Die Statistik der Hilfsfristen im baden-württembergischen Kreis Göppingen beweist nach Ansicht des Malteser Hilfsdienstes (MHD), die Notwendigkeit, den MHD stärker am Rettungsdienst zu beteiligen. Nach Ansicht der Malteser verlangt vor allem die Situation im Unteren Filstal nach einer Neuorganisation des Rettungsdienstes. Das DRK sieht hingegen nur einen geringen Handlungsbedarf. Konkret geht es dabei um die Besetzung der Rettungswache in Uhingen, die montags bis donnerstags von 7 bis 23 Uhr in der Verantwortung der Malteser liegt. Außerhalb dieser Zeit ist das DRK zuständig, dessen nächste Wache bei der Klinik am Eichert angesiedelt ist. Zudem betreibt das DRK die Wachen in Süßen und Geislingen.
Malteser-Chef Edmund Baur erklärte gegenüber der „Südwest Presse“, dass diese Regelung nicht mehr zeitgemäß sei, da die Zahl der Krankentransporte ständig zunehme und dadurch die Gefahr bestehe, dass die gesetzlichen vorgegebenen Hilfsfristen nicht mehr eingehalten werden könnten. DRK-Kreisgeschäftsführer Alexander Sparhuber widersprach dieser Auffassung: „Im Landkreis wird die gesetzliche Hilfsfrist zu 94,6% eingehalten.“ Damit liege man mit an der Spitze im Südwesten. Um die 94%-Marke pendelte die Einhaltung der Hilfsfristen im Bereich der Rettungswagen allerdings auch in den letzten beiden Jahren und lag damit immer knapp unter der gesetzlichen Forderung, dass der Rettungsdienst bei mindestens 95% aller Patienten binnen 10 Minuten einzutreffen hat. Der Blick auf die Statistik zeigt aber, dass es auch in ländlich strukturierten Gebieten durchaus schneller gehen kann. So lagen 2010 z.B. Biberach, der Bodensee-Kreis, Emmendingen und der Schwarzwald-Baar-Kreis deutlich vor Göppingen. Aktuell, so der MHD, schnitten nur 13 von 37 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg schlechter ab als Göppingen. Allein durch eine andere Besetzung der Uhinger Wache könne eine Verbesserung der Lage erreicht werden. (POG)


Kommentare
Als Arbeitnehmer habe ich natürlich auch Bammel, dabei unter die Räder zu kommen. Aber das, was sich hierzulande abspielt, ist kein Zustand mehr!
auch wenn es manchen gefallen würde, aber gab und gibt kein von "Hitlers Gnaden installiertes" Rotes Kreuz. Das Rote Kreuz war schon lange vor 1933 da und wurde als Massenorganisation, die den Nazis für ihre Rüstungspläne und wegen seiner Größenordnung natürlich nicht gleichgültig sein konnte, selbstverständlich gleichgeschaltet. Dies gilt aber im selben Maße für die DLRG, den THW-Vorläufer TeNo und die Feuerwehren, die 1936 in Himmlers Polizeiapparat eingegliedert wurden. Auch der Krankentransporterlass von 1943 diente nachweislich nicht dazu, dem DRK größeres Kampfgewicht zu verleihen, sondern war eine den Anforderungen des Bombenkrieges geschuldete Idee von Hitlers "Leibarzt" Dr. Karl Brandt als Sonderbeauftragtem für den Sanitätsdienst. In seinen Augen machte es der Bombenkrieg nötig, alle RD- und KTP-Kapazitäten einer zentralen Stelle zuzuordnen. Da es das DRK bereits gab, schien ihm dies der günstigste Weg zu sein. Quellen aus dieser Zeit belegen ganz klar, dass man beim DRK wenig begeistert über diesen Schritt war, da die Ressourcen für ein solches Eingliederungsunternehmen (rund 1.100 Betriebs-, öffentliche und private Rettungsdienste) gar nicht mehr vorhanden waren.
Da ich in den Deinen Augen ein alter "Rotkreuz-Propagandist" bin, glaubst Du mir das jetzt wahrscheinlich nicht, aber lies es wenigstens einmal vorbehaltlos!
In alter Münchener Verbundenheit,
Peter
Sepp hat recht. In der NS-Zeit hieß die Feuerwehr nämlich Feuerlöschpolizei.
Die berechtigte Forderung des MHD, die Vorhaltezeiten zu erhöhen, mit einer Diskussion über einen Zusammenhang zw. DRK und Nazi-Deutschland zu führen, halte ich - sehr höflich ausgedrückt - für wenig zielführend. Was ist los, gehen die Argumente aus? Woher kommt eigentlich die unter einigen Rettern verbreitete Ansicht, dass Private und eine Ausschreibungspflich die ultimativen Heilsbringer sind?
http://www.swp.de/goeppingen/lokales/goeppingen/SO-ISTS-RICHTIG;art5583,1462551
http://www.swp.de/geislingen/lokales/geislingen/Rettungsdienst-schafft-Vorgaben-nicht;art5573,1459427
Bei uns auf der Wache hing lange Zeit eine Urkunde, auf der namentlich Damen gelistet waren, die in meiner Heimatstadt in den 20er Jahren einen Kurs bei der Sanitäskolonne vom Roten Kreuz absolviert hatten: "Zur Pflege im Felde verwundeter Krieger." Auch meine Großmutter war Ende der 20er Jahre mit dem einzigen durch den ASB betriebenen Sanitätskraftwagen nach einem Arbeitsunfall ins Krankenhaus gebracht worden. DRK? Fehlanzeige!
Dies wurde meist erst nach 1933 durch die von Samariter in "freiwillige" Sanitätskolonnen umgenannten Einheiten aktiv. Das dürfte zwar je nach Region unterschiedlich ausgeprägt gewesen sein, aber für einen überwiegenden Teil Deutschlands (das andere Wort mag ich nicht benutzen) traf dies zu.
Leider haben die amerikanischen Besatzungstruppen es in Baden-Württemberg und auch anderswo nach 1945 versäumt, hier wieder föderale Strukturen herzustellen. Abgesehen davon funktionierte das aufgebaute System ja wirklich gut, so dass es auch für die Amerikaner nur ein zusätzlicher Aufwand gewesen wäre, hier Neues zu versuchen. Aber Schwamm drüber, was war ist vorbei.
Die Frage, die sich jetzt stellt, ist, wie man die momentane Schieflage im RD-System Ba-Wü einigermaßen in den Griff bekommt. Und da über 90% des Rettungsdienstes vom DRK organisiert wird, muss man auch hier als erstes ansetzen.