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Rettungshubschrauber ohne Verträge

06.07.2017, 12:09 Uhr

Foto: S. Drolshagen/Archiv

NAH „Martin 3“ in Wels einsatzbereit

Am vergangenen Dienstag wurde ein neuer Notarzthubschrauber (NAH; österreichische Bezeichnung für Rettungshubschrauber) mit dem Rufnamen „Martin 3“ im österreichischen Wels stationiert. Vorerst soll der neue NAH in der Sommersaison, d.h. bis voraussichtlich Oktober, die Notfallversorgung im Salzkammergut und der Region Pyhrn Priel optimieren, wo sich zu dieser Jahreszeit immer wieder viele Touristen aufhalten. Die Maschine vom Typ MD 902 der HeliAustria (Firma Roy Knaus) ist von 8.00 bis 20.00 Uhr derzeit auf dem Flugplatz Wels einsatzbereit – sobald die noch ausstehenden Genehmigungen des Landes Oberösterreich vorliegen, dann am Flugplatz Scharnstein.

Eine Alarmierung könnte über die ÖRK-Landesleitstelle Salzburg-Süd erfolgen, wenn da nicht ein Knackpunkt wäre: Derzeit steht zwar der NAH samt dreiköpfiger Crew (Pilot, HEMS TC/Notfallsanitäter und Notarzt) einsatzbereit zur Verfügung, jedoch muss die Einsatzmaschine am Boden bleiben, da eine Alarmierung nicht erfolgen soll. Fehlende Verträge zwischen dem ÖRK und dem Betreiber sowie viele ungeklärte Fragen sind die Gründe für die vorerst fehlende Dispositionsgrundlage der Leitstelle. So seien laut ÖRK viele Fragen die Rahmenbedingungen betreffend offen, wie die Genehmigung von Funkfrequenzen, Vereinbarungen des Datenschutzes hinsichtlich der Gesundheitsdaten der Versicherten und Vereinbarungen mit den Versicherungen über den Einsatz des Sonderrettungsmittels. Darüber hinaus sieht der Gesundheitspolitiker, Arzt und Präsident des ÖRK Oberösterreich, Walter Aichinger, überhaupt keinen Bedarf an einem weiteren Stützpunkt der Flugrettung, wie die Luftrettung in Österreich korrekt bezeichnet wird. Die Einsatzzeiten der anderen NAH in diesem Einsatzgebiet seien ausreichend, heißt es. (Scholl)

Kommentare

06.07.2017, 14:08 Uhr von V
Wer hat das Ding denn bestellt, einen Rufnamen verpasst und bezahlt die Mitarbeiter?
06.07.2017, 15:29 Uhr von R-P
Da hat wohl jemand versucht, Fakten zu schaffen. Hat im Bereich der Luftrettung ja langsam Tradition.
07.07.2017, 08:03 Uhr von A.
Eine gewisse Ähnlichkeit zu der Situation in Deutschland ist hier auch zu erkennen. Auch hier in Deutschland werden RTH oder ITH irgendwo stationiert, die niemand bestellt hat (ob man sie braucht ist eine andere Frage). Leider fällt der eine oder andere unangenehm auf, weil diese sich aggressiv in Bereiche einbringen, wo bestellte (und somit vom Steuerzahler bezahlte) RTH und ITH zur Verfügung stehen, somit unnötig Geld verschwendet wird.
07.07.2017, 09:33 Uhr von Johannes
@A.:
Bitte benenne RTH in Deutschland, die "irgendwo stationiert" sind und die "niemand bestellt" hat. Ich kenne keine(n).
07.07.2017, 12:00 Uhr von A.
@ Johannes: Gerne! Bitte schau Dir die ITH Bochum, Chr Dortmund und Chr Weser an. Hier handelt es sich um rein privat-wirtschaftlich betriebene Hubschrauber, die geduldet sind (und auch genutzt werden), aber keine offizielle Bestellung inne haben. Gibt sicher noch den einen oder anderen mehr in Deutschland.

Im übrigen sprach ich nicht nur von RTH, sondern auch von ITH. Auch absichtlich, da häufig Dual-Use-Disposition.
07.07.2017, 12:16 Uhr von Syd
@Johannes,
in Marl steht ein recht großes Gerät der JUH der sich Akkon Bochum 89-1 nennt.
In welchem Bedarfsplan dieser aufgeführt ist und vor allem wodurch dieser finanziert wird (abgesehen von BG'lichen Verlegungsflügen) weiss hier im Ruhrgebiet niemand. Ab und zu fliegt dieser dann auch mal einen Primäreinsatz.
07.07.2017, 13:15 Uhr von Johannes
@A. und Syd: Und ich hatte ganz bewusst nach "RTH" gefragt. ;-) Danke für eure Erläuterungen.
07.07.2017, 15:14 Uhr von Uli
Man sollte sich erst einmal darüber informieren, was unter dem Begriff Luftrettung zu verstehen ist, bevor man hier kommentiert.
Dann sollte man nicht einseitig je nach Gusto argumentieren. In der Luftrettung sind z.B. Christoph Weser, Dortmund und Rostock auch nicht offiziell, wenn man LR als "öffentlich-rechtlich" definiert. Und was nicht öffentlich-rechtlich ist, unterliegt auch nicht den üblichen Verfahren zur Genehmigung, Plänen im Bereich Rettungsdienst usw.
Was ist z.B. in Baden-Württemberg? Dort ist Luftrettung zweifelsfrei öffentlich-rechtlich. Und auf welcher Grundlage soll ein Standort auf 24/7 erweitert werden? Wo ist dort der Bedarfsplan? Oder mal schnell von zuächst FR auf jetzt VS umgeschwenkt? Auf welcher Grundlage?

Und ganz bewusst nutzt auch die Angabe Dual Use nichts. Der Begriff sagt nichts über die tatsächlichen Einsatze ab, sondern beinhaltet die rein verwaltungsmäßige Festlegung. Und in D gibt es nach Landesbestimmungen nur die Hubschrauber in Baden-Württemberg, die offiziell als Dual Use deklariert sind. Hinzu kommt Chr. 77 in Mainz, aus dessen Bezeichnung sich schon der frühere Einsatzzweck überwiegend als TH ablesen lässt. Dort haben sich aber die ursprünglich deklarierten Anteile zugunsten der RTH-Funktion verschoben.

Die neuen Standorte der Johanniter Luftrettung gehören nicht zur öffentlich-rechtlichen Luftrettung der Länder.

Die Flugrettung in A sollte man nicht mit der Luftrettung in D vergleichen. Dort liegen zum Teil nicht vergleichbare Systeme zugrunde. Und wir in D sollten uns nicht den Kopf über die Verhältnisse in A zerbrechen, wenn bei uns nicht einmal alles geregelt ist!

Auch in A gibt es den Protektionismus der etablierten Betreiber, genauso wie bei uns.
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