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Prüfbericht legt Mängel im hessischen Rettungsdienst offen

09.07.2025, 10:42 Uhr

Foto: B. Roddewig/ASB-RV Kassel-Nordhessen

Vernetzte Gesundheitsleitstelle gefordert


Die Verbände der Krankenkassen und Ersatzkassen in Hessen haben die rettungsdienstlichen Einsatzdaten aller 25 Leitstellen im Land prüfen lassen. Obwohl die zuständigen Rettungsdienstträger laut Hessischem Rettungsdienstgesetz den Auftrag hätten, die fachliche und wirtschaftliche Zweckmäßigkeit des Zuschnittes der Rettungsdienstbereiche zu überprüfen, sei dies seit 1999 nie erfolgt. Daher beauftragte man die vdek-Landesvertretung mit einem entsprechenden Prüfbericht. Dessen Ergebnis: Die aktuelle Struktur des Rettungsdienstes in Hessen gefährde die Patientenversorgung aufgrund unterschiedlicher Standards und unnötiger Kommunikationswege. In vielen hessischen Regionen passten Zuschnitt und Steuerungslogik der Rettungsdienstbereiche nicht mehr zu den tatsächlichen Anforderungen an eine moderne Notfallrettung. Gleichzeitig dokumentiert der Bericht strukturelle Mängel, die sowohl Auswirkungen auf die Patientensicherheit als auch auf die Wirtschaftlichkeit hätten.

Die gesetzlichen Krankenkassen in Hessen sprechen sich mit Blick auf die vom Bund geplante Reform der Notfallversorgung für eine Modernisierung der Strukturen nach Vorbild anderer Länder aus. Ziel müsse es sein, Patientinnen und Patienten sicher, effizient und entsprechend ihren medizinischen Bedarfen in das dafür geeignete Versorgungssystem zu leiten. Dies solle mit einer virtuellen Gesundheitsleitstelle geschehen, die von der Notfallrettung bis zur Gesundheitsberatung alle Bereiche der Gesundheitsversorgung abdecke. Damit die virtuelle Gesundheitsleitstelle funktioniere, würden eine standardisierte Notrufabfrage und darauf abgestimmte Abfragen für nicht-dringliche Akutfälle benötigt. Gleichzeitig wird ein leistungsfähiges Einsatzleitsystem inkl. Prognosefähigkeit und TI-Anbindung gefordert. Auch könnten die aktuellen Kosten der Leitstellen deutlich gesenkt werden. So zeige z.B. eine Auswertung der AOK Hessen, dass die Leitstellengebühren für die Notfallrettung von 2015 bis 2025 um 73,41% gestiegen seien; die der Krankentransporte sogar um 97%. Hinzu komme, dass das Land Hessen seit 2021 einen festen Anteil von lediglich rund 2 Mio. Euro an den Personalkosten der Leitstellen übernehme. Dieser Betrag sei bislang nicht an die Inflation angepasst worden. Außerdem beteiligten sich die Kommunen seit 2010 mit nur noch 20% an der Finanzierung der Leitstellen.

Wichtig sei es auch, dass die zukünftige Gesundheitsleitstelle entsprechend vernetzt ist. Hier sollen die 112 für Notfälle und die 116 117 für nicht-dringliche Akutfälle zusammenlaufen. Die neue Leitstelle müsse sowohl Zugriff auf den Rettungsdienst als auch auf Bereitschaftsdienste, Palliativteams und alle anderen Dienstleister aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich haben, wie es z.B. in Österreich erfolgreich praktiziert werde. 

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