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Notärzte lehnen notfallmedizinische Studiengänge für den Rettungsdienst ab

15.02.2012

Foto: K. von Frieling

Stellungnahme der BAND zu neuen Hochschulangeboten

Die Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften Notärzte Deutschlands e.V. (BAND) stellt in einer Pressemitteilung „mit Bedauern fest, dass die Novellierung des Rettungsassistentengesetzes scheinbar ins Stocken geraten ist“. Seitens des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) liege noch immer kein Referentenentwurf vor. Die BAND geht daher davon aus, dass es zunächst bei der „unbefriedigenden Lösung“ bleibe, wonach Rettungsassistenten nicht nach einem Bildungsgang ausgebildet werden, wie dies in anderen medizinischen Assistenzberufen der Fall ist. Somit scheine es nur konsequent zu sein, dass sich Rettungsassistenten an anderen Qualifizierungsmöglichkeiten orientieren. Dabei begrüße die BAND ausdrücklich, wenn die Rettungsdienstmitarbeiter Rescue-Engineering-Studiengänge belegen, in denen spezielles Wissen über Rettungstechnik und Rettungstaktik sowie betriebswirtschaftliches Denken und Handeln vermittelt wird.

Die BAND kritisiert jedoch nachdrücklich Studiengänge, die auch von Hochschulen mit dem Ziel angeboten werden, notfallmedizinische, vertiefende Inhalte zu lehren. Bereits die Bezeichnung solcher Studiengänge als „Prehospital Management“ wird von der BAND als höchst problematisch angesehen. „Wir lehnen entschieden Studiengänge ab, die spezielle medizinische Kenntnisse vermitteln, die noch nicht einmal zu den Bildungsinhalten des Humanmedizinstudiums gehören. Wir weisen darauf hin, dass bei einer unveränderten Rechtslage  die Notkompetenzregelung uneingeschränkt gilt und dass eine Erweiterung von Grund- und Regelkompetenz zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zur Debatte steht.“ Die BAND sei im Gegensatz zu den Studienanbietern nicht der Meinung, dass schneller eintreffende Rettungsassistenten mehr therapeutische Maßnahmen übernehmen können, um das therapiefreie Intervall zu verringern.

Die BAND sieht als Lösung des momentanen Bildungsdilemmas bei Rettungsassistenten letztlich nur die Umsetzung eigener Vorschläge bei der Novellierung des Rettungsassistentengesetzes, die darin bestehen, eine Kompatibilität zu anderen medizinischen Assistenzberufen (dualer Ausbildungsgang, Dreijahresausbildung usw.) herzustellen. Die in den kritisierten Bachelor- und Masterstudiengängen den Rettungsassistenten versprochene eigenmächtige heilkundliche Tätigkeit ohne ärztliche Approbation wird von der BAND abgelehnt, weil sie den Heilberufsgesetzen der Länder widerspreche.

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Kommentare

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15.02.2012, 16:17 Uhr von chris
In manchen Punkten mag die BAND ja recht haben, dass jedoch die Notkompetenzregelung rechtlich gilt, ist schlicht und ergreifend Quatsch.
Sie ist ein Rechtskonstrukt, das in keinem Gesetz steht und ist an den Haaren herbeigezogen. Es gibt meines Wissens auch kein höchstricherliches Urteil, dass dieses Rechtskonstrukt stützt. Im Gegenteil, in zahlreichen (zugegebenermaßen arbeitsrechtlichen) Urteilen wurde zu einer anderen Auffassung gekommen.

Was bleibt ist vollkommende Rechtsunsicherheit - ein untragbarer Zustand.
Gelebt wird vielerorts etwas vollkommen anderes - Gott sei dank. Zeit wird es, dass wenn der Bund das RettAssG nicht novelliert, die Länder ihre Heilberufsgesetze ändern, um Rechtssicherheit zu schaffen - zwar nicht schön, wenn dann wieder von Bundesland zu Bundesland was anderes rauskommt, aber so kann es nicht weitergehen.

Dass die FDP-geführten Bundesministerien Gesundheit und Justiz hier etwas voranbringen, glaube ich schon lange nicht mehr!
15.02.2012, 20:42 Uhr von Daniel
Bemerkenswert: Rettungsassistenten dürfen sich gerne mit Rettungstechniken und Betriebswirtschaft beschäftigen, aber von Notfallmedizin sollen sie doch bitte ihre Finger lassen. Berufspolitisch gefärbter könnte die Stellungnahme ja wohl kaum sein.
15.02.2012, 21:22 Uhr von Tom
Zitat: „Wir lehnen entschieden Studiengänge ab, die spezielle medizinische Kenntnisse vermitteln, die noch nicht einmal zu den Bildungsinhalten des Humanmedizinstudiums gehören."

Schade, dass es die BAND nicht schafft, Studienprogramme wirklich zu lesen und das Gespräch mit den Programmverantwortlichen zu suchen. Pauschalverurteilungen aller Studienprogramme sind Schnellschüsse, denen weder eine differenzierte Betrachtung der angebotenen Studiengänge, noch eine Bereitschaft der Auseinandersetzung mit wirklich brennenden berufspolitischen Themen des Rettungsdienstes zu Grunde liegen können.
Willkommen im Gestern!
16.02.2012, 09:19 Uhr von Martin
Einmal ganz böse gesprochen:
Bloß keine Kompetenzen abgeben. Das prägt das deutsche Ärztewesen seit Jahrzehnten. Es geht nicht um Vertrauen, oder dass bestimmte Maßnahmen schlicht und ergreifend in Praxen und Krankenhäusern schon längst von nichtärztlichem Personal durchgeführt werden.
Nicht selbständig durchgeführte Maßnahmen lassen sich im betrieblichen/klinischen Bereich besser abrechnen. Wer nicht an der Einsatzstelle war, bekommt nix.
Ich sage das bewußt so böse, aber so kann man es auch betrachten.
16.02.2012, 11:38 Uhr von Tscho
Hier muss man der BAND (in Teilbereichen) unbedingt zustimmen. Die vielerorts angebotenen Studiengänge, die scheinbar dazu dienen, erweiterte medizinische Maßnahmen durchzuführen, sind nicht dazu geeignet, Rechtssicherheit herzustellen. Solange diese Studiengänge keine rechtlich anerkannten Qualifikationen vermitteln, handeln Kollegen mit diesen Abschlüssen m.E. im selben Problemfeld wie die sog. Notkompetenzregelungen. Hinzu kommt, dass notfallmed. Kompetenzen nur im Hinblick auf den theoretischen Aspekt in Studiengängen zu vermitteln sind. Praxis kann nur in Kliniken bzw. teilw. in Notarztsystemen gelehrt werden.

Ohne ein neues Berufsbild, aber bitte ohne einfache Überleitungsmöglichkeit, wird sich die präklinische Versorgung nicht verbessern lassen. Wenn sich die RD-Mitarbeiter anstatt für teure Studiengänge mit zweifelhaften Abschlüssen endlich gemeinsam lautstark für eine fundierte duale Ausbildung mit der Möglichkeit zu Fachweiterbildungen z.B. für Intensivtransporte, Betriebswirtschaft ö.Ä. stark machen würden, wären wir dem Ziel hin zu einer besseren Patientenversorgung schon ein gutes Stück weiter.

Sollte nicht anstatt des Aufpolierens des eigenen Egos durch einen Studienabschluss vielmehr der Patient (Kunde) im Mittelpunkt unseres Handelns stehen?
16.02.2012, 14:58 Uhr von Olaf
Zustimmung.
1. Ein Studiengang mit einem Abschluss, der auf dem Markt nicht (jedenfalls z.Z.) gebraucht wird,bringt beruflich nichts. Ein mehr an Wissen ist für die Fachlichkeit allerdings sicher nicht schädlich.
2. Unabhängig davon, was in Kursen vermittelt wird: An der jetzigen Situation im rechtlichen ändert sich nichts!
3. Richtig und wichtig: Die hauptamtlichen Retter müssen, wenn sie sich denn entwickeln wollen, von dem hohen Ross des Wehklagens, "Die anderen sind die Bösen/Doofen" herunter kommen und sich als kleine geschlossene Gruppe aufstellen, die klar sagt, was sie will! Solange der Status quo von den Rettern nicht selber angegangen wird, bekommen wir, was wir verdienen: Andere sagen uns, was wir wie zu tun und zu lassen haben, ohne dass wir gefragt werden!

@ Tscho: Der "Kunde" steht aus meiner Sicht schon lange nicht mehr im Fokus des Systems, der Rettungsdienst verkommt z.Z. immer mehr zum Sparschwein, bei Kassen und Arbeitgebern. Und wir wissen alle, dass Idealismus allein keine langfristig tragfähige Lösung für das System ist.
16.02.2012, 15:11 Uhr von Tom
Ich kann mich nur wiederholen: Erst die Studienprogramme lesen, dann meckern. Eine reine notfallmedizinische Ausrichtung eines Studiengangs halte ich für fahrlässig. Aber die Mischung macht's, denn wer viel Fachkompetenz besitzt, kann auch die Einsatztaktik und die dazugehörige wirtschaftliche Seite des Retungdsienstes bedienen!

Wer sagt, dass der Patient dadurch aus dem Mittelpunkt des Handelns fällt, äußert sich sehr kurzsichtig. Der Patient steht immer im Mittelpunkt, aber wir dürfen in unserer beruflichen Tätigkeit die eigene Qualifikation nicht aus dem Blick verlieren. Wo bleibt da das Selbstbewusstsein des/der RettAss, wo vor allem unser berufliches Selbstverständnis?

Und mal ganz ehrlich - berufliche Qualifikation im Rettungsdienst ist mehr als begrenzt. Warum nicht mal in Richtung Pflege schauen, die macht uns seit Jahren vor, wie echte Qualifizierung geht - auch mit Studium!
18.02.2012, 11:47 Uhr von Matthias
Leider werden durch noch so viele hochprofessionelle Studiengänge keine Verwaltungsjobs geschaffen, wo man die Absolventen hinterher sinnvoll einsetzen kann - das ist ja nun mal Fakt.


Das Resultat: Die Hochschulen verdienen, und die Bewerber wissen nach dem Studium auch nicht wohin.
18.02.2012, 15:11 Uhr von Martin
Nun geht es mal wieder um die Kompetenz. Diese Kompetenzgerangel ist zum K... und nicht zum Wohle des Patienten. Wenn ich sehe, was mancher Notarzt sich so leistet, verstehe ich die Reaktion der BAND nicht. Nur weil etwas im Medizinstudium nicht vorkommt, wird es abgelehnt. Was soll das? Ich empfehle jeder soll in seinem Bereich für Verbesserung sorgen. Eine Weiterqualifizierung von Rettungsdienstpersonal auf jeder Ebene ist wünschenswert. Sollte der zu erwartende Ärztmangel auch im RD durchschlagen, brauchen wir Rettungsdienstler, die paramedizinsch ausgebildet sind.

Gruß,
Martin (ETA)
19.02.2012, 19:06 Uhr von Uwe
@Martin: Und was so mancher RDler sich leistet, ist auch zum K... Gegenseitige Vorhaltungen sind nicht zielführend und rütteln eher an der von außen wahrgenommenen Kompetenz von Ärzten und uns. Der Ärztemangel ist schon vorhanden. Aber bevor wir Paramedics rausschicken, brauchen wir einen gesetzlichen Rahmen. Auch im Paramedic-Dreamland USA ging es nur schrittweise.
Würden wir:
- Hiorg gegen Kommunal
- Kommunal gegen Privat
- alle gegen BF
- Ver.di rettet den Rettungsdienst
- über Nachfrage ausbilden
- die Politik will nur Stimmvieh, echte Resultate sind egal
- Pressis sind lauter als E-Horn
- mein Blaulicht ist aber größer und strahlt schöner
mal vergessen, könnte man vielleicht was erreichen.

Kompetenz ist untrennbar mit Verantwortung verbunden. Mehr Verantwortung bedeutet im Vorfeld eine bessere Ausbildung und Leistungsbereitschaft. Der Umkehrschluss dafür wäre eine leistungsgerechte Entlohnung. Haben wir eine Lobby, die sich für uns einsetzt?
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