S+K Verlag
Der einzige Fachverlag für
Notfallmedizin in Deutschland.
Bücher, Zeitschriften und Nachrichten
rund um das Thema Rettungsdienst.

ACN etabliert sich als wichtiges Instrument der Patientensteuerung in Niederösterreich

15.05.2026, 12:29 Uhr

C. Redelsteiner (Mitinitiator), C. Holzhacker (Bereichsleitung ACN), M. Schügerl (ACN), A. Hajji (Prospect Research & Solution), M. Antauer (Landesrat und NÖGUS-Vorsitzender), J. Schmoll, Christian Fohringer (beide Geschäftsführer Notruf Niederösterreich), N. Kordina (medizinische Leitung Notruf Niederösterreich) (Foto: Notruf Niederösterreich)

Evaluierung bestätigt hohe Wirksamkeit


In Niederösterreich hat sich das Projekt „Acute Community Nurse“ (ACN) innerhalb weniger Jahre zu einem zentralen Baustein der modernen Gesundheitsversorgung entwickelt. Das Modell werde nicht mehr als Pilotprojekt betrachtet, sondern als wichtiger Baustein der zukünftigen Versorgungsstruktur unter dem Dach von Notruf Niederösterreich in Verbindung mit dem Notruf und der Gesundheitsberatung 1450, betonte Landesrat Martin Antauer, Vorsitzender des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS). Eine aktuelle Evaluierung bestätigt die hohe Wirksamkeit des Modells sowie dessen positiven Beitrag zur Entlastung von Rettungsdiensten, Ambulanzen und Krankenhäusern.

Viele Patientinnen und Patienten benötigen rasche Hilfe, ohne akut gefährdet zu sein, hier setze die ACN an, erklärte Christian Fohringer, Geschäftsführer von Notruf Niederösterreich. Häufige Einsatzgründe seien leichtere Stürze, Kreislaufprobleme, Atemwegsbeschwerden, Infekte, Schmerzen oder medizinische Abklärungen. Gleichzeitig könnten die hochqualifizierten NotSan auch kritischere Fälle versorgen und dabei erweiterte Maßnahmen sowie Medikamentengaben – oft mit Unterstützung eines Telenotarztes – durchführen. Zusätzlich übernehme die ACN wichtige pflegerische Aufgaben wie Wund- und Medikamentenmanagement oder die Betreuung chronisch erkrankter Menschen.

Prospect Research & Solution hat die zweite Phase des ACN-Pilotprojektes extern wissenschaftlich evaluiert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die ACN das stationäre Gesundheitssystem spürbar entlastet: Rund 51% der Patientinnen und Patienten hätten nach dem Einsatz im häuslichen Umfeld verbleiben können. Der Großteil dieser Personen habe auch in den darauffolgenden Tagen nicht ins Krankenhaus aufgenommen werden müssen, betonte Senior Researcherin Assma Hajji von Prospect Research & Solution. Besonders häufig betraf dies ältere Menschen, die einen wesentlichen Anteil der ACN-Patientinnen und -Patienten ausmachten.

Die Einsatzdaten zeigten außerdem, dass das Interventionsaufkommen besonders an Wochenenden, Feiertagen und in Ferienzeiten steigt – also genau dann, wenn andere Gesundheitsdienste oft nur eingeschränkt verfügbar sind. Auch bei der gezielten Weiterleitung an passende Versorgungsangebote zeigt sich die Relevanz des Modells: 2024 wurde bei rund 27% der Einsätze ein konkreter Point of Care im niedergelassenen Bereich empfohlen, meist Hausärztinnen und Hausärzte.

Seit Projektstart im Jahr 2020 wurden rund 40.000 Interventionen durchgeführt. Allein im laufenden Jahr wurden die ACN-Teams von aktuell sechs Standorten mit sieben Einheiten bereits zu mehr als 4.500 Patientinnen und Patienten entsandt.

Besonders deutlich werde der Nutzen durch die Evaluierungsdaten der Jahre 2023 und 2024: Bei einer Auswertung von über 5.000 Interventionen hätten 2.900 Einsätze mit einer Versorgung zu Hause abgeschlossen werden können, während etwa 2.000 Hospitalisierungen notwendig gewesen wären. Zusätzlich zeige die Analyse, dass etwa 90% jener Patientinnen und Patienten, die zu Hause versorgt worden seien, auch in den Folgetagen keine stationäre Aufnahme benötigt hätten, führte Josef Schmoll, ebenfalls Geschäftsführer beim Notruf Niederösterreich, weiter aus. Die ACN habe sich damit zu einem wichtigen Instrument moderner Patientensteuerung entwickelt. Ziel sei es nun, das Angebot schrittweise in den Regelbetrieb zu überführen und in den kommenden Jahren auf bis zu zehn Standorte auszubauen. 

Stumpf + Kossendey Verlag, 2026
Kontakt Datenschutz Impressum