S+K Verlag
Der einzige Fachverlag für
Notfallmedizin in Deutschland.
Bücher, Zeitschriften und Nachrichten
rund um das Thema Rettungsdienst.

Angriffe auf Retter nehmen zu

18.03.2010, 14:01 Uhr

Greifswalder Forscher stellen Jahresbilanz des Projektes „VIRSEM“ vor

„Es ist eine erschreckende Entwicklung“, sagt Martin von der Heyden, Notfallmediziner an der Universität Greifswald und Leiter des Projektes „VIRSEM – Violent Incident Reporting System in Emergency Medicine“. Immer häufiger melden Notärzte und Rettungsassistenten Angriffe und aggressives Verhalten. „Der Respekt schwindet merklich und einzelne Patienten haben keine Hemmschwelle mehr“. Und so wird die Vorstellung der Jahresbilanz des Projektes zu einer eher traurigen Veranstaltung: Jedes gemeldete Ereignis steht für den gesellschaftlichen Wandel, für ein Stück verlorenes Vertrauen und viele der Meldungen für verletzte und traumatisierte Helfer.

Was vordergründig klingt, als hinge er den guten alten Zeiten nach, hat aber ganz handfeste Hintergründe: Wird ein Notarzt im Einsatz angegriffen und verletzt, fällt er aus und steht für weitere Notfälle nicht zur Verfügung, auch beschädigtes medizinisches Material gibt es nicht unbegrenzt als Reserve. Und die psychischen Folgen, bis hin zur Berufsunfähigkeit der Helfer, können immens sein. „Die wirtschaftlichen Folgen von Angriffen auf Helfer im Rettungsdienst und in den Notaufnahmen sind völlig unerforscht – und wahrscheinlich ein hoher Millionenbetrag.“

Die Notfallmediziner der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald haben daher im August 2009 ein Projekt zur Erfassung von Gewalt gestartet. Über die Plattform www.virsem.de ist innerhalb weniger Minuten eine strukturierte Eingabe des Vorfalls möglich – und Martin von der Heyden und ein Experten-Panel aus Rettungskräften, Notfallmedizinern, Medizinpsychologen, Juristen und Polizisten aus Sondereinsatzteams werten diese Geschichten aus. Ziel ist es, mittelfristig Konzepte zu entwickeln, die Mitarbeiter aus dem Bereich der Akut- und Notfallmedizin schützen.

Nach Abschluss der Pilotphase, in der in vier Monaten von Mitarbeitern von einem guten Dutzend teilnehmender Rettungswachen aus Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt ein gewalttätiger Angriff pro Woche gemeldet wurde, geht die Projektgruppe jetzt mit überarbeiteter Homepage in die bundesweite Datenerfassung. „Um ein repräsentatives Bild zu erlangen, benötigen wir möglichst viele Meldungen,“ sagt von der Heyden. Und damit man auch schon vor Projektabschluss etwas lernen kann, werden exemplarische Fälle mit den Kommentaren des Experten-Panels monatlich auf der Homepage anonym veröffentlicht.

RETTUNGSDIENST wird im Herbst ausführlich über das Thema berichten.

Stumpf + Kossendey Verlag, 2020
KontaktRSS Datenschutz Impressum