katzer hält die bereits vorhandenen RTH für ausreichend und die etablierte Struktur für gut. Aufforderungen zur Klärung kommen auch aus der Politik, unter anderem vom Landesvorsitzenden der CDA (Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft), Werner Kalinka, der nun eine breite öffentliche Debatte fordert und das Thema der Notarztversorgung gemeinsam erörtert wissen will. (Quelle: Schleswig-Holsteinische Zeitung)

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Kommentare

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28.07.2011, 10:55 Uhr von Thomas
Nachdem es immer schwieriger wird, Notärzte gegen gutes Entgelt zu finden, wird ein solches zusätzliches Projekt früher oder später scheitern. Ich kenne zwar die bestehenden boden- und luftgebundenen rettungsdienstlichen Strukturen in Schleswig-Holstein nicht genau, bin aber davon überzeugt, lieber hier nachzubessern, je nach Hilfsfristenerfüllung. Der Notarzt kann durchaus später eintreffen als ein Rettungswagen mit Stammbesatzung. Dort gut ausgebildete Rettungsassistenten/innen mit bestens geschultem Personal und jährlichen Fortbildungen in "erweiterten Versorgungsmaßnahmen" mit Zertifikat im Einsatz, lässt dies durchaus verantworten. Ein Projekt zu beginnen ohne alle Beteiligten überzeugend im Boot zu haben, insbesondere jene, die dies zu bezahlen haben, gerät immer in Erklärungsnöte. Man kann nur hoffen, dass der Beweis angetreten werden kann, dass ein solch teures Projekt, wie die des NEH, notwendig ist. Vielleicht könnte man auch über die Einrichtung eines Telenotarztes, wie bereits in der Region Aachen erprobt wird, nachdenken.
28.07.2011, 13:51 Uhr von L.
Um eine mögliche Versorgungslücke an Notärzten zu schließen, gibt es sicherlich andere Möglichkeiten als ein NEH. Fraglich ist auch der tatsächliche Nutzen eines solchen "Rettungsmittels". Der Hauptvorteil liegt sicherlich in der Geschwindigkeit bis zum Eintreffen beim Patienten, vergleichbar RTH zu RTW. Aber das dürfte es in diesem Zusammenhang auch schon gewesen sein.

Zwar scheint zumindest gemäß obigen Artikel aus luftrechtlicher Sicht alles in Ordnung zu sein, aber wie im Artikel aufgeführt, fehlt es an weiteren gesetzlichen Grundlagen und Normen für ein solches Rettungsmittel.

Ferner nützt ein NEH nur etwas, wenn er auch entsprechend mit einem Notarzt besetzt wird. Wo soll dieser hergenommen, wenn der Bedarf höher ist, als das Angebot (Ärztemangel bodengebundenen Notarzt-Dienst).

Wirtschaftlichkeit eines NEH als Grund dürfte ebenfalls nicht zählen, kostet eine Flugstunde sicherlich mehr als eine "Betriebsstunde" eines NEF, das auch in der Nacht eingesetzt werden kann.

Auf dem NEF habe ich einen Notarzt und einen erfahrenen Rettungsassistenten (Landesrecht außen vor). Beim NEH kommt es durch den qualifizierten Piloten zu weiteren Kosten. Wer will die Kosten dafür übernehmen, bei stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Wie sollen die Kostenträger diese finanzieren, ohne gesetzliche Grundlage für dieses "Rettungsmittel".

Wenn ich mich recht erinnere, gab oder gibt (?) es in Bad Doberan einen privaten Anbieter, der dieses Konzept jahrelang praktisch betrieben hat. Vielleicht sollte man, auf dortige Erfahrungswerte zurückgreifen, bevor ein solches kostenintensives Projekt gestartet wird.

In Nordrhein-Westfalen gibt es eine sicherlich günstigere, flexiblere und ungefährlichere Alternative, um dem Problem Notärztemangel zu begegnen.
Mit dem sog. "Telenotarzt" kann man sogar schon auf praktische Erfahrungswerte zurückgreifen. Aufgrund entsprechend positiver Ergebnisse (medizinisch, wissenschaftlich), wird dieses Projekt zeitnah ausgebaut, um weitere Erfahrungen zu sammeln (Aachen, Düren, Heinsberg, Euskirchen und Köln). Ferner wird dieses Projekt finanziell vom Land unterstützt. Hier ist ein realistischer Ansatz aufgezeigt, um einer notärztlichen Versorgungslücke zu begegnen.
28.07.2011, 14:04 Uhr von Theodor
@ Thomas. Ich stimme zu! Zumal, wenn man ehrlich ist, 95% (um nicht 99 % zu sagen) der Notarzteinsätze sich im Nachhinein als überflüssig herrausstellen, bzw. mit dem von Thomas skizzierten Modell locker alleine abgearbeitet werden könnte.

Ich will dem KBA nichts böses, denke aber das sich die Kostenträger nicht drauf einlassen werden, selbst wenn es dem KBA gelingen sollte, nachzuweisen das ein zusätzlicher NA erforderlich ist wird die Kasse sicher versuchen ein weiteres NEF zu installieren und nicht den teueren NEH. Wobei ich die Kostenstruktur eines NEFs im vergleich zu einem NEH nicht kenne. Allerdings gehe ich davon aus das ein NEH deutliche teuerer sein wird, alleine schon für den Piloten der sicherlich höher Entlohnt werden wird als ein RA. Allerdings ist das auch nur gemutmaßt von mir.
28.07.2011, 15:27 Uhr von L.
Nachtrag zu meinem Kommentar:
"Wenn ich mich recht erinnere, gab oder gibt (?) es in Bad Doberan einen privaten Anbieter,..."
http://www.ambulanz-millich.de/rettungsdienst.html
29.07.2011, 21:05 Uhr von Florian
@ von L. Das Doberaner NEH fliegt mittlerweile seit 15 Jahren und ist im öffentlichen Rettungsdienst fest integriert. Das NEH-Modell soll ja gerade in ländlichen Bereichen greifen. Dort, wo es immer wieder zu Engpässen in der notärztlichen Versorgung kommt.

Wenn man bedenkt, dass KUNO mittlerweile 9 Einsätze hatte, scheint es ja durchaus einen Bedarf zu geben.

Und wenn man sich dann auch noch anguckt, wie oft die NEF-Standorte in SH "ausgebombt" sind - und ein Kaltenkirchener NEF sogar zu einem Primäreinsatz nach Heide beordert wird (Fahrzeit mit Sonderrechten 40 Minuten!), dann sollte man wirklich darüber diskutieren, ob die notärztliche Versorgung so, wie sie ist, optimal aufgestellt ist.

Ein NEH soll ja nicht bestehende Strukturen durchlöchern, sondern lediglich ergänzen. Auch wird ja darüber nachgedacht, die Vergütung eines NEH-Einsatzes in Anlehnung an einen NAW-Tarif zu gestalten - also ein "Mittelding" zwischen NEF und RTH. Vom Kostenpunkt her beweist wohl der Bad Doberaner NEH, dass es sich finanzieren läßt (sonst hätten die den schon lange eingestellt).

Und zu dem Punkt: ein NEH ist im Rettungsdienstgesetz nicht vorgesehen: Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass die NEF zu Anfangzeiten auch nicht im RD-Gesetz verankert waren. Heute sind sie üblich. D.h. für "Innovationen" bzw. Neuerungen kann es im Vorwege gar keine Richtlinien geben. Dass sich die Krankenkassen immer bei jeder Neuerung ersteinmal weigern, hat ja auch schon Tradition. Vor 10 Jahren waren es ambulante OP´s, die die abgelehnt haben. Heute ist das gar kein Thema mehr.

Ich denke, man muss einfach einmal beigehen und erörtern, wo in Deutschland so ein zusätzlicher NEH Sinn macht, d.h. ehrlich aufzeichnen, wo Versorgungslücken sind. Aber diese Diskussion wird ja immer vermieden. Unzählige Krankenhäuser schließen oder werden zu Fachkliniken, die Bevölkerung wird älter und der "Landarztmangel" nimmt zu. Das alles hat doch zur Folge, dass das Einsatzaufkommen im Rettungsdienst - und insbesondere im Notarztwesen - zunimmt und weiter zunehmen wird. Dem sollte man entgegen wirken, indem man neue Konzepte erprobt.
30.07.2011, 22:54 Uhr von Stefan
Berdenklich finde ich, dass die BO 105 aus Sicherheitstechnischen Gründen (EU Recht) aus der Luftrettung entfernt werden müsste, um jetzt über eine Hintertür zurück in den Einsatz zu kommen? So kann man es auch machen. Wenn ich Krankenkasse wäre würde ich das auch nicht bezahlen!
31.07.2011, 16:28 Uhr von V
@Florian

Wau nach 14 Tagen schon neun Einsätze! Der neue Hubschrauber in Weiden (DRF) hatte nach vier Wochen 100 Einsätze soviel erstmal dazu wenn sowas im Umkreis von vornherein akzeptiert ist. Ich glaube die Kommentare gehen nicht gegen die Frage ob es in der Region ggf. einen Notarztbedarf gibt, sondern eher braucht man dafür einen NEH. Und oder kann man für den gleichen Etat nicht vielleicht ein NEF im 24 Std Dienst an einem neuen Standort finanzieren. Wie immer mit lieben Grüßen aus dem Norden.
08.08.2011, 20:39 Uhr von F
Hahahahahahahahahahahahaha! Und die KTW zerfallen.
13.10.2011, 13:53 Uhr von Jörn
Was ist eigentlich aus KUNO-SH-01 geworden? Fliegt der NEH eigentlich noch oder wurde er zwischenzeitlich gegroundet?

RETTUNGSDIENST, übernehmen Sie! :)

Sonnige Grüße aus dem "NEH-freien" Südwesten
13.10.2011, 18:04 Uhr von Uwe
Zumindest existiert noch seine Website bei Facebook.
Abendliche Grüße Uwe
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