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Landkreis Oder-Spree kommunalisiert Rettungsdienst

05.03.2010, 13:57 Uhr

Foto: Archiv

Absage an DRK und Johanniter

Der Landkreis Oder-Spree in Brandenburg schreibt den Rettungsdienst künftig nicht mehr aus, sondern will eine eigene Tochtergesellschaft mit eigenem Personal gründen. Die zum Jahresende auslaufenden Verträge mit dem DRK Märkisch Oder-Spree und der Johanniter Unfallhilfe werden nicht verlängert. Seit 1990 haben die beiden Hilfsorganisationen die Dienstleistung mit rund 140 Mitarbeitern ausgeführt.

Mit der Kommunalisierung des Rettungsdienstes will sich die Verwaltung den Aufwand einer europaweiten Ausschreibung sparen. Die jetzigen Mitarbeiter des DRK und der Johanniter dürfen hoffen, vom Kreis neu eingestellt zu werden. Möglich ist aber auch, dass der Kreis einen Eigenbetrieb bildet. Hier kann allerdings kann kein billigerer Haustarif greifen. Sowohl die AG der Krankenkassen als auch das DRK Märkisch Oder-Spree haben sich in Briefen an den Landrat gegen die Kommunalisierung des Rettungsdienstes gewandt. Der Kreistag soll am 24. März die Kommunalisierung des Rettungsdienstes beschließen, in einer Sondersitzung soll dann über Eigenbetrieb oder eine Tochter-Gesellschaft entschieden werden.

Kommentare

05.03.2010, 16:33 Uhr von Calov
Man könnte es nur begrüßen, wenn es in Zukunft zu keiner Ausschreibung des Rettungsdienstes in den Landkreisen kommen würde. Denn jede Ausschreibung weckt eine gewisse Unsicherheit beim Rettungsdienstpersonal. Was kommt, wer kommt, wie geht es weiter, wenn ein fremder Bieter den Zuschlag bekommt würde? Alle fünf Jahre Unsicherheit, nein, danke.

Freddy Calov
Rettungssanitäter
Landkreis Spree-Neiße
09.03.2010, 09:49 Uhr von Tom
Ewigkeitslösungen machen träge und blind! Ich habe durchaus Verständnis für die Bedenken der Mitarbeiter im Rettungsdienst. Ausschreibungen sind aber ein adäquates Mittel, um eine regelmäßige Erneuerung der Dienstleistung durchzuführen. Ohne Ausschreibung gibt es keine Möglichkeit, den Rettungsdienst innovativ zu halten. Darunter verstehe ich das Verhindern von verkrusteten Strukturen und eine konsequente Anpassung an neue Situationen. Ich glaube, dass der Schlüssel einer Ausschreibung darin liegt, sie so aufzubereiten, dass kein bedingungsloser Betriebsübergang und somit die Übernahme von "Altlasten" gefordert wird.

Um gute Einsatzkräfte mache ich mir keine Sorge. Wer motiviert ist und gute Arbeit leistet, wird gerne übernommen, auch zu fairen Bedingungen. Ob der Landkreis Oder-Spree sich nicht auch bald einer Verkrustung und Altlasten gegenüber sieht, wird sich in ein paar Jahren zeigen, sollte man sich zur Komunalisierung entscheiden.
09.03.2010, 15:53 Uhr von Oliver
@Tom: Ja, das hört sich theoretisch glänzend an. Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre Ansichten mit ein bis zwei belegbaren Beispielen der Praxis abrunden würden.

Wie definieren Sie "fair"? Wenn eine Person eine andere Person angreift, diese beraubt, aber nicht tötet, ist das m.E. auch "fair". Wie definieren Sie motiviert und gute Arbeit? Im Sinne von "Ja" sagen? Es steht Ihnen frei, zu antworten!
11.03.2010, 10:49 Uhr von Tom
Sehr geehrter Oliver, ich beginne mit Teil zwei Ihrer Frage. Rettungsdienst ist eine med. Dienstleistung, die bezahlbar bleiben muss. In kaum einem anderen Gewerbe ist ein Funktionieren der Teamarbeit so wichtig. Eine gute Dienstleistung kann man nur durch Vertrauen und Integrität der Beteiligten erreichen. Wer sich zudem mit der Wirtschaftlichkeit (Kosten/Nutzen) seines Tätigkeitsbereiches auseinandersetzt und mit entsprechender Sozialkompetenz serviceorientiert arbeitet, der leistet nach meiner Ansicht hervorragende Arbeit.

Um eine solche Unternehmenskultur entstehen zu lassen, bedarf es allerdings qualifizierter Führungskräfte. Wie Sie wissen, stinkt der Fisch meist vom Kopfe her. Wer heute noch auf Ja-Sager setzt, der hat im Wettbewerb verloren. Fair ist für mich eine leistungsgerechte Vergütung - einer medizinischen Fachkraft angemessen. Zudem sozialversicherungsplfichtig zu angemessenen Arbeitsbedinugnen. Fair ist für mich auch, im Unternehmen an guten Kräften festzuhalten und deren Leistungen anzuerkennen. Sicher besteht durch Ausschreibung für den einzelnen Mitarbeiter die Gefahr eines Arbeitsstättenwechsels oder gar einen Wechsel des Arbeitgebers. Man muss sicher auch mal für sich selbst eine Entscheidung treffen. Darüber sollte man sich klar sein. Ich bin davon überzeugt, dass es bei Ausschreibungen weitaus mehr Einsparpotenzial gibt als nur bei den Personalkosten.
12.03.2010, 23:13 Uhr von Torsten
Ausschreibungen sind bestimmt für einen Wettbewerb richtig und wichtig, auch um den besagten verkrusteten Strukturen vorzubeugen. Vielleicht sollte dann der Betrieb von Krankenhäusern auch privatisiert und regelmäßig ausgeschrieben werden.

Ich finde es für die Beschäfigten im Rettungsdienst schon schwierig, regelmäßig nach 4 Jahren wieder um ihren Arbeitsplatz zu zittern. Bei so einem System haben diese keine Möglichkeit, mit einer gewissen Sicherheit ihre Zukunft zu planen. Können diese eine Wohnung kaufen, ein Haus bauen? Müssen die Mitarbeiter und ihre Familien nicht immer mit Umzügen rechnen? Haben sie eine Möglichkeit eine längere Betriebszugehörigkeit zu erlangen? Den Betrieb des Rettungsdienstes über die Kommune finde ich deshalb nicht schlecht.
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