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Niederösterreich schreibt den Notarztdienst neu aus

22.02.2016, 12:29 Uhr

Ein (namentlich nicht genannter) Notarzt, Landesrat Maurice Androsch, Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka und Landrat Mag. Karl Wilfing (v.l.) (Foto: NÖ Landespressedienst/Burchhart)

Auch Pilotprojekt zum 24-Stunden-Betrieb eines Rettungshubschraubers

Das österreichische Bundesland Niederösterreich will die vom Land finanzierte Notarztversorgung neu ausschreiben. Die Verträge mit dem ÖRK und dem ASBÖ laufen Ende 2016 aus und schlugen bisher mit 13 Mio. Euro jährlich zu Buche. Die derzeit 32 Notarztstandorte in Niederösterreich werden für die Ausschreibung acht Regionen zugeteilt. Ob die zukünftigen Beauftragten an den bisherigen Notarztstandorten festhalten oder eigene aufbauen wollen, ist ihnen überlassen. „Eine Organisation hat künftig die Verantwortung für die ganze Region“, so der für die Finanzen zuständige Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka. Auch die notärztliche Versorgung über die Landesgrenzen hinaus soll neu festgeschrieben werden.

Die durchschnittliche Eintreffzeit des Notarztes beträgt in Niederösterreich 12:40 Minuten. Vorgeschrieben ist, dass 95% der Niederösterreicher in mindestens 20 Minuten versorgt werden. Sobotka sagte dazu, dass ein Notarzt im Gegensatz zum Sanitäter weiterführende Behandlungen durchführe und zählte dazu das Verabreichen von Notfallmedikamenten, notfallchirurgische Eingriffe, Schmerztherapie, Narkosen oder Atemwegsmanagement.

In den Jahren 2017 und 2018 will Niederösterreich zudem ein Pilotprojekt zum 24-Stunden-Betrieb des Rettungshubschraubers „Christophorus 2“ in Gneixendorf durchführen. Dies soll durch den Einsatz der Nachtsichtbrillen Night Vision Goggles ermöglicht werden. Wird das Projekt positiv beendet, könne es in den Regelbetrieb übergehen.

Kommentare

23.02.2016, 10:33 Uhr von Jupp
Bei derartigen Rahmenbedingungen sind zwei Kriterien genau zu überlegen, bzw. hinsichtlich möglicher Konsequenzen abzuklopfen:

Eine Hilfeleistungspflicht für Notärzte von unter 20 Minuten bei 95% sämtlichen Einsätze erscheint mir zunächst für Niederösterreich (NÖ) eine "politische" Vorgabe zu sein. Festgestellte 12:40 Minuten sehen dagegen "überragend" aus. Medizinisch dürfte das mehr als fragwürdig, und ohne weitere transparent nachvollziehbare Umsetzungsangaben als Nebelkerze einzustufen sein.
Ein Aspekt wäre hierstatistische Einfluss von Sonderbedingungen, z.B. die NÖ-Eintreffzeiten von Notärzten in Rettungshubschraubern, etc.
In Deutschland möchte ich keine tolerierte bzw. gesetzlich akzeptierte Notarzthilfsfrist von unter 20 Minuten sehen.

Der zweite Aspekt wäre die sektorale Aufteilung auf acht NÖ-Notarztbezirke. Keine der späteren Notarztdienstbeauftragten hat einen signifikanten Einfluss auf die einsatzzahlen bzw. darauf aufbauende pauschale (!) Einsatzabrechnung; z.B. in Kombination mit durchschnittlichen Einsatz- und Fahrzeiten. Jeder Notarzt kann nur einen Einsatz abwickeln, wobei betriebswirtschaftlich unklar bleibt, ob dieser oder ein anderer Einsatz tatsächlich abgerechnet werden könnte.
Die durch die sektorale Ausschreibung wirtschaftlich provozierte Konkurrenzsituation dürfte sich drastisch auf unterschiedliche Verrechnungsgrundsätze und damit indirekt auch qualitativ (längere Eintreffzeiten durch nicht zu beeinflussenden Standortbedingungen, trotz möglicher Nachbarschaftshilfe) auswirken.
Viel besser wäre eine NÖ-weite (!) Pauschalierung sämtlicher NÖ-Notarzteinsätze pro Zeiteinheit (Jahr, Quartal), mit einer nachgelagerten Optimierungsverpflichtung durch die Aufsichtsebene. Damit würde eine sonst verdeckte Qualitätsminderung von Anfang an begegnet, weil ein anderes "Verhalten" keine unmittelbaren Vorteile nur für einen Leistungserbringer bedeuten würde.
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