Nach Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist die Rekommunalisierung des Rettungsdienstes auch in Sachsen-Anhalt zum Thema geworden. So beschloss der Kreisausschuss des Landkreises Mansfeld-Südharz, den Rettungsdienst vom nächsten Jahr an in eigener Regie durchzuführen. Noch in diesem Monat soll der Kreistag über das Projekt beraten. Vorbehaltlich der Zustimmung dieses Gremiums würde dann der bereits bestehende Eigenbetrieb für Brandschutz und Rettungsdienst mit Sitz in Eisleben sofort für seine neue Aufgabe umstrukturiert werden.
Wie Landrat Dirk Schatz nach Presseangaben erklärte, entstehen mit diesen Veränderungen und der Übernahme von Rettungsdienstpersonal Mehrausgaben von 341.000 Euro für den Kreis, die von den Krankenkassen übernommen werden müssten. Diese üben deswegen an dem Plan des Landkreises heftige Kritik. Bislang liegen die jährlichen Aufwendungen für den Rettungsdienst in Mansfeld-Südharz bei durchschnittlich 20 Mio. Euro. Da durch die neue Beschlusslage eine Neuausschreibung des Rettungsdienstes kurz vor Fristende gestoppt wurde, kündigte Falck Deutschland an, notfalls juristische Schritte zu ergreifen. Falck hatte sich für den Rettungsdienst in dem sachsen-anhaltinischen Kreis stark interessiert. (POG)


Kommentare
eine gute Entscheidung in Mansfeld-Südharz. Nach Brandenburg wandert die Idee wohl gen Westen. Erfreulich der verantwortungsvolle Umgang mit der Aufgabe Rettungsdienst. Es ist besser, das Geld in die Besatzungen und Rettungswagen zu stecken als es in die Kanzleien der spezialisierten Rechtsanwälte zu schleppen.
Gruß aus dem kommunalen Norden,
Jan
leider befürchte ich bei einer Rekommunalisierung bei gleicher Qualität deutlich höhere Kosten, da der Staat erfahrungsgemäß seine Aufgaben sehr ineffizient durchführt. Zum Beispiel hat kaum ein Mitarbeiter einer "Berufsfeuerwehr" Lust auf Krankentransporte. Hier zeigt sich im "Vorhaltesystem", dass eben einfach eine weitere KTW-Schicht gefordert (und in der Regel genehmigt) wird, anstatt die überzogenen "Sickerzeiten", z.B. durch Kaffee-, Raucher- und sonstigen Pausen, nach jedem Einsatz zu unterbinden. Dies wird letztendlich die Lohnnebenkosten durch Kassenbeiträge weiter erhöhen und damit die Wettbewebsfähigkeit dieses Landes weiter schwächen.
Sehr geehrte (Kommunal-)Politiker, bitte übernehmt endlich Verantwortung für dieses Land und wagt mehr Wettbewerb, anstatt immer nur an die nächste Wahl zu denken und populäre Entscheidungen zu Lasten der Steuer- und Beitragszahler zu fällen.
Sehr geehrte RD-Mitarbeiter, bitte nehmt eure Verantwortung für die Patienten und dieses Land wahr und denkt nicht nur an euer bequemes "Retterleben", sondern meldet euch unverzüglich nach jedem Einsatz frei und nutzt die einsatzfreie Zeit für Lehrbücher.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus
könntest auch Du für Deine Behauptungen mal hier Beweise vorbringen? Wo ist durch das von Dir beschriebene Verhalten eines staatlichen Systems anstelle optimaler Zeitausnutzung bei Transporten gegen den Willen der Krankenkassen eine weitere Schicht eingesetzt worden? Ist das von Dir behauptete Verhalten wirklich ein Phänomen der staatlichen Systeme? Ich habe auch schon sehr oft Retter privater Dienste nach einer Tour am Krankenhaus in Ruhe eine rauchen sehen. Es sind übrigens auch die staatlichen Dienste zur Beachtung der Grundsätze der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit verpflichtet.
Wettbewerb im Rettungsdienst zu wessen Gunsten oder Lasten? Tarifverträge nur für den öffentlichen Dienst und die HiOrg? Der Rest fährt nach Arbeitgebergnaden? Wer übernimmt entstandene Verluste, wer erhält die möglichen Gewinne? Staatliche Systeme müssen Überschüsse in folgenden Rechnungsperioden wieder verrechnen. Die Privaten etwa auch?
Überzeugende Argumente wären an dieser Stelle mal hilfreich. Die ständige Wiederholung altbekannter Behauptungen sind es nicht.
Kommunale Grüße aus Norddeutschland,
Jan
Ach, ich könnte hier noch stundenlang schreiben, aber ich bin es einfach leid.
Viel Grüße,
Jens
@Jan - es ist zwar auch so dass bei den "Privaten" nicht alles besser läuft als im kommunal betriebenen Rettungsdienst (wobei ich nicht gelten lasse dass angeblich die Qualität sinken würde, dass wäre eine Behauptung die Du erstmal belegen müsstest), jedoch sprichst Du von "Rückführung von Gewinnen", dass ich nicht lache, die hat es doch noch niiiiiiiiie irgendwo in der öffentlichen Rettung gegeben!!! Was soll wer da an wen zurückführen?
und @Jens - auch wenn es jetzt Dein Weltbild des fleißigen Arbeitnehmers im RD verändert - wer sich zu sicher bei seinem Arbeitsplatz ist FEIERT viel öfter Krank als andere...
an welcher Stelle meiner Beiträge habe ich denn eine von Dir unterstellte Behauptung über die Qualität der Privaten vorgebracht? Ich kann keine solche - mir unterstellte- Behauptung finden. Ich habe grundsätzlich weiterhin nix gegen Private. Somit muss ich auch nix dergleichen belegen..
Du solltest Dich intensiver mit der Materie beschäftigen. Klick doch mal in diversen Kreistags- oder Ratsinformationssysteme in z. B. Schleswig-Holstein ( so z. B. OH oder auch FL) herum und suche dort dann nach Rettungsdienst. Da kannst Du relativ fix meine Behauptung mit der Rückführung von Gewinnen nachprüfen.
Du kannst aber auch z. B. bei der AOK S.-H. (Vertragsabteilung) anrufen und mal nachfragen. Du kannst auch mal in die sog. Kommunalabgabengesetze gucken und -meistens- so im § 6 (Benutzungsgebühren) nachlesen. Du könntest aber auch mal in das Rettungsdienstgesetz S.-H. schauen, selbst da steht was darüber drin.
Nur weil Diiiiiiiiir sowas scheinbar gänzlich unbekannt ist, gibt es in der öffentlichen Rettung die Ausgleiche von Gewinn und Verlust. Ist nunmal so wie ich es geschildert habe. Mag man (dem freien Spiel der Kräfte im Rettungsmarkt zugeneigte meistens) nicht gerne hören, bleibt aber Tatsache.
Kommunale Wochenendgrüße aus Norddeutschland.
Gruß Jan
@ Klaus, Berufsfeuerwehren gibt es bekanntlich nur in den (Groß)städen. Die allermeisten Rettungsdienstbereiche sind ländlich gesprägt, passt den Großstädtern nicht, ist aber so. Anders gesagt: Die paar faulen Feuerwehrleute interessieren nicht und sind auch nicht das Problem.
Noch ein Wort zur Qualität. Ist denn irgendjemand der Meihnung das es den Endscheidern je um Qualität gegangen ist? Es geht immer nur um Geld. Bei der Ausschreibung machen sich die HiOrgs und die bösen, bösen Privat gegenseitig das Leben schwer. Landkreis-Rettung ist eine gute Sache und zu begrüssen. Obwohl ich großer Fan der Privaten bin. Die HiOrgs haben bewiesen das sie für diese wichtige Aufgabe nicht geeignet sind.
Nach dem jahrzehntelang ein "Hauen und Stechen" unter den HiOrg und Feuerwehren im Rettungsdienst herschte, wurden vor ein paar Jahren vom Träger und den Kostenträgern, die Karten neu gemischt.
Die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle wurde Zentral von der Kreisfeuerwehr besetzt.
Die Leitstelle hat auch die Kostenstelle unter sich und schreibt u.a. die Transportrechnungen, etc. für alle im Rettungsdienst Ausführende.
Die KFZ, egal ob RTW oder KTW, werden Einheitlich innen und aussen für die Fahrzeugbesatzungen aus Berufsfeuerwehren, Hauptamtliche der FFW, Rettass. und Rettsan. der 4 HiOrg angeschafft.
So kennt sich der Rettungsassistent der Feuerwehr in dem RTW-KTW der HiOrg sofort aus, oder auch umgekehrt. Einheitlicher Aussenraum, nebst Innenraum, sogar die Bestückung der Notfallkoffer und Rucksäcke ist Einheitlich.
Was noch nicht Einheitlich ist, sind die KFZ für die Notärzte.
Aber Aufgrund der Einheitlichkeit der Reserve-Notarzteinsatzwagen wird dieses auch angestrebt.
An einer Feuer- und Rettungswache, die von der Berufsfeuerwehr besetzt wird, wurde eine von drei anerkannten Lehrrettungswachen eingerichtet.
Es gibt dort nicht nur eine Schule, Lehrkörper für Feuerwehren, sondern auch für Rettungsassistenten und Rettungssanitäter.
Neben den Ausbildungen, werden dort auch Zentral für alle im Rettungsdienst beschäftigten, egal ob Hauptamtlich, Freiwillig, vertretenden Personen die Fortbildungen durchgeführt.
Auch wird dort der Nachweis für Alle obigen, per Doku hinterlegt.
Es gab zwar im Anfang Spannungen, da auch die HiOrg Ausbilder stellen,
aber jetzt ziehen alle 5 Gruppen an einen Strang.
Alle 5 am Rettungsdienst beteiligte, haben auch OrgL Rett.dienst, wovon 2 immer im Dienst anzutreffen sind.
Eine Lehrrettungswache wurde an einer von Hauptamtl. FFW, die andere bei einer Wache der HiOrg eingerichtet.
Gleichzeitig wurden noch 2 RTW und 2 KTW ebenso Einheitlich, als Reserve für Werkstattaufenthalte, Iso-Fahrten, etc. angeschafft.
Der Neubau, Ausstattung, laufende Kosten von 14 Rettungswachen, wird durch Kreisumlage finanziert. Ebenso die durchlaufenden Lohnkosten der im Rettungsdienst vertetenden 4 HiOrg.
Und ob man es glaubt oder nicht,
die Kostenträger sparen sogar noch dabei.
Was noch nicht so greifft sind die Hilfsfristen des Landes.
wie es scheint, konnte ich die "Qualitätsprobleme", die ich täglich im Rettungsdienst erleben muss, nicht verständlich machen. Auch wenn im öffentlichen Dienst gekündigt werden kann, findet dies doch eigentlich nur bei extrem gravierenden Verfehlungen statt. Welcher von den schlechten Lehrern (und jeder, der einmal in der Schule war, kennt hier einige) wird denn schon aus dem Schuldienst entfernt? Welcher Rektor nimmt seine Führungsaufgabe wahr? Welcher schlechte Arzt (und ihr Retter kennt davon auch sicher einige!) muss denn mit Konsequenzen rechnen? Und im Rettungsdienst: Welcher Rettungsdienstleiter sanktioniert
- schlechte Versorgung?
- lange Ausrückzeiten?
- Nachlässigkeiten bei der Fahrzeugreinigung (Hygiene)?
- Nicht-Freimelden nach dem Transport, um zu rauchen, Kaffee zu trinken, zu Klönen, usw.
- Retten in Birkenstock oder Crocs?
- schlampigen Fahrzeugcheck und fehlendes Material bei der nächsten Reanimation (das musste ich leider schon häufig bis regelmäßig erleben!)?
Dr. van, bei Euch hat sich bestimmt die Strukturqualität verbessert (zwei OrgL, Ausbilder usw.), aber genau dies ist ja die Ineffizienz im "öffentlichen Dienst", da z.B. ein (hier sogar zwei) OrgL ständig vorgehalten wird, aber eigentlich nur einmal im Jahr (oder einmal in 10 Jahren :-)) wirklich gebraucht wird.
Viel besser wäre es, die Ergebnisqualität zu kontrollieren und Leistungsprinzipien einzuführen. Und, liebe Kritiker der Leistung im RD ("Ich kann ja nichts dafür, dass keiner krank ist und ich deshalb auf dem Sofa liege."), seid hier einmal kreativ. So kann z.B. eine selbstgehaltene Fortbildung oder ein Fachartikel für die RETTUNGSDIENST auch ein Leistungskriterium sein.
Fazit - Maximalprinzip: Für das aktuell im Rettungsdienst eingesetzte Geld lässt sich die Qualität deutlich steigern. Oder:
Fazit Minimalprinzip: Wenn wir die jetztige Qualität als gut oder ausreichend ansehen, dann gibt es noch immense Einsparpotenziale.
In der Hoffnung auf mehr Wettbewerb!
Klaus