Dr. Janosch Dahmen, Mitglied des Deutschen Bundestages für die Partei Bündnis 90/Die Grünen, hat mit sofortiger Wirkung seinen Austritt aus der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) erklärt. In einem Schreiben an das Präsidium begründet er diesen Schritt mit der wiederholten Ablehnung der Fachgesellschaft, der Einführung eines Facharztes für Notfallmedizin in Deutschland zuzustimmen. Er kritisiert massiv die Begründung dafür: Sie entbehre jeder wissenschaftlichen Redlichkeit, sei methodisch fragwürdig und in einer Schärfe, die einer medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaft unwürdig sei. Die Vereinigung nehme eine abgekoppelte und rückwärtsgewandte Perspektive ein.
Die DIVI, so Dahmen weiter, negiere mit ihrer aktuellen Stellungnahme die Versorgungsrealität in deutschen Notaufnahmen, die internationale Evidenz sowie die Erfahrungen fast aller europäischen Nachbarländer. Indem sie die Zusatzweiterbildung als „vollumfänglich ausreichend“ deklariere, blende sie systematisch die Defizite in Struktur, Qualität und Patientensicherheit aus. Diese Defizite seien längst breit dokumentiert und von unabhängigen Stellen wiederholt kritisiert worden. Mit dieser Haltung habe die DIVI „endgültig ihre Legitimation als treibende Kraft in der Weiterentwicklung der Notfallmedizin verloren. Sie verspielt nicht nur Vertrauen in der Fachöffentlichkeit, sondern läuft Gefahr, in der gesundheitspolitischen Realität dauerhaft irrelevant zu werden.“ Eine notfallmedizinische Fachgesellschaft, die sich nicht als Motor, sondern als Bremse für die Einführung eines Facharztes verstehe, verfehle ihre eigene Daseinsberechtigung, so Dahmen. „Notfallmedizin verdient eine Debatte, die auf Evidenz, Vernunft und Zukunftsorientierung beruht – nicht auf Manipulation, Besitzstandswahrung und rhetorischer Schärfe.“

