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Thüringen veröffentlicht Verfahrensanweisungen für den Rettungsdienst

13.12.2016, 12:50 Uhr

Ärzte definieren Handlungsrahmen für Notfallsanitäter

In Thüringen sind in der vergangenen Woche die überarbeiteten Verfahrensanweisungen für den Rettungsdienst erschienen. Die Landesärztekammer Thüringen, die Landesgruppe Thüringen der Ärztlichen Leiter Rettungsdienst, die Arbeitsgemeinschaft der in Thüringen tätigen Notärzte und die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen geben damit den Rettungsdienstschulen, dem ÄLRD sowie allen am Rettungsdienst im Land beteiligten Rettungsdienstmitarbeitern und Notärzten einen Handlungsrahmen vor. Mit der Version 2.0 wird der Maßnahmenkatalog auch um die selbstständig durchzuführenden Tätigkeitsbereiche der Notfallsanitäter erweitert.

Bestandteil der Verfahrensanweisungen ist auch eine Mustervorlage der ÄLRD Thüringen für ein persönliches Freigabegespräch zur Ersteinführung der Notfallsanitäter in ihre Tätigkeit. Ausdrücklich wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass „die Notfallsanitätermaßnahmen keine Substitution oder Generaldelegation darstellen, sondern lediglich eine Übertragung im engsten Sinne der Behandlung von vital bedrohlichen Krankheitsbildern ohne Notarztverfügbarkeit bei standardisierten Krankheits-/Zustandsbildern im Rahmen der vorgegebenen SOP ohne Abweichungsmöglichkeit/Ermessensspielraum in den Thüringer Verfahrensanweisungen darstellen.“ Das Ziel der Thüringer Verfahrensanweisungen sei auch nicht die Einführung eines notarztfreien Rettungsdienstes.

Kommentare

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13.12.2016, 14:52 Uhr von Florian
Das wird noch 20 Jahre dauern. Wieder der Grundfehler: man kann keine maximal invasiven Maßnahmen in Ausnahmefällen durchführen! Woher soll man die Routine haben!? Was spricht denn bitte gegen ein Parallelsystem?
15.12.2016, 09:50 Uhr von Karsten
In Zeiten von Ergänzungsprüfungen ist da sicherlich noch nicht dran zu denken. Der vollausgebildete Notfallsanitäter hat aber später die Möglichkeit, "in Vorkasse" zu treten: Wenn die Ausbildung zeigt, dass so was möglich ist, ist so was zumindest vorstellbar.
15.12.2016, 12:03 Uhr von Martin
@Karsten: Scheinbar scheint bei den Ergänzungsprüfungen in einigen Bundesländern einiges schief zu laufen. Bei uns in Hessen richten sich die Ergänzungsprüfungen exakt an den Inhalten des NFS Staatsexamens. Dies wurde mir sogar schriftlich vom Regierungspräsidium bestätigt (kannst gerne beim RP nachfragen). Das bedeutet, dass die praktische und die mündliche Prüfung exakt die selben Inhalte aufweisen und exakt gleich geprüft werden (Anwesenheit Vertreter Regierungspräsidium + Arzt der vom RP genehmigt ist + Vertreter der Schule) egal ob Staatsexamen oder Ergänzungsprüfung.

Im Gegenteil sind die RettAss mit Ergänzungsprüfung den Notfallsanitätern mit Staatsexamen bei uns sogar in einigen Punkten höher gestellt. So müssen die RettAss mit Ergänzungsprüfung bei uns nach einigen Tagen Anästhesie präklinisch reflexlos intubieren, da diese Massnahme bisher angewendet und geschult wurde. Die Notfallsanitäter mit vollem Staatsexamen werden diese Kompetenz in Zukunft vermutlich nicht mehr erreichen können, da die Schule ausschliesslich alternative Airway unterrichtet (I-Gel, Lama und LTS). Bei einem Problem der oberen Atemwege (Gasexposition, Fremdkörperaspiration, Inhalationstrauma,...) kann eine endotracheale Intubation u.U. einen Patienten vor dem chirurgischen Atemweg bewahren.

Bei uns gibt es bereits Verfahrensanweisungen, Prüfungen vor dem ärztlichen Leiter, BTM-Gabe ohne NA (Callback-System) etc.. Täglich werden bei uns Patienten von Notfallsanitätern ohne Notarzt versorgt. Selbst Infarktpatienten versorgen wir inzwischen weitgehend ohne NA (Telemetrie mit Katheterlabor, Callback mit NA (Morphin) und Voranmeldung). Ab Anfang 2017 gibt es sogar eine Verfahrensanweisung zur offensichtlich toten Person / erfolglose Reanimation ohne Notarzt (die NAs führen bei uns grundsätzlich keine Leichenschau durch). Das bedeutet, dass selbst die Reanimation (wenn kein NA abkömmlich oder notwendig) und die vorübergehende "Todesfeststellung" (Nachforderung ärztlicher Notfalldienst oder HA) in Zukunft im Zweifelsfall und nach spezieller Schulung ohne NA durch den NFS durchgeführt werden muss (Callback-System). Die Notfalleinsätze haben sich bei uns seit der Einführung des NFS mehr als halbiert. Eines ist sicher, der Notfallsanitäter funktioniert, egal ob Ergänzungsprüfung oder Staatsexamen. Eines ist jedoch zwingend notwendig. Die hohe Bereitschaft der Mitarbeiter sich (auch in ihrer Freizeit) Fort- und Weiterzubilden. Die Ergänzungsprüfung in Hessen ist nicht ohne, aber die Überprüfung vor dem ärztlichen Leiter ist die Hölle (viele Fragen stammen aus der Facharztprüfung der Anästhesie). Die Durchfallquote bei der Erstprüfung liegt bei uns nach wie vor bei circa 80%. Da muss man sich echt hinsetzten und lernen. Sonst wird das nichts. Dafür wird jeder Notfallpatient auf einem hohen fachlichen Niveau notfallmedizinisch versorgt. Das beste Qualitätsprädikat ist, dass ich mich und meine Familie und Freunde von ALLEN Notfallsanitätern in einer Notfallsituation gerne versorgen lassen würde. Zu RettAss Zeiten sah dies durchaus etwas anders aus.
15.12.2016, 13:35 Uhr von E
@Martin. Kennen Sie alle NFS und ihre Fähigkeiten aus jedem Bundesland?

Mit dem versorgen lassen von jedem, ohne bedenken?
Na ja, ist ja Ihre Familie. Oder meinten Sie nur in Hessen?
Also in BW gibt es teilweise keinen ÄLRD, die NFS dürfen da nicht mehr als ein RettAss und eine jährliche Überprüfung des NFS gibt es auch nicht. Ganz zu schweigen von Intubationen, die geprüft werden... und und und .........

Wann wird in Hessen der NA abgeschafft? Wofür braucht man diesen dann noch?
Die Frage ist ernst gemeint, bitte klären Sie mich auf.
15.12.2016, 15:08 Uhr von Karsten
@Martin

Deinen blumigen Text in allen Ehren: ich kenne einige hessische Notfallsanitäter mit Z.n. Ergänzungsprüfung. Und da ist noch viel Luft nach oben.
Ich weiß auch, dass es gerade in Hessen oft Unterschiede zwischen der Theorie (so steht es auf dem Papier) und der Praxis (so sieht es in der Patientenversorgung tatsächlich aus) gibt. Das macht auch der Vergleich mit der anästhesiologischen Facharztprüfung nicht besser (eher ein wenig peinlicher).
Auch wenn Ihr ein anderes Bild von Euch habt: Ihr kocht auch nur mit Wasser. Und meine Erkenntnisse beziehen sich nicht nur auf einen ausgewählten Bereich, sondern spiegelt die Versorgung in mehreren Ecken des schönen Bundeslandes wider. Von Kassel, über den Vogelsbergkreis bis zum Bereich Waldeck/Frankenberg, nur um einige Beispiele zu nennen. Dass also DER hessische Notfallsanitäter DER Notfallsanitäter par excellence ist, entspricht nicht meiner Wahrnehmung.


@E

Da liegst Du gar nicht so falsch. Es gibt tatsächlich einige Bemühungen in Hessen, den Notarztbetrieb deutlich runterzufahren. Völlig vorbei an der aktuellen Realität. Da aber zu gegebener Zeit mehr.
15.12.2016, 15:29 Uhr von Martin
Selbstverständlich habe ich gemeint, dass ich mich von allen NFS in unserem Rettungsdienstbereich versorgen lassen würde. Für andere Rettungsdienstbereiche, geschweige denn Bundesländer kann ich nicht sprechen. Von BW hört man zwar viel schlechtes, auch da gibt es jedoch Rettungsdienstbereiche, die m.E. gut funktionieren. So hatte beispielsweise das DRK Rottweil bereits vor Jahren im Bereich Kompetenzen (Ketanestgabe) eine Kooperation mit uns (bzw. hat sich von unserem System einige Dinge angeschaut und selbst in ähnlicher Form umgesetzt).

Weshalb sollte der Notarzt abgeschafft werden?

Wir haben in Deutschland mit Notarzt und Notfallsanitäter ein System, welches sehr gut ausgebaut werden könnte. Rettungsdienst ist Teamarbeit, weshalb sollten wir den Notarzt abschaffen. Im Gegenteil, die Ausbildung der Notärzte sollte ausgebaut werden (Facharzt für Notfallmedizin), damit diese vermehrt die Supervision und die Aus- und Weiterbildung der Notfallsanitäter vorantreiben können.

Der Notarzt kommt bei uns beispielsweise zur spezifischen Rhythmustherapie (instabile Tachycardie und instabile Bradycardie), zur Einleitung der Narkose, zur Kreislaufstabilisierung bsp. mit Katecholaminen, zur Triage beim MANV und zur Thoraxdrainage zum Einsatz. Er wird je nach Meldung bereits mitalarmiert, begleitet und versorgt jedoch immer weniger selbst (Supervisorfunktion). Selbstverständlich können alle Notfallsanitäter jederzeit einen Notarzt nachfordern (auch zur Unterstützung, zur Tragehilfe etc.). Es ist jedoch wichtig, dass bereits primär die bestmögliche Versorgung der Notfallpatienten gewährleistet werden kann. Dazu werden dem Notfallsanitäter in unserem Rettungsdienst ein umfangreicher Werkzeugkasten zur Verfügung gestellt.
15.12.2016, 15:54 Uhr von Karsten
@Martin

Du hast jetzt nicht allen Ernstes geschrieben, dass der Notarzt zur Tragehilfe nachgefordert werden kann, oder?

Jung, you made my day! :-D
15.12.2016, 16:21 Uhr von Martin
@Karsten: Genau das meine ich damit, dass Rettungsdienst Teamarbeit bedeutet. Weshalb soll ein Notarzt nicht auch einmal helfen zu schleppen? Wenn wir einen immobilisierten Patienten nach Sturz auf dem Spine Board (inkl. Monitor und Sauerstoff) aus dem dritten Stock runterschleppen, weil eine DLK Rettung nicht möglich ist. Dann ist dies zu zweit nur schwer zu bewerkstelligen. Weshalb sollte ein Notarzt dann nicht auch einmal mit anpacken? Bei uns kommt öfters das NEF mit Blaulicht zur Tragehilfe. Natürlich kommen aber auch Feuerwehr und Polizei zum Tragehilfe Einsatz.
15.12.2016, 16:41 Uhr von Karsten
@Martin

Du schreibst das aber jetzt nicht alles nach dem fünften Lumumba vor dem Glühweinstand, oder?
16.12.2016, 04:21 Uhr von Thorsten
@Martin
Wow, in Hessen läuft's ja offensichtlich richtig gut.
In welchem Landreis seid ihr Hyperretter und euer -nach Anästhesie-Facharztstandard prüfender- ÄLRD zuhause ?
Ich freue mich auf die Gesichter der NEF Besatzung wenn ich sie mal als Tragehilfe nachfordern darf. Klasse AVO und Leitstellenlogistik bei euch :-)
Ich hoffe mit Karsten dass deine Geschichten eng mit Glühwein oder Lumumba zusammenhängen.
Ansonsten machen mir deine überheblichen Aussagen echt Sorgen .....
Und zur NFS EP ... auch in Hessen entspricht sie nicht der Vollprüfung. Das ist schön gesetzlich gar nicht so vorgesehen.
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