Brandenburgs Nordosten wird einen Rettungshubschrauber (RTH) erhalten. Der fünfte RTH des Bundeslandes soll in Angermünde stationiert werden und von dort aus täglich in einem ca. 6.000 Quadratkilometer großen Territorium für medizinische Notfälle einsatzbereit sein. „Damit wird sich die Versorgungssituation der Bevölkerung im Landkreis Uckermark sowie in Teilen der Landkreise Barnim, Märkisch-Oderland und Oberhavel erheblich verbessern“, sagte Gesundheitsministerin Anita Tack (Die Linke) heute in Potsdam. Bisher sei die Luftrettung in dieser Region nur über längere Anflugwege zu erreichen.
Frau Tack verwies auf die Ergebnisse eines Gutachtens, das im Auftrag des Ministeriums die Luftrettungsstruktur im Land Brandenburg untersucht hatte. „Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Luftrettung in Brandenburg eine wichtige Versorgungsfunktion hat und die derzeitigen Strukturen durch die Einrichtung eines zusätzlichen Luftrettungsstandortes im Nordosten des Landes Brandenburg verstärkt werden müssen“, betonte die Ministerin.
Laut Gutachten bestehe das eigentliche Problem in einem dünn besiedelten Flächenland wie Brandenburg darin, dass die entsprechenden Zielkliniken zur Durchführung der definitiven Therapie in vielen Regionen durch den bodengebundenen Rettungsdienst nicht im vorgegebenen Zeitintervall erreichbar sind. Hier komme der Luftrettung neben der Unterstützung des bodengebundenen Rettungsdienstes eine wichtige Primärtransportfunktion zu – vor allem bei lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Verletzungen.
Die Menschen in der Region würden in besonderem Maße von der Luftrettung profitieren, da große Entfernungen „zu den Notfallpatienten und von dort zu den geeigneten Kliniken“ ganz typisch seien, so die Ministerin. Geplant ist, Ausschreibung und Vergabe noch in diesem Jahr abzuschließen, so dass im nächsten Jahr die Station errichtet werden kann. Derzeit stehen für die Notfallversorgung im Land Brandenburg vier Rettungshubschrauber an den Standorten Perleberg, der Stadt Brandenburg, in Bad Saarow und Senftenberg bereit.


Kommentare
Da Horsti seinen Parteifreunden in Augsburg vor Jahren mal versprochen hatte, dass Aufgsburg Uniklinik wird und er es nicht halten konnte, bekommen sie halt jetzt einen RTH mit Dachhangar, immerhin ist die CSU Augsburg von den Mitgliedern her größer als der Landkreis Donau-Ries.
Patienten interessieren doch hier nur am Rande. Wenn man sich als Politiker schon nicht bei den Feuerwehren profilieren kann, dann doch wenigstens beim RD.
Vielleicht galt dein Kommentar gar nicht als Antwort auf meinen, wenn aber doch, dann einfach nochmal lesen und verstehen, denn ich habe eigentlich dasselbe geschrieben wie das, was du scheinbar auch wollen würdest.
Lg aus dem Norden
Grundsätze zur Weiterentwicklung der Luftrettung sind schon vor 6 Jahren benannt worden. Die Optimierung scheitert bislang am Föderalismus und den bisher geschaffenen Systemen, an denen keiner rühren darf (siehe das genannte Beispiel Augsburg).
Inzwischen haben sich Randbedingungen weiter verändert. Eigentlich müsste so Einiges neu überdacht, optimiert und definiert werden. Vielleicht müssen auch neue Möglichkeiten entwickelt werden.
Quelle: Focus Money Online http://bit.ly/p8KpT5
Mit Helis gegen Hausärztmangel?! ;-)
Brandeburg hat nun mal eine extrem dünne Bevölkerungsstruktur. D.H. mehr Rettungswagen / Bevölkerung auch mehr NA .... . Klar das die Kosten hier erheblich höher sind. Man braucht nur mal genau hinschauen- überall wo ich wenig Bevölkerung auf großer Fläche habe ist der Rettungsdienst teuer.
Und wo Niedergelassene fehlen wird die Bevölkerung automatisch häufiger der RD alarmieren. Sonst ist halt der Hausarzt häufig der erste Ansprechpartner für die Patienten / Pflegeheime etc. Wenn der 30 km weg ist .... dann halt mal eben die 112..
Aus meiner Sicht liegt dies eher daran, dass das existierende System nicht mehr optimal auf die bestehende und schon gar nicht auf die zukünftige Situation ausgerichtet ist.
Hierzu gibt es verschiedene Studien oder Artikel, z.B. "A national evaluation of the clinical and cost effectiveness of Emergency Care Practitioners" (Part 1/2 - Medical Care Research Unit School of Health and Related Research University of Sheffield, 2005), "Taking Healthcare to the Patient 2"(Association of Ambulance Chief Executives - Juni 2011) oder "Effectiveness of emergency care practitioners working within existing emergency service models of care" (Suzanne Mason et al. - Emerg. Med. J. 2007;24;239-243), etc.
Die Ergebnisse zeigen u.a. auf, dass durch eine Systemoptimierung der präklinsichen Versorgung eine signifikante Kostenreduktion erzielt wurde. Wir reden hier von mehreren hundert Euro pro versorgten Patient.
Es gab oder gibt auch Ansätze solche Systeme in Deutschland umzusetzen, z.B. das "Strategiekonzept - Regional Healthcare (RHC)", welches in Zusammenarbeit von DLR und der EMAU Greifswald entwickelt wird/wurde.
Die jetzige Verankerung der rettungsdienstlichen Leistungen im Sozialgesetzbuch (SGB) V ist ein wichtiger Schritt, um eine Basis für solche Projekte oder ggf. für Neustrukturierungen zu schaffen.
Solange die immense Ärztelobby in Deutschland alles lenkt und bestimmt, man Lichtjahre vom Paramedic-System entfernt ist, wird es auch trotz der geseztlichen Verankerungen (welchen auch immer) niemals eine solche Neustrukturierung geben.
Und deshalb denkt jedes Kaff in dünnbesiedelten Bundesländern (vor allen den "neuen"), dass es einen RTH oder sonstwas benötigt (und Politiker aus Prestigegründen) um Hilfsfristen gerecht zu werden - oder sich zu profilieren.
Sorry, das ist nicht pessimistisch, sondern traurige Realität! Deutschland wird NIE ein Paramedic-Land!
Grüße aus der großen freien Welt der Paramedics aus UK :) (... in dem das NHS auch nicht Gold ist, aber man in der BRD sich VIELE gute und sinnvolle Dinge abschauen könnte. Aber wie gesagt, es scheitert and den "Großkopferten":()
Sicherlich fühlt man sich beim Lesen mancher Positionspapiere seitens ärztlicher Standesvertretungen oder Lobbyisten zumindest ein wenig an die Blockadehaltung der Tea Party in den USA erinnert. Jedoch denke ich nicht, dass man das pauschalisieren kann oder sollte. Auch erachte ich die unreflektierte Forderung aus den Reihen des nicht-akademischen Rettungsfachpersonals nach einem Paramedic-System nicht für zielführend. Davon war in meinem Betrag auch nicht die Rede und ich zähle mich persönlich auch in keinster Weise zur Gruppe der "Paramedic-System-Forderer".
Vielmehr wage ich zu behaupten, dass man die oben erwähnte Blockadehaltung gerade auch in den Reihen des nicht-ärztlichen Rettungsfachpersonals findet und zwar im gleichen Maße. Zwar taucht diese nicht in irgendwelchen Positionspapieren auf, dafür, und das ist aus meiner Sicht viel schlimmer, im Daily Business, auf der Straße, am Patienten, bei der Fortbildungsbereitsschaft etc.
Wenn sich in den nächsten Jahrzehnten wirklich etwas signifikantes im Bereich der Neuausrichtung des präklinischen Versorgungssystems ändern soll, muss an vielen Schrauben gedreht werden. Eine der wichtigsten ist sicherlich die Geisteshaltung des eingebundenen ärztlichen und im gleichen Maße des nicht-ärztlichen Fachpersonals. Doch in erster Linie muss die Bereitschaft seitens der verschiedenen Regierungsebenen und der Kostenträger vorhanden sein, eine grundlegende Neustrukturierung zu wollen.
Und wenn ich mir die derzeitige Entwicklung der Systemkosten ansehe, würde ich behaupten: "Sag niemals NIE!"