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Wird die Hilfsfrist in Göppingen eingehalten?

14.05.2012, 10:16 Uhr

Foto: M. Schneider/Malteser

Malteser fordern stärkere Beteiligung

Die Statistik der Hilfsfristen im baden-württembergischen Kreis Göppingen beweist nach Ansicht des Malteser Hilfsdienstes (MHD), die Notwendigkeit, den MHD stärker am Rettungsdienst zu beteiligen. Nach Ansicht der Malteser verlangt vor allem die Situation im Unteren Filstal nach einer Neuorganisation des Rettungsdienstes. Das DRK sieht hingegen nur einen geringen Handlungsbedarf. Konkret geht es dabei um die Besetzung der Rettungswache in Uhingen, die montags bis donnerstags von 7 bis 23 Uhr in der Verantwortung der Malteser liegt. Außerhalb dieser Zeit ist das DRK zuständig, dessen nächste Wache bei der Klinik am Eichert angesiedelt ist. Zudem betreibt das DRK die Wachen in Süßen und Geislingen. 

Malteser-Chef Edmund Baur erklärte gegenüber der „Südwest Presse“, dass diese Regelung nicht mehr zeitgemäß sei, da die Zahl der Krankentransporte ständig zunehme und dadurch die Gefahr bestehe, dass die gesetzlichen vorgegebenen Hilfsfristen nicht mehr eingehalten werden könnten. DRK-Kreisgeschäftsführer Alexander Sparhuber widersprach dieser Auffassung: „Im Landkreis wird die gesetzliche Hilfsfrist zu 94,6% eingehalten.“ Damit liege man mit an der Spitze im Südwesten. Um die 94%-Marke pendelte die Einhaltung der Hilfsfristen im Bereich der Rettungswagen allerdings auch in den letzten beiden Jahren und lag damit immer knapp unter der gesetzlichen Forderung, dass der Rettungsdienst bei mindestens 95% aller Patienten binnen 10 Minuten einzutreffen hat. Der Blick auf die Statistik zeigt aber, dass es auch in ländlich strukturierten Gebieten durchaus schneller gehen kann. So lagen 2010 z.B. Biberach, der Bodensee-Kreis, Emmendingen und der Schwarzwald-Baar-Kreis deutlich vor Göppingen. Aktuell, so der MHD, schnitten nur 13 von 37 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg schlechter ab als Göppingen. Allein durch eine andere Besetzung der Uhinger Wache könne eine Verbesserung der Lage erreicht werden. (POG)

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Kommentare

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14.05.2012, 16:07 Uhr von Guido
Hier sieht man mal wieder, dass es nur ums liebe Geld geht. Auch wenn ich beim DRK arbeite, sollte man doch mal darüber nachdenken, dass es in unserem Beruf um Menschenleben geht.
14.05.2012, 18:13 Uhr von Sepp
1998 waren die Probleme schon da, aber auch die derzeitige Regierung hat Bammel, das DRK in die Schranken zu weisen. Was mag hier nur los sein, dass sich jeder scheut, gegen das von Hitlers Gnaden installierte DRK vorzugehen?
14.05.2012, 19:17 Uhr von Thorsten
Wenn im genannten Bereich die Hilfsfrist zu 94,6% eingehalten wird, dann mit Sicherheit nicht die 10-Minuten-Grenze, sondern die (Ausnahmespanne) von 15 (!) Minuten. DAS ist KEINE Glanzleistung und IMMER ein Grund zu handeln!
14.05.2012, 22:28 Uhr von Stefan
@Guido: Ich befürchte, dass es hierbei nicht um Geld geht, sondern lediglich bei wem die Deutungshoheit in diesem Bereich liegt. Leider gibt es beim Roten Plus in Ba-Wü noch einige Führungskräfte, die noch an den "alten Zeiten" festhalten wollen.
15.05.2012, 08:55 Uhr von Achim
Ich befürchte mittlerweile, dass sich ohne Druck von Außen in Ba.-Wü. nichts ändern wird. Wahrscheinlich muss es erst zu einer Ausschreibungspflicht von Dienstleistungskonzessionen kommen, damit einige aufwachen. Wie schon Sepp an anderer Stelle ausführte, müssen mutmaßlich erst einige Private an Boden gewinnen, dass sich was ändert.

Als Arbeitnehmer habe ich natürlich auch Bammel, dabei unter die Räder zu kommen. Aber das, was sich hierzulande abspielt, ist kein Zustand mehr!
15.05.2012, 11:29 Uhr von Peter
Lieber Sepp,

auch wenn es manchen gefallen würde, aber gab und gibt kein von "Hitlers Gnaden installiertes" Rotes Kreuz. Das Rote Kreuz war schon lange vor 1933 da und wurde als Massenorganisation, die den Nazis für ihre Rüstungspläne und wegen seiner Größenordnung natürlich nicht gleichgültig sein konnte, selbstverständlich gleichgeschaltet. Dies gilt aber im selben Maße für die DLRG, den THW-Vorläufer TeNo und die Feuerwehren, die 1936 in Himmlers Polizeiapparat eingegliedert wurden. Auch der Krankentransporterlass von 1943 diente nachweislich nicht dazu, dem DRK größeres Kampfgewicht zu verleihen, sondern war eine den Anforderungen des Bombenkrieges geschuldete Idee von Hitlers "Leibarzt" Dr. Karl Brandt als Sonderbeauftragtem für den Sanitätsdienst. In seinen Augen machte es der Bombenkrieg nötig, alle RD- und KTP-Kapazitäten einer zentralen Stelle zuzuordnen. Da es das DRK bereits gab, schien ihm dies der günstigste Weg zu sein. Quellen aus dieser Zeit belegen ganz klar, dass man beim DRK wenig begeistert über diesen Schritt war, da die Ressourcen für ein solches Eingliederungsunternehmen (rund 1.100 Betriebs-, öffentliche und private Rettungsdienste) gar nicht mehr vorhanden waren.

Da ich in den Deinen Augen ein alter "Rotkreuz-Propagandist" bin, glaubst Du mir das jetzt wahrscheinlich nicht, aber lies es wenigstens einmal vorbehaltlos!

In alter Münchener Verbundenheit,
Peter
15.05.2012, 13:01 Uhr von Christoph
Guckt mal auf die Gehaltsliste des Vorstandes des DRK. Da stehen alle Politiker drauf, die was zu sagen haben. Und dann wird erstmal gefeiert, dann gefeiert und dann gefeiert. Ach ja und das Gehalt der Mitarbeiter gekürzt, damit man weiter feiern kann.

Sepp hat recht. In der NS-Zeit hieß die Feuerwehr nämlich Feuerlöschpolizei.
15.05.2012, 13:49 Uhr von Tscho
Zunächst einmal, liebe Redaktion: Die angegebenen Zeiten stimmen nicht. Die MHD-Rettungswache Uhingen ist nicht wie geschrieben Mo. bis Do. von 7-23 Uhr besetzt, sondern Mo. bis Do. von 15-23 Uhr und Fr. bis So. von 7-23 Uhr.

Die berechtigte Forderung des MHD, die Vorhaltezeiten zu erhöhen, mit einer Diskussion über einen Zusammenhang zw. DRK und Nazi-Deutschland zu führen, halte ich - sehr höflich ausgedrückt - für wenig zielführend. Was ist los, gehen die Argumente aus? Woher kommt eigentlich die unter einigen Rettern verbreitete Ansicht, dass Private und eine Ausschreibungspflich die ultimativen Heilsbringer sind?

http://www.swp.de/goeppingen/lokales/goeppingen/SO-ISTS-RICHTIG;art5583,1462551

http://www.swp.de/geislingen/lokales/geislingen/Rettungsdienst-schafft-Vorgaben-nicht;art5573,1459427
15.05.2012, 17:23 Uhr von Stefan
@Peter: Kleine Korrektur Deiner Geschichtsstunde: Die größte im zivilen Bereich tätige Sanitätsorganisation bis 1933 war der Arbeiter-Samariter-Bund. Das DRK war schon von der Gründung an als quasi paramilitärische Organisation strukturiert und diente der Vorbereitung des Krieges zu Friedenszeiten. 1933 wurde der ASB verboten, das komplette Vermögen beschlagnahmt und dem DRK übergeben. Demnach wurde der ASB mit dem DRK gleichgeschaltet und nicht das DRK!

Bei uns auf der Wache hing lange Zeit eine Urkunde, auf der namentlich Damen gelistet waren, die in meiner Heimatstadt in den 20er Jahren einen Kurs bei der Sanitäskolonne vom Roten Kreuz absolviert hatten: "Zur Pflege im Felde verwundeter Krieger." Auch meine Großmutter war Ende der 20er Jahre mit dem einzigen durch den ASB betriebenen Sanitätskraftwagen nach einem Arbeitsunfall ins Krankenhaus gebracht worden. DRK? Fehlanzeige!

Dies wurde meist erst nach 1933 durch die von Samariter in "freiwillige" Sanitätskolonnen umgenannten Einheiten aktiv. Das dürfte zwar je nach Region unterschiedlich ausgeprägt gewesen sein, aber für einen überwiegenden Teil Deutschlands (das andere Wort mag ich nicht benutzen) traf dies zu.

Leider haben die amerikanischen Besatzungstruppen es in Baden-Württemberg und auch anderswo nach 1945 versäumt, hier wieder föderale Strukturen herzustellen. Abgesehen davon funktionierte das aufgebaute System ja wirklich gut, so dass es auch für die Amerikaner nur ein zusätzlicher Aufwand gewesen wäre, hier Neues zu versuchen. Aber Schwamm drüber, was war ist vorbei.

Die Frage, die sich jetzt stellt, ist, wie man die momentane Schieflage im RD-System Ba-Wü einigermaßen in den Griff bekommt. Und da über 90% des Rettungsdienstes vom DRK organisiert wird, muss man auch hier als erstes ansetzen.
16.05.2012, 13:21 Uhr von E.
Für die Einhaltung der Hilfsfristen sind die ausführenden HiOrg bzw. der Berreichsausschuss verantwortlich. Werden diese nicht eingehalten, hat das Innenministerium von Ba-Wü dafür zu sorgen, dass dies geschieht. Genauso wenn Fahrzeuge nicht nach dem Gesetz besetzt werden. Also immer schön Anzeigen an das Ministerium schicken (die Häufigkeit macht's), dann wird sich auch was ändern. Ach ja, die Öffentlichkeit nicht vergessen.
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