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Psychosoziale Notfallversorgung als eigenständige öffentliche Aufgabe

26.10.2016, 12:26 Uhr

SPD in Bayern legt Gesetzentwurf vor

Die SPD-Landtagsfraktion in Bayern hat einen Entwurf für ein Bayerisches Psychosoziales Notfallversorgungsgesetz vorgelegt (BayPSNVG) (Drucksache 17/13412), mit dem dieser Bereich geregelt und dessen Qualität gesichert werden soll. Es ist stark an das Bayerische Rettungsdienstgesetz (BayRDG) angelehnt, womit verdeutlicht werden soll, dass die psychosoziale Notfallversorgung neben dem öffentlichen Rettungsdienst eine eigenständige öffentliche Aufgabe sein soll.

Das Gesetz soll den Landkreisen und kreisfreien Gemeinden die Aufgabe übertragen, die öffentliche psychosoziale Notfallversorgung in ihrem Gebiet sicherzustellen. Die Zweckverbände sollen künftig für Rettungsdienst, Psychosoziale Notfallversorgung und Feuerwehralarmierung zuständig sein und die Landkreise und kreisfreien Gemeinden die öffentliche psychosoziale Notfallversorgung als Angelegenheit des übertragenen Wirkungskreises wahrnehmen. Das Gesetz soll nach den Vorstellungen der bayerischen SPD zum 1. Juli 2017 in Kraft treten. Das BRK lehnt laut einem Artikel der „Süddeutschen Zeitung“ den Vorschlag ab und zitiert Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk mit den Worten: „Es ist schädlich, einen Dienst durch ein Gesetz emporzuheben.“

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Kommentare

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28.10.2016, 08:23 Uhr von Philip
Welche Sorgen hat das BRK mit dem Gesetz. Im Endeffekt wird mit dem Leiter PSNV ein Verantwortlicher festgeschrieben. Die anderen Punkte werden doch m.W. in der Form schon gelebt. Ist es die Sorge, das die PSNV-B nun evtl. als eigener Einsatzabschitt gesehen wird, wie auch vom BBK als Möglichkeit vorgeschlagen und damit nicht mehr Teil des medizinischen Einsatzabschnitts sein wird? Letzterer ist, zumindest auf dem Land, fest in BRK Hand.
28.10.2016, 14:51 Uhr von Theodor
Was soll ich sagen?... Sicherlich eine gute Sache. Ist aber, so denke ich, ein Rohrkrepierer. Wo sollen die Fachleute dafür herkommen? Jetzt sag nicht der Pastor um die Ecke!!! Pychologisch geschultes Fachpersonal nicht irgendein MHD-Helfer der Erz-Römisch-Katholisch ist. Nichts gegen den Pastor oder den MHD-Helfer. Wer soll das Bezahlen? 24 Stunden Einsatzbereitschaft? Bundesweit? Ja, Niedersachsen gehört auch zum Bundesgebiet nicht nur Düsseldorf, München oder Berlin.
28.10.2016, 18:26 Uhr von chris
@ Theodor
es ist ein Gesetz für Bayern, kein Bundesgesetz um das es geht
28.10.2016, 21:02 Uhr von Philip
@Theodor
wie chris richtig schreibt, ist es ein Gesetz für Bayern. Die sind ganz gut aufgestellt. Einmal mit der Zentralstelle PSNV an der staatlichen Feuerwehrschule Geretsried und dann mit zwei von der kath. Kirche freigestellten Diakonen. Der eine ist Kreisbrandmeister und beim LFV als Feuerwehrseelsorger, der andere ist für den Bereich der Notfallseelsorge zuständig. Auch bei einer FW, beim KIT München und für den Bund im Ausland bei Großschadenslagen mit Beteiligung von Bundesbürgern im Einsatz. Das dürfte schon mehr als "der Pastor ums Eck" sein. Ich denke, das es eine Reihe von erfahrenen Notfallseelsorgern gibt. In Bayern scheint auch von Seiten der Kirche die Bereitschaft der Freistellung für diese Aufgabe zu bestehen. Dies würde aber eben bedeuten, das dieser Bereich nicht mehr unter Aufsicht des BRK stehen würde.
28.10.2016, 23:13 Uhr von Theodor
Das es sich um Bayern dreht habe ich gelesen...habe nur mal weiter gesponnen...so, so gut Aufgestellt... mmhh, Bayern 70.500 km² - Quelle Wikipedia. Zwei Diakone. Alles Klar. Diakon ums Eck. Ich will einen Pychologen und keinen Theologen der mir eine Geschichte erzählt die jemand vor 2016 Jahre in ein Buch geschrieben hat. Aber in Bayern sind 50% katholisch und 20 evangelisch, da kommt es auf die paar Heiden nicht an ;-).
29.10.2016, 17:51 Uhr von chris
@ Theodor
zumindestens in Südbayern hat jeder Rettungsdienstbereich ein Kriseninterventionsteam, das KIT München hat hier ansteckend gewirkt. Die Situation in Nordbayern kenne ich nicht;
Auch SBE ist bei uns kein Fremdwort...
30.10.2016, 00:29 Uhr von Kurt
Der Ansatz an sich ist gut. Aktuell ist die PSNV in Bayern ein Anhängsel, ihre Alarmierung durch die ILS freiwillig (und sollte eine Leitstelle sich grundsätzlich weigern, Notfallseelsorge oder KIT zu alarmieren, wäre das ihr gutes Recht). Außerdem gibt es neben gut versorgten Bereichen durchaus auch schwarze Löcher auf der bayrischen PSNV-Karte, die geschlossen werden sollten.

Allerdings sehe ich nicht, wie das durch das vorgeschlagene Gesetz erreicht werden könnte. Es sieht die Einrichtung eines LEITERS PSNV vor. Dessen Aufgaben liegen im Hintergrund, in der Organisation der PSNV. Wenn es aber keine Kräfte im Vordergrund gibt, kann der Leiter auch nix reißen. Ich habe dem Gesetzestext nicht entnommen, woher die Kräfte kommen, die die PSNV-Einsätze in den Gegenden übernehmen, wo sich weder Kirchen noch HiOrgs, noch sonstwer dazu im Stande sieht. Unklar bleibt für mich auch, ob sich aus Art 3 für Kreise und Kommunen die Pflicht ergibt, ggf. hauptamtliche Einsatzkräfte einzustellen (und zu bezahlen). Art 4 beschreibt die Aufgaben näher, ohne diesen Punkt zu erläutern. Da bleibt viel Raum für Diskussionen danach. Oder habe ich was übersehen?

Leider geht der Entwurf auch nicht auf die Frage ein, wie die PSNV in die Strukturen vor Ort eingebunden wird. Aktuell leitet in der Regel ein ELRD, der selber weder Ausbildung noch Einsatzerfahrung in der PSNV hat, diesen Bereich mit, solange er vor Ort ist; wenn alle Rettungsmittel mit Blaulicht wieder abrücken, geht der ELRD - und die PSNV arbeitet alleine weiter... unbefriedigend in jeder Hinsicht.

Wie getippt: eine gute Idee, aber nicht sauber ausgeführt. Schade.

Und an Theodor zu "Ich will einen Pychologen und keinen Theologen der mir eine Geschichte erzählt die jemand vor 2016 Jahre in ein Buch geschrieben hat." Ich weiß nicht, auf welches Buch Sie sich beziehen; Die Bibel kann's nicht sein, denn an der wurde zu der von Ihnen genannten Zeit nicht geschrieben ;-).
Aber Sie haben sicher Recht, ein Psychologe, der die Komplexe meiner Mutter mit mir analysiert, hilft sicher bedeutend weiter! Nur um noch ein paar Pauschalurteile loszuwerden.
30.10.2016, 00:35 Uhr von Dr. Gabriel
Geistliche schön und gut, schon mal daran gedacht das immer weniger Bürger und Helfer den Christlichen Kirchen angehören. Wenn ein Priester mit mir als Atheist ein Gespräch führen will, schalten die Ohren per se auf Durchzug.
Ich bevorzuge eher das Peer-System. Gleicher unter Gleichen.
Hat wohl damit auch zu tun, das ich einer Psychosozialen Einrichtung (SBE) angehöre.
Deutschland ist da noch Entwicklungsland. Für die Betroffenen Helfer fehlen im Jahr 2016 immer noch die Fachkräfte. Geschuldet einer miserabel Finanzierung und Wertschätzung. Viele Psychologen, Helfer und auch Priester bezahlen diese Zusatzausbildung aus ihrer eigenen Tasche. Ich zum Beispiel warte immer noch auf mündliche Zusagen über Honorare von der Flugkatastrophe in Thailand. Jedenfalls die Reisekosten wurden auf Formblatt, zigfacher Durchschlag, nach 2 Jahren danach beglichen. Aber anderen Psychosozialen Kräften geht es genauso.
Weiter fehlen Betten in Fachkliniken. Wer weiß denn, das noch Helfer von den Unglücken aus Rammstein, Ueberlingen, Oderbruch, etc. immer noch Psychosoziale Hilfe benötigen.
Die Politik hat schon vor Jahren eine bessere Ausbildung und Bezahlung versprochen. Passiert ist fast nichts.
Auch die weiteren Kostenträger wie Krankenkassen und Berufsgenossenschaften Mauern wo es nur geht.
Als letzte Gliederung dieser Kette gehören die Rentenkassen mit zu diesen Sozialtraeger.
Ich kenne Helfer im Angestelltenverhältnis mit PTBS, die jetzt von Hartz4 Leben müssen. Wer jetzt meint ein Beamter hätte Größere Wertschätzung durch sein Dienstherrn, ich kenne Fälle wo der Beamte im Ruhestand geschickt wurde.
Und jetzt kommen zu den Helfern und Angehörige die mehr Schlecht wie Recht versorgt werden, noch ca. 40 Prozent der Flüchtlinge laut Politik mit Traumatischen Belastungsstörungen nach Deutschland.
Ich, nein Wir sind es leid mit diesen Sonntagsreden.
30.10.2016, 21:29 Uhr von Jan
Wird dann PSNV endlich professionell? Keine Ausbildung in einigen Wochen mehr, sondern ein richtiges Berufsbild mit dreijähriger Ausbildung. Weg mit dem Ehrenamt aus der Rettung. Weg mit den Hobbytröstern aus Vereinen, Feuerwehren und Kirchen. Profis vor! Die Patienten verdienen professionelle Hilfe.
31.10.2016, 10:43 Uhr von Kurt
@Jan: Sie sind offenbar auch fachkundig und haben das Problem erkannt. Schade, daß Sie uns nicht an Ihrer weiteren Kompetenz teilhaben lassen und z.B. erläutern, wie so ein System mit landesweiter Rund-um-die-Uhr Abdeckung und hauptamtlichen Kräften organisiert und bezahlt werden soll? Insbesondere welche umsetzbaren Konzepte für überraschende Großeinsätze, die ja durchaus mal eine größere Zahl an Einsatzkräften zugleich erfordern, bestehen? Welche Ausbildungsinhalte, die für die PSNV Betreuung relevant sind, eine dreijährige Ausbildung füllen könnten?

Ein wenig überrascht bin ich ehrlich gesagt auch, daß jemand, der wie Sie soziale Kompetenz vertritt, gerade auf denen rumhackt, die sich ehrenamtlich für einen Bereich stark machen, an dem interessanter Weise gerade kein Hauptamt Interesse zeigt: Außer den kirchlichen "Hobbytröstern" (die mit einem Hochschulstudium und anschließender zweieinhalbjähriger Ausbildung sowie täglicher Arbeit mit Trauer und Krisen Ihrer Meinung nach völlig unzureichend ausgebildet sind - oder sind es doch eher divergierende Weltanschauungen, die Ihre Kritik hervorrufen!?!) finden sich ja interessanter Weise kaum private Rettungsdienste oder gar Psychologen/Psychotherapeuten, die sich für diesen Bereich engagierten. Mit anderen Worten: Es gäbe keine PSNV, wenn sie nicht von denen geleistet würde, auf denen Sie rumtrampeln! wie unglücklich ist das denn?!

P.S. "Weg mit dem Ehrenamt aus der Rettung." Hat zwar mit dem Thema nix zu tun, scheint mir aber symptomatisch: Ich frage mich vielleicht doch, wie kompetent jemand sein kann, der nur Pauschalsätze raushauen kann. Si tacuisses... - oder sich wenigstens auf Ihren letzten, wirklich sinnvollen Satz beschränkt hätten!
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