S+K Verlag
Der einzige Fachverlag für
Notfallmedizin in Deutschland.
Bücher, Zeitschriften und Nachrichten
rund um das Thema Rettungsdienst.

Wie gut ist der Rettungsdienst in Baden-Württemberg?

08.09.2014, 09:28 Uhr

Foto: R. Schnelle

Stelle zur trägerübergreifenden Qualitätssicherung legt Jahresbericht 2013 vor

Der Klärung dieser Frage hat sich die 2011 eingerichtete „Stelle zur trägerübergreifenden Qualitätssicherung im Rettungsdienst in Baden-Württemberg“ (SQRD-BW) verschrieben, die nun ihren Jahresbericht für 2013 vorgelegt hat. Im Mittelpunkt der Arbeit stand im vergangenen Jahr die Schaffung einer Grundlage für eine vergleichende, externe Qualitätssicherung im Rettungsdienst des südwestlichen Bundeslandes – eine Aufgabe, die sich 2014 fortsetzte. Mittlerweile seien 24 sogenannter Qualitätsindikatoren entwickelt worden, die für eine qualitätsorientierte Auswertung notwendig sind, heißt es in dem Bericht.

Genau unter die Lupe genommen wurden 2013 die Indikatoren „Ausrückezeit“, „Fahrzeit“ und „Nachforderung des Notarztes“. Beim viel diskutierten Thema Hilfsfrist stützt sich der Bericht im Wesentlichen auf die bereits vom Innenministerium in Stuttgart veröffentlichten Zahlen. Insgesamt absolvierte der Rettungsdienst in Baden-Württemberg – Luftrettung nicht mit eingerechnet – 1,9 Mio. Einsätze im Jahr 2013 und versorgte dabei mehr als 130.000 Patienten. Im nächsten Jahr soll das Qualitätssicherungssystem noch differenzierter werden, denn zum 1. Januar 2015 wird eine neue Software-Spezifikation in den Leitstellen die direkte Verknüpfung von RTW-Einsätzen, bei denen ein Notarzt nachgefordert wurde, von anderen Arzteinsätzen möglich machen. Neue, „noch nicht absehbare“ Erkenntnisse erwartet die SQRD-BW in der Zukunft auch vom künftigen Berufsbild Notfallsanitäter. (POG)

Ausführlich berichten wir über den Qualitätsbericht in der nächsten RETTUNGDIENST.

Kommentare

« 1 2 3 4  ... »
08.09.2014, 15:45 Uhr von Christoph
Also wenn es nur auf die Schnelligkeit ankommt, sagt der Bericht in meinen Augen nichts über die Qualität des Rettungsdienstes in Ba-Wü aus. Wenn die NA-Nachforderungen erfasst werden, sollte im Gegenzug auch erfasst werden, wie oft der Notarzt unnötig alarmiert wird.
08.09.2014, 16:02 Uhr von Jonas
"Schwachstellen des Rettungsdienstes - Der Frust mit den Fristen" titelte kürzlich die Stuttgarter Zeitung - und trifft damit den Nagel auf den Kopf: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schwachstellen-des-rettungswesens-der-frust-mit-den-fristen.2a6ceafd-adf2-4beb-95fa-8aa42ce126b5.html

Kürzere Eintreffzeiten sind das eine, gute medizinische Versorgung das andere!
08.09.2014, 19:49 Uhr von E
Es kommt nicht nur auf die Schnelligkeit an? Aber sie kann entscheidend sein. Und natürlich bringt es nichts, wenn der RTW da ist und die Besatzung nicht wirklich helfen kann, da ja immer wieder die Fahrzeuge nicht nach dem RD-Gesetz besetzt werden. Dies ist ja mittlerweile ein Hobby bei dem Lobbyisten im Ländle. Irgendjemand auf den RTW setzen, egal wen. Der Laie erkennt ja nicht, ob professionell geholfen wird oder nicht. Hauptsache ein Fahrzeug mit Blaulicht steht vor der Tür. Es werden immer wieder irgendwelche Gutachten erstellt und irgendwelche, ich nenn sie Arbeitskreise, gebildet, um den Rettungsdienst im Ländle zu verbessern. Dabei weiß man doch längst, an was es liegt. An der Unterfinanzierung und Sturheit der Kostenträger und, es ist unser Feuer, der HiOrg. Und die Politik, die die Macht hat, bessere Qualität durchzusetzen, traut sich nicht wirklich an die Sache heran. Es ist ein Teufelskreis. Ich glaube, es wird sich nie wirklich etwas entscheidend verbessern, weil man es gar nicht will. Da hilft auch kein NFS.
09.09.2014, 15:43 Uhr von mark
In den mir bekannten RD-Bereichen in BW möchte man nicht wirklich, dass einem was passiert. Der RTW ist besetzt mit RettAss + X. Zur Erfüllung des X-Faktors genügt in der Regel die Kompetenz (großer) Führerschein. Der RettAss gerne mit RettSan-Gehalt und Nebenjob, damit er seine Familie ernähren kann. Sollte mal jemand die Frechheit besitzen krank zu werden, ist das auch nicht weiter schlimm, irgendeiner, der tagsüber seinem normalen Job nachgeht, findet sich schon für die Nachtschicht. Ein gutes Blaulicht-Auto wiegt gerne die Übermüdung auf.
09.09.2014, 16:43 Uhr von christiane
Ich kämpfe seit 2009 um die Aufklärung eines komplett misslungenen Notfalleinsatzes. Drei Anrufe bis ein Notarzt geschickt wurde; Einlieferung in eine Klinik, die die stationäre Aufnahme vorab abgewiesen hatte; eine manipulierte Kopie der Krankenakte; eine Leitstelle, die bis heute auf meine Beschwerde nicht reagiert hat; ein Ermittlungsverfahren, in dem nicht ermittelt wurde, die Bandaufzeichnungen nicht abgehört wurden, Zeugen nicht befragt wurden; ein Schreiben, das auf dem internen Weg vom Staatsministerium Stuttgart zum Innenministerium spurlos verschwunden ist; Politiker, die auf die Gewaltenteilung verweisen; ein zweites Ermittlungsverfahren, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit einem Strafbefehl eingestellt wurde; eine Ermittlungsakte die manipuliert wurde. Da stirbt ein Mensch und keiner hat ein Interesse, die Vorfälle aufzuklären – keiner hat ein Interesse, an diesen Zuständen etwas zu ändern. Fünf Jahre ändert sich nichts. Das Bundesverfassungsgericht befasst sich gerade mit der Angelegenheit. Nach allen Berichten, die ich immer wieder lesen muss, habe ich keine Hoffnung, dass es doch noch Verantwortliche gibt, die verantwortlich handeln.
10.09.2014, 14:15 Uhr von Sepp
@Christiane: Ich kenne die Verhältnisse in BW sehr gut und kann daher nicht mal mehr den Kopf schütteln. Ist Bayern schon schlimm, aber BW ist noch um einiges korrupter, hier ist die Verzahnung Politik und DRK besonders eng, da das DRK der absolute Monopolist ist und die anderen 3 Organisationen nicht viel zu melden haben.

Ich, als steter Bekämpfer meiner Lieblinge, die Liegemietwagen, habe im Januar 2012 eine Anzeige gegen den BRK-KV Bad Tölz gemacht bei der Polizei und der Genehmigungsbehörde, weil mein Vater am 19. Dezember 2012 von der Asklepios-Klinik Tölz mit einem Liegemietwagen (1-Mann-Besatzung) ins Altenheim gefahren wurde. Mein Vater hatte eine mittelschwere Demenz und war in der Tölzer Klinik wegen Krebs operiert worden und konnte weder selbst auf die Trage steigen, noch war er sonst mobil und ist eine Woche nach dem Transport gestorben. Dieser Transport war ein 100% Krankentransport mit Mietwagen.
Nachdem der Landrat Vorsitzender des BRK war/ist, ist die ganze Anzeige im "Sande" verlaufen und das BRK fährt munter weiter liegende Patienten mit einer 1-Mann/Frau-Besatzung, weil man ja über jedem und allem steht.

Die Zeit ist schon seit Jahren reif, das Rote Plus in die Schranken zu weisen, auch in Österreich, aber das wird nicht geschehen, weil in der BRD die politische Korruption so weit fortgeschritten ist, dass nur mehr diverse Beteiligte auf ihre Vorteile schauen.

Es geht nicht um Demokratie und Menschlichkeit, sondern um die Macht und die Kohle.

Gruß aus Bayern
Sepp
10.09.2014, 15:12 Uhr von Achim
@Christiane+ Sepp
Die geschilderten Fälle und die jüngsten Vorgänge im Ländle können einem schon irgendwie Angst machen. Das mutet mir schon irgendwie nach Sekte an, oder? Also man könnte schon auf die Idee kommen, dass da einiges mehr dahinter steckt als rein Amigo-Wirtschaft. Dass die CDU über die Jahrzehnte im Ländle mit dem DRK innig verbandelt war, schon schlimm genug, aber dass das jetzt unter Grün-Rot nahezu genauso weitergeht? Also ich kriege da Gänsehaut, ganz ehrlich. Und das Schlimme ist, es gibt nahezu keinen nachhaltigen investigativen Journalismus von unabhängigen Medien in diese Richtung. Ich habe schon öfters das Gefühl gehabt, wenn eine Zeitung oder eine Fernsehsendung sich mit dem Thema beschäftigt, wird gerne der „Stift“ im ersten oder zweiten Lehrjahr damit beauftragt. So schlecht sind meistens die Berichterstattungen. Ausnahme der SWR-Beitrag vor Kurzem. Da hat man zumindest mal ansatzweise versucht, hinter die Kulissen zu blicken.
@Christiane speziell zu deinem Fall möchte ich hier diese Vorgänge aus dem Jahr 2010 in Stuttgart nochmals in Erinnerung bringen:
„Anzeige gegen das DRK-Hilfsfristen beschäftigen Staatsanwaltschaft“ vom 19.02.2010 © Eßlinger Zeitung:
http://www.esslinger-zeitung.de/lokal/stuttgart/stuttgart/Artikel522604.cfm
und „Kein Verfahren gegen DRK“ vom Artikel vom 01.03.2010 © Eßlinger Zeitung:
http://www.cannstatter-zeitung.de/lokal/stuttgart/stuttgart/Artikel526087.cfm

Also innerhalb von gerade mal ca. zwei Wochen war für die Staatsanwaltschaft seinerzeit der Fall erledigt ...
Zumindest scheint es so, als ob die Politik anschließend im Jahr 2011 die SQRBW aufgrund solcher Vorgänge installiert hat.
11.09.2014, 11:45 Uhr von E
@Achim: Das hört sich nach Sekte an. Vielleicht könnte man auch Mafia dazu sagen? Wenn in einem Kreis oder in der Stadt Fahrzeuge fehlen, wird von dem Lobbyisten, wir alle wissen wer das ist, mit allen Mitteln verhindert, dass andere HiOrg aushelfen können und Fahrzeuge bereitstellen, oder mit in den Bedarfsplan kommen. Egal, ob man rechtzeitig zum Notfallpat. kommt. Oder welches Personal die Fahrzeuge besetzt, somit gegen Gesetze verstößt, also Personal, das im Zweifel dem Patienten nicht wirklich helfen kann, da sie nicht die nötige Ausbildung, die vom Land vorgegeben werden, haben. Es geht um Macht und Geld. Dies passiert z.B. regelmäßig bei der Spitzenlastabdeckung, die ständig vorkommen. Hier nimmt man sich das Recht, Gesetze nicht mehr einhalten zu müssen und dem Patienten eventuell sogar zu schädigen. Wenn dann was nicht rund läuft, wird es unter den Tisch gekehrt. Das Gesetz macht aber eigentlich keine Ausnahme.
Die Menschen im Land erwarten, dass ihnen schnell und professionell geholfen wird. Und zwar immer, zu jeder Zeit. Außerdem geht es auch um Arbeitsplätze der RD-Mitarbeiter.
Viele wissen es. Man kann nur hoffen, dass die Menschen, die dies bemängeln, den Kopf nicht in den Sand stecken und nicht aufgeben, um zu versuchen, das der RD im Ländle besser wird.
Sepp: Gilt natürlich auch für Bayern.
Schreibt jeden Tag an das Innenministerium als oberste Aufsichtsbehörde und beschwert Euch. An Zeitungen, vor allem in dem Kreis, wo solche Missstände auftreten. An den SWR, hier gab es in letzter Zeit mehrere Berichte (Zur Sache BW oder Betrifft). Denn nur wenn die Bevölkerung ständig informiert wird, wird sich vielleicht etwas ändern. Prangert den Landkreis und Landrat, die HiOrg immer wieder in der Öffentlichkeit an. Meldet es der Bürgerinitiative Rettungsdienst-Joachim Spohn. Diese hat zumindest schon einiges, gerade in Stuttgart, erreicht. Die haben vielleicht Beziehungen und können Euch helfen. Ja, vielleicht bin ich ein Träumer, aber auch ein Kämpfer. Es muss doch möglich sein, dass es besser wird. Es geht um unser aller Gesundheit und Leben. Der Notfallpatient, auch ich, will versorgt werden, egal von welcher Firma. Hauptsache schnell und richtig.
Und das rund um die Uhr.
11.09.2014, 14:55 Uhr von christiane
@Achim, Sepp, E: Ich hatte mehrmals die regionale Presse informiert - ohne Erfolg. Wochen später war ein Bericht mit Bild in der Zeitung. Der von mir kontaktierte Journalist moderierte die Auftaktveranstaltung des DRK. Dieser Zeitung traue ich nicht mehr. Meine Anzeige gegen die Verantwortlichen der Leitstelle - ohne Erfolg. Die Leitstelle hätte erkennen müssen, daß man bei der Disposition "Atemnot" Hilfe unterläßt,wenn man nur einen Rettungswagen ohne Blaulicht schickt. Warum wohl hat sich die Leitstelle bei mir bis heute nicht gemeldet? Warum gab es kein Disziplinarverfahren gegen den Disponenten? Nennt man soetwas nicht Strafvereitelung?

Im Präsidium des DRK sitzt ein Oberbürgermeister, Schatzmeister ist ein Anwalt, Justiziar ist ein Richter eines Amtsgerichts. Der Anwalt hat den Disponenten vertreten. Oder hat er etwa nur die Interessen des DRK vertreten? Die Einstellung nach §153a also mittels eines Deals hat allen geholfen, die bei der Aufklärung der Vorfälle versagt haben, einschließlich den von mir angezeigten Staatsanwälten. So funktioniert Vertuschung. Der damalige Landrat, der die Aufsicht sowohl über die Klinik als auch den Rettungsdienst inne hatte war zuvor im Aufsichtsrat des SWR. Ich bewundere den Mut des SWR "Notruf in Not" gesendet zu haben. Mein Beitrag dazu in dieser Dokumentation hatte nichts mit Mut zu tun, sondern ausschließlich mit tiefer Verzweiflung.

Ich weiß, daß die Mißstände andauern. Es ist unertäglich, daß niemand diesen Wahnsinn stoppt.Es geht um Menschenleben. "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit" Das Bundesverfassungsgericht hatte meine 1. Verfassungsbeschwerde abgewiesen - Rechtsweg nicht ausgeschöpft. Vielleicht klappt es ja jetzt, ein Jahr später. Wenn ich daran denke, wieviele Opfer es evtl. zwischenzeitlich gab, wird mir schlecht.
11.09.2014, 15:39 Uhr von E
@christiane: Weiter kämpfen! Geben Sie nicht auf, das ist es, was die Gegenseite will.

Viel zu lange wurde dieser Sumpf gedeckt. Ja, es wird nicht einfach und ist langwierig. Und trotzdem weiter kämpfen. Das ist die einzige Chance, die die Bevölkerung hat. Und wenn tagtäglich negativ über den RD im Land berichtet wird, muss sich irgendwann was ändern. Notfalls über Austritte der Mitglieder. Es gibt vermutlich auch genügend Juristen, Journalisten, die die gewisse HiOrg nicht unterstützen.

P.S. Immer schön beim Innenminister beschweren und weiter an die Öffentlichkeit gehen. Von welchem Kreis oder Stadt sprechen Sie?
« 1 2 3 4  ... »
Kommentar hinzufügen
Benachrichtigen Sie mich, wenn es neue Kommentare gibt.
Sicherheitsabfrage: 7 + 8 = 

Felder, die mit einem * gekennzeichnet sind, sind Pflichtfelder.

zum Seitenanfang
KontaktRSS
Stumpf + Kossendey Verlag, 2017
Impressum