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Zollernalbkreis reagiert auf zunehmende Bedrohung durch Hochwasser

30.09.2025, 11:33 Uhr

Foto: Landratsamt Zollernalbkreis

Aufbau von Wasserrettungseinheiten an drei Standorten


Das im Mai 2023 erarbeitete „Konzept zur Wasserrettung im Katastrophenfall und bei Außergewöhnlichen Einsatzlagen im Zollernalbkreis“ soll eine robuste Grundlage zum effizienten Schutz der Bevölkerung vor Gefahren durch lokal auftretende Starkregenereignisse und die daraus resultierenden Sturzfluten bilden. Was vorher durch überörtliche Hilfe aus anderen Landkreisen mit hierdurch bedingten langen Eintreffzeiten geleistet werden musste, kann heute schnell und qualifiziert direkt aus dem Zollernalbkreis heraus geleistet werden. Kern des Konzepts ist der Aufbau einsatzfähiger Strukturen an drei strategisch gewählten Standorten in Balingen, Hechingen und Meßstetten. Dieser dezentrale Aufbau sei bewusst gewählt worden, da bei großflächigen Unwetterlagen einzelne Standorte selbst betroffen sein können. An den Standorten wurden mit Unterstützung des Zollernalbkreises moderne Wasserrettungseinheiten mit dem Schwerpunkt Strömungsrettung aufgestellt, die sich aus ehrenamtlichen Einsatzkräften der DRK-Wasserwacht Zollernalb, der örtlichen Feuerwehren sowie der DLRG Zollernalb zusammensetzen. Im Zusammenwirken entstehe ein leistungsfähiges Netzwerk, das sowohl autonom als auch organisationsübergreifend eingesetzt werden könne. Auch in die Ausrüstung wurde gezielt investiert: Alle drei Standorte verfügen über Strömungsrettergruppenfahrzeuge mit spezieller Ausstattung für Wasser- und Strömungsrettungseinsätze. Ergänzt wird die Technik durch PSA, Boote, Sicherungs- und Rettungsgeräte sowie Kommunikationsmittel. Zudem halten die Feuerwehren vor Ort Personal und Ausrüstung vor, um bereits in der ersten Phase eines Einsatzes eingreifen zu können.

Im Gegensatz zur klassischen Wasserrettung, die sich auf ruhige Gewässer beschränkt, bewältigt die Strömungsrettung gefährliche Situationen in stark fließenden Gewässern: Speziell geschulte Kräfte agieren dort kontrolliert und retten unter extremen Bedingungen Leben – zunehmend auch bei Starkregenereignissen unterhalb der Katastrophenschwelle. Die DLRG Zollernalb und die DRK-Wasserwacht Zollernalb nehmen hier eine zentrale Rolle ein: Ihre Kräfte trainieren regelmäßig und halten eine hohe personelle Verfügbarkeit für solche Lagen vor. Die enge Zusammenarbeit mit den Feuerwehrwehren erhöht die Einsatzkraft zusätzlich, die sich ebenfalls auf örtliche Hochwasserlagen vorbereiten und entsprechend ausstatten. Ergänzt wird dies durch eine wachsende Kooperation mit den Wasserrettungseinheiten des Landkreises Sigmaringen, durch die eine landkreisübergreifende Hilfeleistung vorbereitet wird, die unterhalb der Schwelle des Katastrophenschutzgesetzes alarmiert werden kann.

Die Bedeutung dieser neuen Strukturen zeigte sich beim Unwetter am 2. Mai 2024 in Bisingen. Durch ein lokales Starkregenereignis bildeten sich innerhalb kürzester Zeit reißende Ströme, wodurch zahlreiche Personen einer Bedrohung ausgesetzt waren. Durch die frühzeitige Alarmierung der Strömungsrettungseinheiten konnten ergänzend zum erfolgreichen Feuerwehreinsatz bereits wichtige Maßnahmen und Sicherungen vorgenommen werden – noch bevor erste Notrufe von konkreten Wasserrettungseinsätzen eingingen.

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