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Stabsarbeit muss erlebt werden, um sie zu verstehen

11.08.2025, 09:24 Uhr

Foto: F. Jung

Realitätsnahe Übung der Malteser Rheinland-Pfalz


Wie arbeitet ein Führungsstab bei einer Großschadenslage? Was passiert im Hintergrund, wenn Tausende Menschen auf einem Festival feiern und plötzlich ein Notfall eintritt? Antworten auf diese Fragen erhielten acht Teilnehmer aus ganz Rheinland-Pfalz im Rahmen einer realitätsnahen Stabsübung der Malteser Rheinland-Pfalz.

Bereits zum zweiten Mal wurde das besondere Übungsformat Anfang August unter der Leitung von Justin Weisang von den Maltesern Mainz durchgeführt. Konzipiert, geplant und umgesetzt wurde es mit der Unterstützung engagierter Mitglieder der Führungsunterstützungseinheit Mainz. Nach einem ersten Durchlauf im Frühjahr 2025 für die Gliederung Mainz und Umgebung wurde die Übung nun auch für Teilnehmer aus dem gesamten Bundesland geöffnet. So waren dieses Mal auch die Gliederungen Frankenthal und Weilerbach vertreten.

Im Fokus der Übung steht nicht das Training eines bestehenden Stabes, wie er etwa in Landkreisen vorgehalten wird. Vielmehr richtet sich das Format an Malteser, die – unabhängig von ihrer Herkunftsgliederung – die Methoden und Abläufe innerhalb eines Führungsstabes praxisnah kennenlernen möchten. Jeder Teilnehmer übernimmt im Verlauf eine bestimmte Rolle innerhalb des Stabes und taucht so tief in die Prozesse, Kommunikationsstrukturen und Verantwortlichkeiten ein. Ziel ist es, methodische und fachliche Kompetenzen im geschützten Raum zu fördern, denn im Ernstfall kann es schnell dazu kommen, dass Stabsarbeit in einem fremden Team unter hoher Belastung geleistet werden muss.

Das Übungsformat zeichnet sich durch ein besonders hohes Maß an Realitätsnähe aus. Bereits nach kurzer Zeit sind die Teilnehmer mittendrin und einem spürbaren Stresslevel ausgesetzt. Die Übung basiert auf einem detailliert ausgearbeiteten Szenario rund um das fiktive „Volksverschlemmer Festival“ in Mainz, einem sanitätsdienstlich begleiteten Straßenfest mit rund 50.000 Besuchern. Zum Einsatz kommen originalgetreue Unterlagen und Einsatzdokumente, reale Ortsbezüge und professionell gestaltete Kommunikationsmittel. Telefonate werden über eine abgeschottete technische Infrastruktur geführt. So können Teilnehmer z.B. die 110 wählen und landen nicht in einer Übungsleitstelle, sondern direkt bei einem Mitglied des Gegenstabes, der sich als „Polizeirat Müller“ im Führungs- und Lagezentrum meldet. Außerdem verstärken Hintergrundgeräusche wie Konzertlärm, Bandansagen oder Gespräche mit der Berufsfeuerwehr und dem Veranstalter den Realitätsbezug zusätzlich.

Die Übung startet um 9.00 Uhr mit einer kurzen theoretischen Einführung zur Stabsarbeit, gefolgt von einer Lageeinweisung und dem fiktiven Eventbriefing. Die Teilnehmer erhalten 30 min Zeit, sich zu organisieren, Rollen zu verteilen und die ersten Informationen zusammenzutragen. Danach beginnt die Stabsarbeit. Vier Stunden lang gilt es nun, als Team diverse Herausforderungen zu bewältigen: medizinische Zwischenfälle, logistische Abstimmungen, Kommunikation mit Behörden, Wetterumschwünge und Personalengpässe. Die Resonanz auf beide Durchgänge sei durchweg positiv gewesen. Die Teilnehmer hätten insbesondere die Authentizität der Übung und das intensive Erleben gelobt. Die nächste Durchführung sei bereits in Planung. 

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