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Telemedizin im Rettungsdienst ist kein Notarzt-Ersatz

15.02.2017, 12:44 Uhr

Foto: R. Schnelle

BAND legt „Strukturpapier“ vor

Die Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands (BAND) hat im Januar ein „Strukturpapier“ zur gegenwärtigen Lage des Rettungsdienstes in Deutschland veröffentlicht. Darin wird u.a. vorgeschlagen, anstelle landesunterschiedlicher Hilfsfristen eine bundeseinheitliche präklinische Versorgungszeit einzuführen. Mit ihr sollen 90% der Notfälle innerhalb einer noch zu bestimmenden Frist einer klinischen Versorgung in einem geeigneten Krankenhaus zugeführt werden. Darin enthalten sein sollen alle Prozesse der präklinischen Versorgung einschließlich der klinischen Schnittstelle.

Den Problemen der steigenden Einsatzzahlen, längeren Anfahrtzeiten und häufigen Nicht-Verfügbarkeit des Notarztes will die BAND mit dreierlei Maßnahmen begegnen: In den Leitstellen soll eine differenzierte Disponierung erfolgen, Notfallsanitäter sollen für die Ersttherapie nach festgelegten SOP arbeiten und der Einsatz der Luftrettung soll in dünnbesiedelten Gebieten ausgeweitet werden. Damit der Rettungsdienst nicht inadäquat in Anspruch genommen wird, sollen Integrierte Leitstellen zukünftig Zugriff auf alle Niveaus und Medien der Akut- und Notfallversorgung erhalten. Außerdem soll die Versorgung von Akutfällen in den hausärztlichen Bereich zurückgeführt werden.

Der Notarzt der Zukunft wird in dem Papier als „hochkompetenter, erfahrener Kliniker“ beschrieben, der „in erster Linie als Entscheidungsträger in komplexen Notfallsituationen und zur Durchführung notarzt-spezifischer Maßnahmen zum Einsatz kommt.“ Die Telemedizin sei keinesfalls ein Ersatz für den Einsatz des Notarztes im Rettungsdienst. Die BAND plädiert daher auch dafür, nicht von einem „Telenotarzt“ zu sprechen, sondern von „telemedizinischer Unterstützung des Rettungsdienstes“. Sie könne auch bei nicht-ärztlichen Einsätzen ohne Notarzt-Indikation verwendet werden. Es müssten aber offene Fragen der Verantwortung für die mit telemedizinischer Unterstützung eingesetzten medizintechnischen Geräte wie auch die Umsetzung der auf telemedizinischem Weg an Notfallsanitäter und Rettungsassistenten delegierten Maßnahmen geklärt werden.

Kommentare

17.02.2017, 11:48 Uhr von chris
ja wenn die BAND das sagt, ist es ja fast wie ein Gesetz !
22.02.2017, 15:51 Uhr von Bernd
Solange es in der BRD keine Fachärzte für Notfallmedizin gibt, braucht es 90% der Notärzte im Land nicht. Was will ich mit einem selbstfahrenden Hausarzt beim Polytrauma oder mit einer 25 jährigen chirurgischen Assistenzärztin beim kritischen STEMI? Das Notarztsystem ist am Boden und dies sind die letzten Zuckungen eines längst überholten historisch gewachsenen Systems.
22.02.2017, 16:27 Uhr von E
Und der Notfallsanitäter ist besser als der 25 jährige Arzt?
Ah ja. Hab ich gar nicht gewusst=).
23.02.2017, 00:11 Uhr von Freakmean
@E: Hier geht's um die frage wann ein Arzt an der Einsatzstelle etwas bringt. Das tut er meiner Meinung nach wenn er neben einem Umfangreichen Wissen in Intensiv und Anästhesiemedizin auch über Erfahrung(Intubation und Narkose zum Bsp.) und "Ruhe" verfügt. Das darf bei einem 25 Assistenzarzt der Chirurgie was den RD angeht bezweifelt werden. Hier geht´s nicht darum wer besser ist sondern wer wann eingesetzt gehört. Es ist 1000 mal besser wenn man bedeutend weniger NA einsetzt dafür aber nur noch echte Experten auf diesem Gebiet. Und der Notsan arbeitet die restlichen Einsätze wo keine Intubation, Narkose oder ein Opioid und so weiter gebraucht wird alleine ab dazu ist er da und in der Lage...und dennoch wäre der NA nicht abgeschafft!

Ja ich glaube das ein erfahrener NFS und von mir aus auch RA im RD "besser sei kann" als ein 25 jährige Assistenzarzt der Chirurgie der einen STEMI evtl. nur aus dem Lehrbuch kennet! Oder auch besser als ein Internistischer Hausarzt ist der auch das Polytrauma nur vom hören sagen kennt (was prinzipiell auch nicht schlimm wäre weil er ja Internist ist, nur deshalb kann der Einsatz im RD eben kritisch gesehen werden) Arzt bedeutet nicht automatisch "Toll" ;)
23.02.2017, 17:10 Uhr von E
@Freakmean: Richtig, Arzt bedeutet nicht gleich toll. Das gilt aber auch für den NFS/RettAss.
Mehr wollte ich eigentlich nicht damit sagen. Ist halt Personen abhängig.
21.03.2017, 17:10 Uhr von pa.
Die Diskussion wird hier etwas emotionell geführt. Es ist ja längst nicht so, das nur Assistenzärzte zum Einsatz kommen. Es gibt Standorte da kommen nur oder überwiegend Fachärzte oder zumindest welche mit Facharztqualität zum Einsatz. An dem ITH und vielen RTH Standorten ist das der Fall. Aber auch nicht jeder Assistenzarzt ist als NA schlecht. Habe solche und solche als NA erlebt. Hängt von der Person ab und Bereitschaft zur Weiterbildung. Sicher wären manche Verbesserungen in der Ausbildung der Notärzte verbesserbar, so stärkeres Gewicht der Notfallmedizin im Studium und entsprechende Fortbildungen ab dem 1. Weiterbildungsjahr.
Unter den NFS gibt es auch solche und solche.
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