Gestern hat Innenminister Joachim Hermann (CSU) im Anschluss an ein Gespräch mit den Oberbürgermeistern und Landräten aus den Rettungsdienstbereichen Mittelfranken und Augsburg sowie mit der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände im Bayerischen Staatsministerium des Innern in München über die Ergebnisse zur Optimierung der Luftrettung im Freistaat informiert. Dabei hatte das Gespräch zum Ziel, einen möglichst breiten Konsens über das weitere Vorgehen zur Verbesserung der Luftrettung zu erreichen. Gegenstand der Beratung war die Umsetzung der bereits vor über einem Jahr von der Staatsregierung angekündigten Stationierung eines weiteren Rettungshubschraubers in Augsburg. Nachdem eine Ausschreibung für das zukünftige Augsburger Luftrettungszentrum auf dem Dach des dortigen Klinikums daran gescheitert war, dass sich kein Betreiber wegen zu hoher Kosten beteiligt hat, muss der zuständige Zweckverband für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung nun dafür sorgen, dass spätestens zum 1. April kommenden Jahres der Flug- und Einsatzbetrieb beginnen kann. Damit verfügt Bayern dann über insgesamt 14 Luftrettungsmittel.
Neben Schwaben stand aber auch die Optimierung der Luftrettung im südwestlichen Mittelfranken und im nordwestlichen Schwaben auf der Tagesordnung. Hierzu erklärte der Innenminister, dass verschiedene alternative Lösungsmöglichkeiten geprüft worden seien, jedoch eine Verlegung des RTH „Christoph 27“ in Nürnberg nicht zur Diskussion steht. Zur Verbesserung der luftrettungsdienstlichen Versorgung der vorgenannten Regionen soll der Intensivtransporthubschrauber „Christoph Nürnberg“, der zurzeit noch am Verkehrsflughafen Nürnberg stationiert ist, nach Roth in Mittelfranken verlegt werden. Die Verlegung des ITH soll probeweise für ein Jahr ab dem 1. Januar kommenden Jahres erfolgen. In einem Einsatzradius von 60 km könnte der ITH im Dual-Use-Einsatz dann auch den Landkreis Donau-Ries als „schneller Notarztzubringer“ versorgen, wodurch mit einem erheblichen Anstieg an Primäreinsätzen zu rechnen ist. Allerdings dürfe es durch die Verlegung zu keinen Versorgungseinschränkungen in Nürnberg kommen. Möglicherweise müsse nach dem Probebetrieb auch die Stationierung eines weiteren RTH im Grenzgebiet von Bayern und Baden-Württemberg in Erwägung gezogen werden. (Scholl)


Kommentare
Den ITH zu verlegen hat absolut keine Sinn, da:
- dieser generell als "einzigster" ITH in der Region große Teile von Nord BaWü und Franken abdeckt (vor allem nachts) und somit als "Lückenbüßer" wohl mehr mit Abwesenheit glänzen wird. Daran hat man wohl leider nicht gedacht. Die Einsatzstatistiken belegen das Mehraufkommen im ITH-Bereich.
- die Distanz von Roth zum jetztigen Standort machen gerade einmal 10 Flugminuten aus
- die Bell 412 als Dual Use ist leider ein Fehlgriff, da leider zu "groß" - aber ob der HDM deswegen auf eine BK117 oder EC 145 umsteigen wird? Sicherlich nicht.
Es wird auf jeden Fall spannend bleiben, wie sich dieses Hickhack zwischen politischen Profilneurotikern und dem tatsächlichen Bedarf und Lokalität entwickeln wird. Fest steht bislang nur eines: Es ist der Patient, der leiden wird. Wenn er es denn nicht jetzt schon tut!
Grüße aus der SW-englischen Luftrettung, in der wir all diese Probleme nicht haben, nämlich nur einen Heli pro County (außer Devon). Da muss "jeder" warten - und über mangelndes Einsatzgeschehen können wir uns auch nicht beklagen. :)
Im restl. Bayern sind 3 ITH (München, Murnau, Regensburg), und die drei Fränkischen Regierungsbezirke schauen in die Röhre und können hoffen, dass dann der ITH Roth oder Regensburg da ist. Diese mögen zentral koordiniert werden, aber die Anflugzeiten sind inakzeptabel für uns in Oberfranken bzw. im nördlichen Unterfranken!
Insgesamt sollte man sich über den Unterschied eines ITH zu RTH im Klaren sein und nicht mit einer nächtlichen Versorgung der Bevölkerung mit kurzen Anflugzeiten argumentieren. Informationshalber sollte man sich dazu der einschlägigen, immer noch geltenden Definitionen der Konsensgruppe Luftrettung bedienen.
Insgesamt ein unsägliches Trauerspiel, wenn sich die Politik über ein eindeutiges Gutachten hinwegsetzt und der Innenminister jetzt seine früheren vollmundigen Äußerungen irgendwie gesichtswahrend irgendwie hinbekommen muss. Oder glaubt er ernsthaft immer noch an die Kooperation mit dem Nachbarland in einem neuen Standort Ellwangen?
Der OB von Nürnberg hätte es nicht treffender formulieren können: Ursache ist eine "Fehlentscheidung" zugunsten von Augsburg.
Grüßle
http://www.rega.ch/de/einsatz/einsatzbasen/basis-basel.aspx
Die Frage, die sich bei der Diskussion um eine Optimierung der Luftrettung immer stellen muss, ist auch, inwiefern nächtliche Verlegungsflüge auf dem Festland tatsächlich zur Lebensrettung zwingwnd erforderlich sind und nicht überwiegend ein Prestigeobjekt darstellen. Oder etwas überspitzt formuliert: Sterben mit nächtlichem Einsatz von RTH/ITH weniger Menschen als ohne?
Seehofer ganz allein hat dies zu verantworten, was für einen Beamten, was Seehofer je gelernt hat, der noch dazu mal Geschäftsführer des Rettungszweckverbandes Ingolstadt war, eine Schande ist. Wie heißt es doch in der Politik - Was schert mich mein Geschwätz von gestern - solange ich wieder von meinen Parteifreunden (auch aus Augsburg) wiedergewählt werden.