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Zwei Rettungsdienst-Suizide in Bautzen

30.06.2011

Foto: Archiv

Kollegen machen Arbeitsbedingungen verantwortlich

In Bischofswerda und Bautzen ist es zu Suiziden von zwei Rettungsdienst-Mitarbeitern in den vergangenen Wochen gekommen. Kollegen machen dafür laut einem Artikel der „Sächsischen Zeitung“ die Arbeitsbedingungen verantwortlich. „Im Rettungsdienst und im Krankentransportwesen gibt es erhebliche Missstände“, sagt ein Rettungsassistent, der anonym bleiben möchte. Es seien oft Überstunden zu leisten, die Bezahlung häufig schlecht. Unter den Kollegen gebe es viele, die alkohol- und medikamentenabhängig seien, um die Belastungen im Job auszuhalten. Zudem seien die Rettungswachen oft viel zu eng für die Belegschaft und „die Sanitäranlagen eine Katastrophe“, heißt es in dem Artikel.

Verantwortliche beim DRK und ASB, bei denen die beiden Rettungsdienstler gearbeitet haben, räumen ein, dass die Arbeit im Rettungsdienst nicht immer leicht sei und die gesetzlich geregelte Arbeitszeit von 48 Stunden pro Woche regelmäßig überschritten werde. Dies soll vor allem dann der Fall sein, wenn kurz vor Feierabend noch ein Einsatz gefahren werden müsse. Zu wenig psychologische Betreuung gebe es aber bei beiden Verbänden nicht. Das Angebot werde allerdings nur sehr selten angenommen. Der ASB-Kreisvorsitzende Rainer Scholze sagt, dass sich im Rettungswesen etwas ändern muss. Deshalb wolle man nun „Druck auf die Krankenkassen ausüben, um mehr Geld für Personal und Ausrüstung zu bekommen.“

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Kommentare

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30.06.2011, 16:11 Uhr von ist
Das ist eine elende Lüge, dass es nur mit den "Einsätzen, die kurz vor Feierabend gefahren werden müssen", zusammenhängt. Ich arbeite im Landkreis Bautzen und ich habe in meiner Regelzeit schon ca. 57 Wochenstunden. Einfach so, weil es die Firma erwartet und weil ich sonst keinen Job hätte.

Wenn ich meinen Stundenlohn ausrechne, komme ich sogar weit unterhalb der vom DGB geforderten 8,50 € die Stunde. Und das als Rettungsassistent. Aber das interressiert niemanden, da es nur ums Geld geht ... die gesundheitlichen Leiden mancher Kollegen waren auch irrelevant für den Chef ... Nein, auf "Außenwachen" werden die geschickt, die der Chef nicht leiden kann und die sonst Paroli bieten. Soviel mal dazu.
30.06.2011, 17:16 Uhr von Theodor
Psychologische Betreuung? Ja, kenne ich vom MHD. Gibt eine Telefonnummer, da kannste anrufen und mit irgendjemanden sprechen der dann zuhört. Oder nach Osnabrück oder Köln fahren und dann jemanden Treffen, aber bitte erst in 4-6 Wochen.
Das kann ich auf dem Parkplatz auch haben, kosten 30 Cent und die Parkuhr hört einem dann eine ganze Stunde zu.

Ich musste mir selbst jemanden Suchen mit dem ich sprechen konnte.

Die Arbeitsbedingungen kann ich auch bestätigen, zumindest die Stunden. Die Wachen gingen, bzw. einfache Schaumstoffmateratzen (Schaum aus Sitzpolstern, niedrigste Qualität), Sofa und sonstige Einrichtung von 1985 oder so, geht ja noch. Wenn ich nicht 50 und mehr Stunden die Woche dort verbringen würde, würde es auch noch gehen.

Ich hoffe die Kollegen haben keine Frau oder Kinder gehabt. Das ist auch unwahrscheinlich weil von dem miesen Gehalt kann man Kinder eigentlich nicht bezahlen.

Ich kann gar nicht soviel essen wie ich kotzen möchte.
30.06.2011, 18:19 Uhr von Wolfgang
Traurige Nachrichten! Kranke Notretter wird es quer durch alle Rettungsdienstbereiche geben. Leider schaffen es weder Berufsverbände, noch die einzelnen Mitarbeiter der Hilfsorganisationen, noch die, die so sehr auf eine Kommunalisierung drängen, dass endlich alle mal an einem Strang ziehen und dem System deutlich zu verstehen geben, dass es so nicht weiter gehen kann. Die Ärzteschaft hat es letztes Jahr vorgemacht. Was, die Herren Kohlmorgen, Ackermann und Co, die Sie doch angeblich die Interessen des RD-Personals vertreten, wird gemacht, um das System zu verändern? Rettungsdienst hat leider keine Lobby.

Und dann lassen es Tarifverträge auch noch zu, dass über opt-out-Regelungen bis zu 60 Std. in der Woche zulässig sein sollen? Da braucht man sich nicht wundern, wenn erst das System krankt und dann die einzelnen Mitarbeiter. Die Kassen sollten zudem in ihren Buchhaltungsunterlagen mal nachschauen, was sie ihren eignen Reinigungskräften monatlich bezahlen. Da würde manch ein Berufseinsteiger im RD neidisch werden, wenn er das mit seinem Lohnzettel vergleicht!

R.I.P. den Kollegen, die nicht stark genug waren, die Belastung durch zu halten!
30.06.2011, 19:11 Uhr von Sepp
Ja, dann wird es Zeit, dass den so genannten sozialen Wohlfahrtsverbänden der Garaus gemacht wird. Selbstmorde hat es auch in den 80er Jahren im RDB München gegeben. Es kommt halt darauf an, wie die Mitarbeiter drauf sind. Das DRK hat halt auch Leute eingestellt, die eben nicht für diese Arbeit geeignet sind, was aber nichts mit einer Suizidgefährdung zu tun hat. Es wird nur Zeit, dass richtige Firmen diese Aufgabe durchführen und nicht die Hilfsorganisationen, die von nichts eine Ahnung haben.
30.06.2011, 23:27 Uhr von Ingo
@ist: Es ist sehr nett von Dir, auch wenn Du klarer Fall anonym beiben willst, so schreibst ...

Aber das was bei Euch so schlimm erscheint, ist bei fast allen HiOrg Gang und Gebe, und es soll mal einer hier behaupten, dass das nicht der Fall sei und dem Artikel nach nur eine evtl. Ausnahme wäre, das wäre schlichtweg gelogen und/oder es ist ein Versuch, die Sachlage schön zu schreiben ... Ich habe bei allen HiOrg schon gearbeitet, auch in unterschiedlichen Bundesländern, aber wir haben uns den Job ausgesucht ... (heißt es dann fast immer)!

Wenn ich mal die Zeit revue passieren lasse, so vor ca. 8-10 Jahren, da habe ich für eine 48 Std. Woche noch so um die 2.800.- Brutto inkl. Zulagen etc.. im RD gehabt und wenn ich dies mit der jetzigen Zeit vergleiche , wo man in der Regel 52 und viel mehr Std. die Woche leistet bzw. leisten MUSS und nicht mal mehr über 2.200.- Brutto oder erheblich weniger kommt , dann kann ich die Kollegen schon verstehen das sie völlig ausgebrannt und fertig sind...

Es ist aber auch richtig , das kaum einer die Möglichkeit nutzt zum Psych Dr. oder internen Betriebsarzt oder Vertrauensarzt zu gehen , da man denkt das kommt raus und man steht dann als Schlapschw.... da oder das man nicht mehr in der Lage sei den Job zu machen...
Und dann hat man evtl. noch Familie , dann fällt man in ein Loch in dem man so leicht nicht wieder raus kommt...

Ich gebe nur den TIP und haltet dort zusammen , anstatt jemanden zu diskreditieren,

( Holt Euch Hilfe wenn es nicht mehr geht und habt keine Hemmungen, denn ich war auch mal so weit , Hilfe in Anschspruch nehmen zu müssen und das war sehr hilfreich und hat mir sehr geholfen ), sonst hätte ich den Job wohl nicht mehr ausüben können...

In diesem Sinne, haltet zusammen und gebt nicht auf !!!

Lg. aus dem Norden
01.07.2011, 00:04 Uhr von Falco
Um uns vom Rettungsdienst kümmert sich doch keiner. Werden von unseren vorgesetzten in Stich gelassen. Ich und meine Kollegen wurden vom Leiter Rettungswache als "faule Schweine" beschimpft. Bin über 20 Jahre als Rettungsassistent dabei. Und heute bin ich zu Hause, wegen schweren Depressionen und bin Suizid gefährdet. Wir hatten bis 2007 zum Teil 84 Stunden in der Woche gearbeitet. Manchmal träume ich, dass ich unseren Geschäftsführer ins Gesicht spucken würde. Ich hatte oft mit meinem Vorgesezten über das Thema Überarbeitung (Burnout) gesprochenen und gestritten. Beim Deutschen Berufsverband Rettungsdienst hatte ich das Thema angesprochenen. Man weiß um das Problem im Rettungsdienst. Ich kann nur sagen, meine Leben ist im Arsch. Und ich hoffe, dass sich irgendwann was ändert.
01.07.2011, 09:51 Uhr von Marcus
Ich hatte vor vielen Jahren mal einen längerfristigen Aushilfsjob bei der Müllabfuhr. Das waren klar geregelte Arbeitszeiten, angenehmes Arbeitsklima und eine körperliche Belastung, die doch unter der liegt, der man im RD ausgesetzt ist. Das Ganze dann für (umgerechnet) ~ 1400,- Euro (war damals echt viel!). Und den Alten, der wirklich zu alt war, um auf der Straße zu fahren, hat man bis zur Rente als Hofautorität weiter beschäftigt, damit er würdevoll ins Rentenalter übertreten kann.
01.07.2011, 10:09 Uhr von Jan
Moin,

Sepp, dieses Thema ist viel zu traurig um es mit Deinen altbekannten Phrasen zu belasten. Schweig doch einfach mal.

Die dort angedeuteten Umstände gibt es auch bei genügend Privaten. Solche Bedingungen sind in der Tat unanständig. Das sind sie allerdings, egal wo sie vorkommen und wer sie zu vertreten hat.

Kommunales Beleid nach Bautzen und Mitleid für Sepp, lass Dich doch bitte endlich mal behandeln.

Jan
01.07.2011, 11:08 Uhr von L.
Sehr traurig, dies hier zu lesen, aber leider kein Einzelfall. Ohne weiter auf die Diskussion einzugehen, sind meine Gedanken bei den verstorbenen Mitarbeitern, deren Familien, Freunde und Kollegen.

Mitarbeiter im Rettungsdienst bringen wie selbstverständilich viele, viele persönliche Opfer zur Erfüllung ihrer Aufgabe, aber soweit darf es nicht kommen. Die Gründe dafür möchte ich nicht weiter bewerten, aber hier ist die Spitze des Eisberges in einer endlosen Diskussion zu sehen! :-(
01.07.2011, 12:21 Uhr von Alexander
Ein Problem in diesem Zusammenhang ist sicher auch, dass hauptamtliches Personal an vielen Orten "zusätzlich" noch ehrenamtliche Dienste übernimmt - anfangs, weil viele Kollegen es geil finden, bei großen OpenAirs etc. "retten" zu können, später weils "ihre" HiOrg (angeblich) erwartet.

Wer als Hauptamtlicher zusätzlich ehrenamtliche Dienste macht, egal ob es Sanitätsdienst oder First Responder oder sonst was ist, der MACHT SICH UND DEN BERUF KAPUTT!
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