S+K Verlag
Der einzige Fachverlag für
Notfallmedizin in Deutschland.
Bücher, Zeitschriften und Nachrichten
rund um das Thema Rettungsdienst.

Studie zu Ausfall der Stromnetze

01.08.2011, 10:59 Uhr

Foto: T. Schuff

Kritische Folgen für Berlin

Eine aktuelle Studie kommt zu dem Befund, dass Berlin für einen längeren Stromausfall schlecht gewappnet ist. Auch zentrale Einrichtungen der Polizei, Feuerwehr oder von Krankenhäusern könnten demnach nur zwei Tage lang mit Notstrom versorgt werden, um ihren Aufgaben voll nachzukommen. Und das sei auch nur die maximale Dauer. In Krankenhäusern sei die Lage schwieriger. Im Wortlaut heißt es: „In der Regel reichen die Kapazitäten bzw. Tankreserven für einen Betrieb zwischen drei Stunden und maximal 24 Stunden in Krankenhäusern.“

Die Studie „TankNotStrom“ wurde vom Bundesforschungsministerium initiiert und von Wissenschaftlern an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) durchgeführt, um etwaigen Risikofolgen bei Großunfällen, Naturkatastrophen oder Terroranschlägen wirkungsvoll begegnen zu können. Zentrale Rolle spiele dabei die Treibstoffversorgung. Dies betrifft auch mobile Notstromaggregate, wie sie das THW vorhält. Der Nachschub mit Treibstoff kommt allerdings aus den Zapfsäulen der Energieunternehmen, die wiederum ohne Stromversorgung nicht funktionierten. So würde man im Notfall nicht mehr an große Mengen herankommen, denn – so heißt es in der Studie – selbst Polizei, Feuerwehr und THW seien „auf die Kraftstoffversorgung durch öffentliche Tankstellen angewiesen.“

Dramatische Auswirkungen hätte ein solcher Totalausfall nach Ansicht der Verfasser auch auf die psychischen Befindlichkeiten der Menschen in der Hauptstadt: Da man sich gemeinhin auf die Krisenvorsorge durch den Staat verlasse, steige das „Risiko von Kriminalität und Übergriffen“, wenn die gehegten Erwartungen enttäuscht würden. Die Menschen fühlten sich dann eher vernachlässigt. Das Krisenkonzept für den Katastrophenschutz sieht vor, Berlin unter sozial- und infrastrukturellen Aspekten kleinräumig einzuteilen, z.B. nach Siedlungsdichte, Zahl alter Menschen, Kriminalitätsschwerpunkten etc. und dementsprechend Anlaufstellen zu definieren. Diese sollten der Bevölkerung im Krisenfall unabhängig von Radio, Fernsehen und Internet lokal Hilfe und Information bieten.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wird fieberhaft von mehreren Partnern (Senatsverwaltung für Inneres mit dem Katastrophenschutz,  TU Berlin, TimeKontor AG) an Systemen zur Sicherung der Treibstoffversorgung „getüftelt“. Das Programm hat einen Umfang von rund 2,6 Millionen Euro und wird von zwölf großen Projektpartnern getragen. Es läuft noch bis zum Mai 2012. Die für Berlin und Brandenburg entwickelten Instrumente sollen auch in anderen Bundesländern zur Anwendung gelangen. (Quelle: Berliner Morgenpost)

zum Seitenanfang
KontaktRSS
Stumpf + Kossendey Verlag, 2018
Impressum