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Woran krankt der deutsche Rettungsdienst?

14.01.2016, 09:14 Uhr

Foto: M. Schepers

TV-Tipp: 30-minütige ZDF-Dokumentation am Mittwoch

Am Mittwoch, dem 20. Januar 2016, zeigt das ZDF um 22.45 Uhr in der Reihe „ZDFzoom“ die 30-minütige Dokumentation „Woran krankt der deutsche Rettungsdienst?“ Es soll darin der Frage nachgegangen werden, „warum der deutsche Rettungsdienst im europäischen Vergleich so schlecht dasteht und wie man ihn reformieren müsste“, wie es in der Presseankündigung heißt. Und weiter: „Tausende Menschen sterben in Deutschland bei Notfällen, weil lebensrettende Hilfe zu spät am Einsatzort ist und Notärzte nicht ausreichend ausgebildet sind.“ Zu Wort kommen u.a. Dr. Klaus-Gerrit Gerdts, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Landkreis Cuxhaven („Es werden Menschen sterben, weil wir zu spät kommen“), und Dr. Andreas Bohn, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst der Stadt Münster („Es braucht ein ganzes Maßnahmenpaket“).

Verwiesen wird in der Sendung wieder auf das Vorbild Seattle, wo die Überlebensrate bei einem Herzstillstand bei 60% liege, während in Teilen Deutschlands nur 10% erreicht werden. Dies liege an speziell ausgebildeten Rettungsdienst-Mitarbeiter mit erweiterten Kompetenzen, Notfallfachärzten in Kliniken, kurzen Rettungsfristen und verpflichtenden Erste-Hilfe-Kursen für die Bevölkerung, auch schon für Schüler. Zudem fordere die Deutsche Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) auch bei uns u.a. eine bessere Ausbildung für Notärzte. 18 von 28 EU-Staaten hätten bereits einen eigenen Facharzt. „Scheitern in Deutschland lebensrettende Reformen am Festhalten der Ärzteschaft an einem veralteten System?“, fragt das ZDF.

Kommentare

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14.01.2016, 16:57 Uhr von Paul
Was nützen sehr gut ausgebildete Retter,
wenn sie mit Krankentransport (Luxustaxi) oder Verlegungen gebunden werden?
Nüscht, gar nüscht!
Merkste was?
15.01.2016, 17:45 Uhr von Peter
Warte doch erstmal die Sendung ab, lieber Paul, dann wissen wir mehr. Und dann sage ich dir auch gerne, was "sehr gut ausgebildete Retter" nützen, bestimmt mehr als "nüscht" - meint Pitter.
16.01.2016, 15:44 Uhr von E
Wo gibt es die sehr gut ausgebildeten Retter und wo kann man kaufen?
18.01.2016, 09:09 Uhr von Wouter
M.E krankt der der deutsche RD an
- der Tatsache, das es sich nicht um eine Hauptleistung im Sinne des SGB V handelt
- der Tatsache, das es lediglich als eine Transportleistung als Mittel zum Zweck gesehen wird, welche kulanterweise bei Bedarf definierte Massnahmen beinhaltet
- halbherziger Ausbildung des Personals
- der Einstiegsqualifikation des Personals
- damit einhergehenden unüberwindbaren Hürden im Hinblick auf eine Gleichstellung anderer Berufe im Gesundheitswesen
- "kleinstaatlichen" Strukturen
- engstirnigen und kleingeistigen Entscheidungsträgern, Führungskräften und Vorgesetzen
- passivem und ebenfalls engstirnigem und kleingeistigem Personal
- Missbrauch der Einrichtung RD als ÄND Alternative
- schlechten Arbeitsrahmenbedingungen (Arbeitszeit, Arbeitsmittel, räumliche Bedingungen der Rettungswachen)
- relativ schlechter Bezahlung des Personals
- zuviel Heterogenität in seiner Ausprägung und Gestaltung
- dem Einfluss der tätigen Feuerwehren im RD
- der nicht abzuschüttelnden Ehrenamtsbürde
- mangelnden Alternativen im Fall der Einsatzdienstuntauglichkeit
- dem Einfluss der Ärzteschaft
- Weitblick in die Zukunft
- dem NotSanG Umsetzungsdrama

Die Aufzählung ist nicht abschliessend.
18.01.2016, 09:58 Uhr von Achim
@wouter

So ist es. Vollständige Auflistung.
18.01.2016, 10:09 Uhr von Wouter
es sollte heissen ............."fehlendem" Weitblick..................

Excuseert,Wouter
19.01.2016, 17:42 Uhr von Jupp
Ich möchte der Auflistung von @wouter auch nicht ansatzweise widersprechen. Und jetzt?
So lange der medizinische Sektor (außer niedergelassene oder Klinikärzte) so armselig organisiert ist, wird sich an den skizzierten Randbedingungen nichts, aber auch gar nichts ändern. Auch nicht in beruflich benachbarten Regionen wie Pflegedienst und Seniorenbetreuung.
Im föderalistischen Verwaltungsdschungel (vgl. Personal-und Ausbildungsdefizite bei Streifen- und Bereitschaftspolizisten) wurstelt jede politische oder exekutive Rolle vor sich hin, weil recht einfache Statements ausreichen um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Das notwendige Geld für Verbesserungen hat eine der immer noch reichsten Volkswirtshaften der Welt. Es kriegt nur jemand anderes.
Für einen gemeinwohlorientierten Ausgleich (bzw. Einschnitte anderswo) wäre eigentlich die Politikerkaste zuständig. Wenn überhaupt fordern einzelne Repräsentanten aber nur, und bleiben dabei stets zuversichtlich; wobei dieses sehr traurige Verhalten leider von der überwiegenden Bevölkerung (und potentiellen Hilfeersuchenden oder Notfallpatienten) akzeptiert wird.

Ohne eine mitgliederstarke Spartengewerkschaft, z.B. für den Rettungsdienst- und Krankentransport, mit dem Recht auf eigene Tarifvertragsgestaltung, einschließlich berufsfachlicher Interessenvertretung, wird das wohl vorerst nichts. Möglicherweise gegensätzliche Interessen (Ausbildung, Prüfung, Tarif, Fortbildung, uvm.) zwischen dem klinischen Pflegepersonal (die im Grunde ähnlich arm dran sind, bzw. von Klinikkonzernen ausgebeutet werden) und dem Rettungsdienstpersonal in Richtung einer Paramedic-Entwicklung, lassen sich nun mal substantiell nicht im Gleichschritt verbessern. Wer sich nicht multimedial permanent wehrt, erinnert, darauf hinweist; der agiert immer noch verkehrt!

Da helfen auch keine tätigkeitsspezifischen Untergruppierungen innerhalb größerer Verbandsstrukturen! Die dort legitim versammelten Sparten konkurrieren bei immer mehr Gesichtspunkten gegeneinander, mit zum Teil fragwürdigen Kompromissen nach innen, und einer sich daraus deutlich ergebenden Schlagkraftreduzierung nach außen.

Solange die kostensenkende Win-/Win-Situation zwischen kommunal zu organisierendem Rettungsdienst (nicht nur als extern finanzierte Personalreserve für Feuerwehrplanstellen, sowie Leitstellenumlagen) und den Krankenkassen (als zur Zahlung verpflichteter Kostenträger) besteht, werden kostenträchtige Veränderungen überschaubar bleiben.
Solange die Personalqualifikation indirekt von den Vorhalte- bzw. erstattungsfähigen Kosten geprägt werden, wie die intransparente Einhaltung der Hilfeleistungsfrist (mit mehreren Ebenen zum Schummeln), etc., stehen vollmundige Qualitätsversprechen nur in den lokalen Tageszeitungen!
20.01.2016, 08:57 Uhr von Klaus
Liebe Mitretter,

wenn es um die Überlebensrate beim Herzstillstand geht ("Verwiesen wird in der Sendung wieder auf das Vorbild Seattle, wo die Überlebensrate bei einem Herzstillstand bei 60% liege, während in Teilen Deutschlands nur 10% erreicht werden."), dann sollte meiner Einschätzung nach der Focus auf der Zeit vor dem Eintreffen des Rettungsdienst liegen. Ein bessere Gewerkschaft, bessere Notärzte, 3-jährig ausgebildetes Rettungsfachpersonal, mehr Kompetenzen für NotSan, .... wird nichts bringen, wenn 5 Minuten lang nichts gemacht wurde.
--> es gilt hier das therapiefreie Intervall bis zum Eintreffen der Profis zu verbessern.

Ein Baustein könnte folgendes Indtrument sein:

http://www.mobile-retter.de/

Gruß

Klaus
20.01.2016, 11:41 Uhr von Sascha
@Klaus: das Seattle eine ROSC Rate bei OHCA mit über 60 % in einem notarztfreien System (ups) erreicht, liegt nicht nur an dem therapiefreien Intervall und einer Pads on Patient Time von ca. 4 min, sondern an einem in sich sehr schlüssigen und hochqualitativer System. Das wird andauernd überprüft und angepasst aufgrund von Forschung durch jene Paramedics und durch intelligente Lösungen. Zahlen müssen dazu erhoben werden und supervision der Einsätze mit grundsätzlicher Qualitätsmessung und fest definierten KPIs sind Grundvoraussetzung dafür.
Nur jene App oder der Ersthelfer vor Ort wird das Ruder nicht rumreißen und daher ist Jupp und allen anderen Vorrednern nichts hinzu zufügen. Wir haben ein Systemproblem das von außen und innen krankt und uns fehlt die eigene Berufsvertretung die akademisch aufgestellt, die Möglichkeit und Mittel hat, Veränderungen zu entscheiden. Dieses ist leider durch viel zu viele Fragmente im deutschen RD unmöglich derzeit, das zu verändern.
20.01.2016, 12:10 Uhr von chris
Es ist wie immer - es wird nicht genau hingeschaut -
schauen wir uns doch mal die Seattlezahlen genau an.
Es werden nur Reanimationen mit cardialer Ursache, beobachtetem Herzkreislaufstillstand und initialem Kammerflimmern eingeschlossen.
Natürlich gibt es hier traumhafte Eintreffzeiten und optimal ausgebildetes Personal, aber was noch viel wichtiger ist - es gibt (sehr aufwendige) Laien HLW Programme.
Wenn ich mir meinen eigenen RD Bereich anschaue, scheitert es sich nicht am gut geschultem RD Personal - es gibt keine RTW Besatzung ohne regelmässige ACLS Zertifizierung.
An was es scheitert sind die Basismassnahmen der Laien und an den Eintreffzeiten - wenn wir nach 8 Minuten Fahrzeit und 2 Minuten Leitstellenzeit beim Patieten ankommen - und keiner Thoraxkompressionen gemacht hat - kann man die Rea eigentlich gleich sein lassen.
Wenn wir bei uns die Subgruppen der Reanimationen anschauen bei der suff. Laien HLW gelaufen ist schauen die Zahlen gar nicht so schlecht aus !
Da ist die Qualifikation im Rettungsdienst wahrscheinlich die kleinste Stellschraube mit der wir noch was erreichen können.
Ohne Laien HLW ist alles hinfällig - so viel RTW´s können wir gar nicht auf die Strasse bringen !
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