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Rettungsdienst verfehlt erneut Ziel der zeitgerechten Reanimationsversorgung

12.08.2025, 10:18 Uhr

Foto: P. Böhmer

Aktuelle Daten des Deutschen Reanimationsregisters


Obwohl inzwischen mehr Ersthelfer aktiv werden und häufiger direkt am Einsatzort eingegriffen wird, bleiben die Überlebensraten nach einem Herzstillstand in Deutschland unverändert. Das zeigen aktuelle Zahlen aus dem Deutschen Reanimationsregister, die gestern von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) veröffentlicht wurden. Laut DGAI seien für die Analyse Daten von 198 Notarzt- und Rettungsdiensten aus ganz Deutschland ausgewertet worden, die am Register teilnähmen. Gemeinsam deckten sie eine Versorgungsregion mit rund 42 Mio. Menschen ab. Innerhalb dieser Gruppe sei eine sogenannte Referenzgruppe mit 44 Standorten gebildet worden, die besonders vollständig und qualitativ hochwertig dokumentierten. Die Auswertung basiere auf beiden Datensätzen und ermögliche so zuverlässige Hochrechnungen und valide Rückschlüsse auf die Reanimationsversorgung.

Im letzten Jahr erlitten hierzulande schätzungsweise rund 136.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand und damit durchschnittlich 370 Menschen pro Tag. Bei etwa der Hälfte der Patientinnen und Patienten habe der Rettungsdienst mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen. Positiv hervorzuheben seien die Steigerungen der Ersthelferreanimationsquoten. So sei in der Referenzgruppe die Quote von 50,7 % im Jahr 2023 auf 55,4 % im Jahr 2024 angestiegen. Ebenso sei im Gesamtdatensatz ein Anstieg von 49,9 % auf 52,0 % zu verzeichnen. Außerdem seien auch mehr Defibrillationen durch Ersthelfende durchgeführt worden. In 2 % der Fälle sei der erste Schock bereits vor Eintreffen des Rettungsdienstes erfolgt, was auf insgesamt 529 Patientinnen und Patienten zugetroffen habe. Dies wird als eindeutiger Hinweis auf die die Wirksamkeit von Smartphone-basierten oder anderen Helfer-vor-Ort-Systemen gedeutet.

Eine zunehmende Bedeutung komme auch der telefonischen Anleitung zur Reanimation durch die Leitstellen zu. In der Referenzgruppe sei die Quote von 33,0 % im Jahr 2023 auf 40,4 % im Folgejahr angestiegen. Bei der Gesamtheit der Rettungsdienste habe die Quote bei 37,3% (Vorjahr: 33,9 %) gelegen.

Laut Registerdaten sei der Rettungsdienst in den Referenzstandorten 2024 in 78,5 % der Fälle innerhalb von 8 min eingetroffen – ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Im Gesamtkollektiv liege die Quote dagegen weiter bei nur 73,2 %, womit das bundesweite Ziel mit 80 % in 8 min erneut verfehlt worden sei.

Die DGAI sehe auch Optimierungsbedarf bei der Versorgung in Krankenhäusern. So sei das in den Leitlinien empfohlene Temperaturmanagement, mit dem der Körper gezielt heruntergekühlt werde, um das Gehirn zu schützen, im vergangenen Jahr nur noch bei 17,3 % der Patientinnen und Patienten angewandt worden. Aktuelle Daten zeigten jedoch, dass eine Hypothermiebehandlung die Überlebenschancen um bis zu 60 % verbessern könne.

Auch in anderen Bereichen wird ein deutlicher Verbesserungsbedarf gesehen. So würden die Zielvorgaben für zeitgerechte Zugänge und die Nutzung von Feedbacksystemen zur Reanimationsqualität nicht flächendeckend erreicht. Auch der Anteil an i.o. Zugängen liege trotz Leitlinienempfehlungen weiterhin bei über 20 %, obwohl der i.v. Zugang bevorzugt werden sollte.

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