Mitglieder des Internet-Forums rettungsfachpersonal.de haben unter dem Titel „Braunwalder Erklärung“ eine gemeinsame Stellungnahme zur Diskussion um den Referentenentwurf des Notfallsanitätergesetzes (NotSanG) veröffentlicht. Diese kann als Petition hier unterzeichnet werden. Die Erklärung soll zum Ende der Zeichnung in vier Wochen an das Bundesministerium für Gesundheit geschickt und veröffentlicht werden.
Das unterzeichnende Rettungsfachpersonal möchte mit der Erklärung darauf aufmerksam machen, dass es die Abwertung der Arbeit des Rettungsfachpersonals, wie sie derzeit durch einige Ärzteverbände in Stellungnahmen zum geplanten NotSanG betrieben werde, weder für statthaft, noch einer sachlichen Diskussion für zuträglich hält. Vielmehr würde mit den Positionspapieren die gegenwärtige Situation verkannt werden, wenn sie darauf abzielen, eine eigenständige Versorgung durch Rettungsdienstpersonal als Gefährdung der Patienten darzustellen. Denn bereits heute übernehme das Rettungsfachpersonal die qualifizierte notfallmedizinische Versorgung des überwiegenden Anteils der Notfallpatienten ohne Notarzt. Die Aussagen der Ärzte bewerten die Unterzeichner als „in erster Linie standespolitisch motiviert“. Eine Abschaffung des Notarztsystems sei weder durch den Referentenentwurf noch durch das Rettungsfachpersonal intendiert. „In diesem Sinne wünschen wir uns künftig einen konstruktiven Dialog zwischen den beteiligten Verbänden, wie er in der täglichen Praxis auf Arbeitsebene seit jeher gelebt wird.“


Kommentare
Wir finden es schade, dass sich die Diskussion für uns auf den ersten und irgendwie auch auf den zweiten Blick auf die Kern-Message "Ärzte gegen Sanis" (oder auch umgekehrt) reduziert.
"Notfallmedizin ist Teamarbeit! Innerklinisch genauso wie extramural" - so hat ein Notarzt unseres Stützpunktes einen Artikel (Umsetzung der Notfallkompetenzen in Österreich) auf FB kommentiert. Und so wie er sehen es auch viele andere (Not-)Ärzte und (Notfall-)Sanitäter. Jene unter uns, denen qualifizierte und kompetente präklinische Versorgung am Herzen liegt, dürfen sich nicht auf "Sani" gegen "Doc" reduzieren lassen.
Wir schreiben Euch diese Zeilen, weil es auch in Österreich Stimmen gibt, die davon sprechen, dass die Sanis den Notarzt abschaffen wollen und ein Paramedic-System nach Vorbild der USA schaffen wollen. Was uns in Eurer Petition gefällt, ist der letzte Absatz: "Weiter ist eine Abschaffung des Notarztsystems weder durch den Referentenentwurf noch das Rettungsfachpersonal intendiert. Durch die Beibehaltung des Notarztsystems bei gleichzeitiger Verbesserung der Ausbildung des Rettungsfachpersonals wird die Patientenversorgung in Zukunft weiter optimiert und keinesfalls verschlechtert."
Die Ressource Notarzt wird in unseren Augen in den nächsten Jahren noch viel wertvoller werden. Schon heute können Planstellen nicht besetzt bzw. nachbesetzt werden, weil scheinbar die Attraktivität des "Notarzt-Seins" deutlich abgenommen hat.
In diesem Sinne sollte es nicht ein Papier geben, dass "nur" von den Sanis unterschrieben und getragen wird, sondern von ALLEN, die an einem qualifizierten, effizienten und vor allem teamorientierten Rettungsdienst interessiert sind. Wir werden uns den zukünftigen Herausforderungen der präklinischen Versorgung nur gemeinsam stellen können! Notfallsanitäter, die kompetent eine Regelversorgung von Patienten durchführen, und Notärzte, die dort vor Ort sind, wo die Grenzen der Regelversorgung erreicht werden.
Liebe Grüße!
Siegfried Weinert, MSc
Präsident des Österreichischen Berufsverbandes für SanitäterInnen
Mag. Dr. Susanne Ottendorfer
Stützpunktverantwortliche Notärztin
Also ich persönlich finde sowohl das Gesetz als auch die Diskussion sinnlos. Wenn man als Assistent oder Sani mehr Verantwortung möchte, dann soll man Medizin studieren oder auswandern. Wir sind nun mal nichtärztliches Personal und haben damit auch keinen Anspruch auf die Kompetenzen. Sollte das Gesetz wirklich kommen, was ich nicht glaube und auch persönlich nicht möchte , dann wird es mehr gerichtliche Verfahren geben, weil aus Leichtsinn und aufgrund von unerfahrenem Personal Menschenleben gefährdet werden bzw. wurden. Es gibt schon genug Rettungsrambos da draußen.
In diesem Sinne schönen Tag noch.
dein herunter kürzen auf ärztliche Kompetenz, seigt das du an einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen kein Interesse hast.
Sollte das falsche sein, bedeut es einfach nur das du nicht verstehst um was es wirklich geht!
Als Statistik gesprochen kann man ohne Probleme behaupten, dass in dem Zeitraum 1974 (erstes bayrisches RDG) bis 1992 in meinem Rettungsdienstbereich sich das Verhältnis von geeigneten NA zu ungeeigneten NA in Prozenten 30-70 darstellte, wobei es egal war, ob Praxisärzte 90% oder Krankenhausärzte 10%. Bei den hauptamtlichen Sanitätern war das Verhältnis von geeignet zu ungeeignet bei 60 zu 40%.
Wie man sieht, gab und gibt es nach wie vor Probleme im RD und da sollte man doch bei den Beteiligten nicht kleinlich sein, sondern froh, dass die längst überfällige zeitgemäße Ausbildung der Berufssanitäter verbessert wird. Ich kann mich noch gut erinnern wie es war, wenn die Sanis einen "neuen" NA ab und zu erstmal "anlernen" mussten, weil sie/er von seinem Arbeitgeber ins kalte Wasser geschmissen wurden. Es war halt doch ein Unterschied, ob man in der "sicheren" Notaufnahme arbeitet oder draußen auf der Straße! Deshalb sollte eigentlich Sanis und NA ein Team bilden zum Wohle des Patienten.
Ich wünschte mir eine gute und sachliche Auseinandersetzung aller Gruppen mit dem Entwurf, um am Ende eine für alle und das Gesamtsystem zuträgliche Lösung zu finden.
ich bestätig in Teilen deine Aussage für unseren Bereich, hier wurde erst "mitte der 1990er!" ein NAW in den Dienst gestellt. Man braucht kaum darauf hinweisen das zu diesem Zeitpunkt die NAW überall anders (außer den bek. Großstädten) durch NEF ersetzt wurden, dies geschah dann auch relativ zügig bei uns.
Ein NA gab es eigentlich außnahmslos bei Eingeklemmten über den RTH. Die Regel war das kein Arzt zurverfügung stand. Das begründet auch das wir traditionell in unserem Bereich seit jeher ein breites Kompetenzfeld haben.
Hallo Thorsten,
genau darauf zielt ja die Petition ab, die Diskusion weg von dem Kompetenzgerangel auf eine sachliche Ebene bringen. Nur ganz kann man dem auch nicht aus dem Weg gehen, da ärztliche Maßnahmen seit jeher fester Bestandteil der Tätigkeit des RFP sind und auch endlich vollumfänglich anerkannt werden müssen.
inzwischen hat auch der Hartmannbund in einer aktuellen Pressemitteilung vor dem Notfallsanitätergesetz und dessen mögliche Folgen, insbesondere aber vor den Risiken (!) für die Patienten gewarnt. Es wird durch die Ärzteverbände auf breiter Front Stimmung gegen den Referentenentwurf gemacht, der die in den Stellungnahmen immer wieder angesprochenen invasiven Maßnahmen überhaupt nicht enthält. Es wird hier für die Öffentlichkeit völlig unbegründet ein "Schreckensszenario" gezeichnet und man muss sich zwangsläufig die Frage stellen, was damit erreicht werden soll.
Dass diese öffentliche Darstellung nicht durch alle Mitglieder der Ärzteverbände unterstützt wird, ist ein kleiner Hoffnungsschimmer. Einige (Not-)Ärzte haben die Erklärung des Rettungsfachpersonals bereits unterzeichnet und unterstützen somit eine sachliche und respektvolle Diskussion zum Thema.
Wenn es uns heute nicht gelingt, die Weichen im Rettungsdienst in Richtung Zukunft zu stellen, werden wir in wenigen Jahren vor unlösbare Probleme gestellt, dessen Vorläufer bereits heute zu sehen sind. Dabei geht es nicht um die Frage Paramedic- vs. Notarztsystem, denn alle an der deutschen Notfallrettung Beteiligten sind sich einig, dass ein qualitativ hochwertiges Notfallrettungssystem nicht gänzlich ohne gut ausgebildete und qualifizierte Notärzte auskommt - ebenso wenig, wie es ohne gut ausgebildetes und qualifiziertes Rettungsfachpersonal auskommen kann, das eine Regelversorgung auf hohem Niveau garantiert.
Betonen möchte ich auch noch einmal, dass bereits vor dem Referentenentwurf innerhalb der vom BMG einberufenen Expertengruppe Notärzte an der Erstellung des Ausbildungszieles beteiligt waren. Die Darstellung diverser Ärzteverbände, es hätte keine ausreichende Berücksichtigung ihrer Berufsgruppe gegeben, ist nicht nachvollziehbar. Allerdings scheinen die beteiligten Ärzte nicht im Sinne ihrer Verbände, sondern im Sinne eines zukunftsorientierten Berufsbildes für den Rettungsdienst und einem zukunftsorientierten Rettungsdienst insgesamt gehandelt zu haben - zum Leidwesen der Ärzteverbände. Anders können ihre Stellungnahmen derzeit nicht erklärt werden.
Es geht hier um den letzten Satz! Es trifft nicht nur die Notfallmedizin, sondern auch die Pflegeberufe und arbeitsmedizinischen Berufe und alle anderen medizinischen Berufszweige, die unter dieser ärztlichen Blockadehaltung leiden. Die Notfallmedizin ist daher keine Ausnahme, sondern die Regel und die Strategie zur Blockierung der Aus- und Fortbildung und Qualifizierung.
Nicht nur in der Pflege ist eine Quantensprung erforderlich. Es gibt viele medizinische Bereiche, nicht nur die in der SZ genannten, die eine wesentlich bessere Stellung benötigen und wo der schon seit Jahrzehnten (!) aufgrund des Fortschrittes in der Wissenschaft überfällig ist.
Leider ist in der Öffentlickeit das Bild von "nettes, junges, blondes (dummes) Mädchen vom Empfang" (Einsetzen je nach Belieben) immer noch die Regel und wird so auch durch eine Teil der Ärzteschaft so gewünscht und gefördert.
Tatsächlich verharrt die Ärzteschaft eher in den Strukturen des 19. Jahrhunderts und in den Berufsbildern der 1950 Jahre, was Qualifikation und Berufsbild der begleitenden Medizinschen Fachberufe betrifft. Selbst qualifizierte medizinische Berufe müssen sich mit einer doppelten Verneinung des Berufsbildes bezeichnen: Nichtärztliches Assistzenpersonal oder Nichtärztliches Heilhilfspersonal oder einfach als Medizinisches Hilfspersonal. Solche verneinenden und degradierenden Berufsbezeichnungen sind die Regel im medizinisch-sozialen Bereich und nicht die Ausnahme. Welche andere Berufsform wird mit einer mehrfachen Verneinung der Tätigkeit bezeichnet?
Es sollen wohl damit zwei Ziele durch die Ärztekammern erreicht werden:
1. Den Arzt als Mangelfachberuf erhalten und damit hochbezahlt
und in allen Bereichen unabkömmlich und federführend, was zu einem hohen politischen Druck führt. Es wird eine Berufsmacht aufgebaut.
2. Die Assistenzberufe als preiswerte Hilfsarbeiter und preiswerte Handlanger des Arztes.
Hier wird auch richtig beschrieben, wie die Bundesärztekammern und die Landesärztekammern bei der Entwicklung der Medizinischen Fachassistenzberufe mit beiden Beinen auf der Bremse stehen.
Welche Berechtigung haben diese Kammern, über die Ausbildung anderer medizinischer Berufe zu bestimmen? Stimmt ein Förster oder ein Maschinenbauingeniuer über die Ausbildung eines Schreiners ab? Stimmt ein Richter oder ein Investment-Banker über die Ausbildung eines Einzelhandelskaufmannes ab?
Daher ist Deutschland im medizinisch-sozialen Bereich wesentlich Rückständiger und in vielen (weniger bekannten) Fachbereichen veraltet und verstaubt. Ein Verlust in der Qualität und Quantität für den Standort Deutschland und damit auch ein wirtschaftlicher Stillstand und Rückschritt.
Ein großer Teil der Wirtschaftskraft, Weiterentwicklung und Fortschritt geht wegen eines akademischen Allmachts-Monopol-Berufsstandes verloren und wegen einer überholt-tradierten Struktur, die im 19. Jahrhundert verharrt.
Daher sind alle medizinischen Fachberufe aufgerufen, sich an diesem Quantensprung in der Fortbilundung zu beteiligen, um von der Tätigkeit des "nichtärztlichen" Hilfsarbeiters zum anerkannten Berufsbild eines medizinischen Fachberufs zu kommen.
Die Politik und die Gewerkschaften sind aufgefordert, diese Ausbildungsbasis, entgegen der monopolistischen (besitzstandswahrenden) Meinung der Bundesärztekammer und Landesärztekammern durchzusetzen.