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Baby-Notarztwagen für Leipzig

03.04.2017, 16:18 Uhr

Prof. Dr. med. habil. Michael Borte (Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Leipziger Klinikum St. Georg) Pierre-Enric Steiger (Präsident der Björn-Steiger-Stiftung), Prof. Dr. med. Ulrich Thome (Leiter der Abteilung Neonatologie am Universitätsklinikum Leipzig) und Prof. Dr. med. Ingo Dähnert (Direktor der Klinik für Kinderkardiologie am Herzzentrum Leipzig) (v.l.) (Foto: Björn-Steiger-Stiftung)

Steiger-Stiftung übergibt 18. „Felix“

Zur Stunde findet in Leipzig die Übergabe des Baby-Notarztwagens „Felix“ der Björn-Steiger-Stiftung an das Universitätsklinikum Leipzig, das St.-Georg-Klinikum und das Herzzentrum in Leipzig statt. Die Schirmherrschaft des Projektes, das die Stiftung und die Stadt Leipzig im Jahr 2014 gemeinsam mit den Kliniken beschlossen haben, übernahm der ehemalige sächsische Ministerpräsident Prof. Dr. Kurt Biedenkopf.

Das Leipziger Fahrzeug im Wert von rund 200.000 Euro gehört zur fünften „Felix“-Generation und ist der 18. Baby-Notarztwagen in Deutschland, der durch die Björn-Steiger-Stiftung finanziert wurde. Eine Nachrüstung mit drei Transportinkubatoren ist geplant, sobald weitere Spenden generiert werden können. Das Fahrzeug vom Typ Mercedes-Benz Sprinter 516 CDI verfügt über ein Dämpfungssystem mit spezieller Kennlinie für den Inkubatortransport mit selbstständiger Gewichtsanpassung sowie Durchschlagsicherung und kann erschütterungsfrei be- und entladen werden.

Kommentare

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03.04.2017, 17:46 Uhr von Patrik
Glückwunsch zum nächsten Fahrzeug in Deutschland, dass sich in irgendeiner Fahrzeughalle die Reifen eckig steht. Wir haben ein Sonderfahrzeug für bariatrische Patienten, eins mit Inkubator (Baby NAW). ein ITW und eins für Isolierfahrten. Alle wurden mit viel Medientamtam und Lokalpolitik eingeweiht. Heute stehen vier völlig nutzlose Fahrzeuge in der hintersten Ecke der Fahrzeughalle. Beim Iso Fahrzeug wurde bei 36.000 km bereits der Motor ausgetauscht, Standschaden. Die Fahrzeuge wurden angeschafft und es wurden überregionale Transporte versprochen. Die Realität zeigt, es besteht keinerlei Bedarf für diese Sonderfahrzeuge (150.000 Einwohner, mehrere große Kliniken im Einzugsgebiet, eine Fachklinik für bariatrische Medizin, mehrere Gebärabteilungen, Tropenklinik in nächster Nähe etc.). Nahezu alle Fahrten können mit einem Regel RTW durchgeführt werden. Beispielsweise durch ein Konzept mit Wechseltragen. Gute Lösungen für Sondertransporte gibt es beispielsweise von Starmed oder Mefina (Inkubator, Schwerlasttragen, Isotragen, Intensivtragen). Eine solche Lösung hatten wir früher:

-Inkubator vorgewärmt und eingesteckt in der nächsten Klinik, wo das Team aufgenommen wurde
-Schwerlasttrage mit geeigneten Tragetischen auf allen Fahrzeugen auf der Hauptwache (inkl. Material für bariatrische Patienten)
-Intensivtrage auf der Hauptwache
-Isotrage mit Zubehör auf der Hauptwache

Der Grund warum für jeden Käse ein eigenes Fahrzeug gekauft wurde ist klar, da wurden Spendengelder verbraten. Für den Baby NAW lassen sich wunderbar Spendengelder sammeln, die dann (zweckfremd) zur Quersubventionierung verwendet werden (ist zwar ungesetzlich, wird aber landauf- landab so praktiziert. Jeder Kreisgeschäftsführer braucht so ein Prestigefahrzeug, so macht man von sich reden. Ob für solche Fahrzeuge wirklich Bedarf besteht, steht auf einem anderen Blatt.
04.04.2017, 08:02 Uhr von D
@Patrick: Dass Leipzig inklusive Einzugsgebiet eine mindestens viermal so hohe Einwohnerzahl, als die von dir angesprochenen 150.000 hat ist dir schon bewusst oder? Für deine Stadt mag die Vorhaltung sicher überzogen sein, aber hier vergleichst du Äpfel mit Birnen.
04.04.2017, 09:05 Uhr von Markus
@D: Ich fahre in Hamburg (also auch keine Kleinstadt) und selbst bei uns ist die Vorhaltung vieler Sonderfahrzeuge kritisch zu betrachten, da diese einfach nur in der Gegend rumstehen und vergammeln. Die Tragen Lösung finde ich ebenfalls am sinnvollsten. Schönen Tag noch.
04.04.2017, 09:05 Uhr von Max
@D

Ist Ihnen bekannt ob vor der Beschaffung eine Bedarfsanalyse durchgeführt wurde? Aus dem Bauch heraus würde ich sagen das sich, auch in einer Stadt wie Leipzig, ein solcher NAW nicht lohnt.
04.04.2017, 12:53 Uhr von chris
ich denke man muss vor Ort eine vernüftige Analyse machen - ob sich das lohnt.
In meinem RD Bereich gibt es einen Baby NAW, der ist gut ausgelastet, ist auch mit eigenem Personal besetzt, das spezielle Fortbildungen bekommt. Er ist auch für meherer benachbarte Rettungsdienstbereich im Einsatz. Früher hätte ich auch gesagt lohnt sich nicht, aber die veränderte Kliniklandschaft mit zunehmender Zentralisierung der pädiatrischen Kompetenz hat die Sache verändert.
Auch der Schwerlast RTW, der keine eigenes Personal hat, hat hohe Einsatzzahlen; Hier überlegt man gerade schon, ob sich eine eigene Besatzung lohnt.
Aber eine gute Strukturanalyse gehört wie immer dazu.
04.04.2017, 13:09 Uhr von Freakmean
Es muss sich auch die Frage gestellt werden ob vorhandene Sonderfahrzeuge adäquat eingesetzt werden. In meiner Stadt mit ca. 600000 Einwohnern kommt es oft vor das zu einer Intensivverlegung (Pat. Intubiert/Beatmet mit X Perfusoren) ein einfacher RTW disponiert wird unterstützt vom Assistenzarzt der dann auch im Staus 8 zurückgefahren werden soll.
Und das obwohl wir einen Sehr guten ITW mit ständiger Besatzung+ Anästhesisten vorhalten der sich nicht selten die Reifen platt steht... Das selbe ist es mit dem Schwerlast RTW da werden 150Kg (oder auch mehr) Patienten mit Tragehilfe in einen Regel RTW verfrachtet anstatt das entsprechende Sonderfahrzeug zu senden (sicher es geht auch mit dem RTW die Tragen halten das aus und mit genug Personal ist es auch gut machbar aber wenn wir ein entsprechendes Fahrzeug haben sollten wir es auch nutzen)

Ich glaube wir müssen uns fragen ob wir unsere Ressourcen überhaupt effizient einsetzen.

Ob Leipzig jetzt einen eigenen Baby NAW braucht kann ich nicht beurteilen da kenne ich die Gegend zu wenig.
04.04.2017, 14:06 Uhr von Daniel
Hallo,
Also an alle die sich in Leipzig und Umgebung so super auskennen: Die ärztliche und pflegerische Besatzung (und der Inkubator) werden bei Einsatz abgeholt-also kein zusätzlich teures Personal-ebenso beim RD Personal-das wird aus dem Regelrettungsdienst der BF-RTW besetzt. Zu meiner Zeit dort hatten wir angemessene Einsatzzahlen, und nun,ein Fahrzeug zu haben,was deutlich besser Ausgerüstet ist als die Stadt RTW ( Stichwort quer eingebauter Tragetisch) ist doch in Ordnung! Oder?
05.04.2017, 08:26 Uhr von D
Mit Argumentation: "braucht man nicht so oft, kann man auch weglassen oder improvisieren", könnten wir ja auch unsere RTWs dann anfangen massiv abzulasten. Im Sinne einer hochwertigen Patientenversorgung hält man aber dann dennoch vernünftiges Arbeitsgerät für den Fall der Fälle vor. Selbstverständlich darf das Augenmaß nicht verloren gehen.
05.04.2017, 10:19 Uhr von Markus
@D: Professionelle Spezialtragen für HKLE Infektionstransporte, Inkubatoren, IPS-Patienten und bariatrische Patienten haben weder etwas mit weglassen, noch mit improvisieren zu tun. Es geht darum, dass Spezialfahrzeuge für jedes Krankheitsbild weder notwendig noch sinnvoll sind. Ich kenne sehr viele Konzepte in Deutschland die mit viel Tam-Tam und hoch medienwirksam gestartet wurden und letztendlich wieder eingestampft wurden. Schau dich mal um, was für ein Schwachsinn die letzten Jahrzehnte angeschafft wurde:

-Storchenwagen (Spezialfahrzeug für Geburten) mit Hebamme, Neonatologe und Fachpflege besetzt. Steht bei uns um die Ecke, wurde als das Non-plus-Ultra verkauft. Seit der Einführung wird aufgrund fehlender Einsatzzahlen über eine Abschaffung nachgedacht. Die Medien berichteten bereits mehrmals vom aus des Storchenwagens (konnte sich jedoch immer wieder durch neue Spendengelder einige Monate retten).

-Mobile Druckkammer (beispielsweise BF Frankfurt) für Tauchunfälle: Steht sich die Reifen eckig und kann nur zeitenweise besetzt werden, da es weder ausreichend Druckkammertechniker noch Fachärzte gibt, die einen Dienst 24h abdecken können.

-Infektionsrettungswagen: Ich kenne einen, der speziell für Infektionsfahrten angeschafft wurde. Dieser wurde in der Zwischenzeit als Regel-RTW umgerüstet und fährt ganz normal im Regelrettungsdienst. Da das Spezialequipment auf der Rettungswache vorgehalten wird, der RTW jedoch auch zu Verlegungen außerhalb des Einsatzgebiets geschickt wird, ist die wirkliche "Sinnhaftigkeit" zumindest umstritten. Er wurde meines Wissens einmal bei v.a. bakterielle Meningitis präklinisch nachgefordert, war aber während dessen mit einer Verlegungsfahrt (Krankentransport) besetzt.

-Baby-NAW: Wird vorgehalten, aus dem Regelrettungsdienst (ggf. mit KTW Besatzung) besetzt und fährt sogar ein bis zweimal im Monat raus. Trotz einiger großer Häuser mit Neointensiv etc.. Häufig wird aber auch der Regelrettungsdienst zu solchen Fahrten herangezogen. Es ist scheinbar auch mit einem "normalen" RTW mit Kinderequipment, Rückhaltesystem und Inkubator auf Spezialtrage etc. möglich solche Transporte sicher durchzuführen. Dienstanweisung: Es darf nur gefahren werden, wenn die Sicherheit von Personal, Patienten und begleitenden Angehörigen zu 100% gewährleistet ist.

-Jumbo RTW: Spezialfahrzeug für bariatrische Patienten mit Ladebordwand etc.. Fährt inzwischen bei uns als Reservefahrzeug im Regelrettungsdienst. Alle Mitarbeiter fluchen über völlig unhandliches und schweres Material. Die Trage kann ohne Hilfe nicht einmal über eine Bordsteinkante gehoben werden. Nüchtern betrachtet ist das Fahrzeug völliger Bullshit für den Regelrettungsdienst. Aufgrund fehlender Einsatzzahlen muss das Fahrzeug jedoch im Regelrettungsdienst eingesetzt werden um Standschäden zu vermeiden (1-2 bariatrische Transporte im Jahr). Sowohl die Tragen als auch die Tragetische in allen Regel-RTW sind auf 210 kg limitiert und überbreit. Wir haben alle paar Jahre mal einen Patienten, bei dem die "Normtragen" tatsächlich ans Limit kommen.

-Mobile Stroke Unit (CT): Kenne ich aus dem Saarland und aus Berlin. Zufällig habe ich einen Bekannten, der auf einem dieser Fahrzeuge fährt. Scheinbar sind 60% der Alarmierungen keine Schlaganfälle, sondern Hyperventilationen, Allgemeinzustandsverschlechterungen oder sonstige psychische Defizite. Die vor Ort Zeiten sind scheinbar gigantisch (3 Stunden) und wenn es während der Lyse zu einem Zwischenfall (ICB) kommt, dann wird es sehr schnell sehr hektisch (da natürlich keine Neurochirurgie an Bord ist). Das Konzept wird sich zumindest im Saarland wahrscheinlich nicht durchsetzen.

-taktischer RTW der Bereitschaftspolizei: Dazu sag ich jetzt mal lieber nichts. Die VW Busse sind mit Hausärzten (Betriebsärzten der Polizei) besetzt und führen den Veranstaltungsschutz bei Demos, Fußballspielen etc. durch. Die Besatzung und die Beladung ist nun sagen wir einmal so, sehr dürftig ausgestattet und ausgebildet. Sehr häufig wird der Regelrettungsdienst zur Patientenversorgung und zum Transport alarmiert. Der Sinn dieser Fahrzeuge habe ich bis heute nicht verstanden. Vielleicht ist unser Anspruchsdenken auch zu hoch und das Fahrzeug ist tatsächlich als Erste Hilfe Koffer auf Rädern zu verstehen.

-Cardio Rettungswagen: Gab es bei uns, wurde abgeschafft (versändlicherweise), da sämtliche Fahrzeuge heute über 12 EKG und Telemetrie verfügen. Die Idee mit Cardiologe bei Brustschmerzen hat sich nicht bewährt, da häufig Oberbauchschmerzen, Hyperventilationen, psychische Erregungszustände etc. vorlagen.

Ich behaupte 99,9% aller Einsätze lassen sich mit einem modernen RTW durchführen, die etwas mehr als über die Norm-Beladung verfügen (wer fährt heutzutage noch Norm RTW?). Ob für die 0,1% der Einsätze tatsächlich Spezialfahrzeuge vorgehalten werden sollten, darüber kann man sicher streiten. Das der Bayern RTW (bspw. Allrad und Basis-Alpine Kletterausrüstung) anders ausgestattet sein sollte als der RTW an der Nordsee (Wasserrettung) leuchtet allen ein. Aber weshalb es für jedes Krankheitsbild ein Spezialfahrzeug benötigt ist mir schleierhaft. Ich denke ebenfalls, die Lösungen mit speziellen Wechseltragesysteme ist moderner und flexibler.
05.04.2017, 13:48 Uhr von D
@ Markus: wie schon vorher vergleichst du die bei Euch scheinbar völlig überzogene Fahrzeugtaktik mit anderen Örtlichkeiten und Bedingungen und stellst deine Beobachtung als das Non-Plus Ultra Argument gegen jedwedes Sonderfahrzeug deutschlandweit dar. Zudem führst du Beispiele an, welche im Rahmen von Studien oder der Erprobung neuer Behandlungskonzepte betrieben werden. Dieses Maß an Verbissenheit erschließt sich mir nicht.
Alle Regel-RTW multifunktionell auszustatten um auch nur annähernd ein qualitatives Niveau eines sinnvoll geplanten und optimierten Sonderfahrzeug zu erreichen ist auch eine wirtschaftliche Frage. Was kostet denn ein flächendeckender Einbau der passenden und vermutlich teureren Tragentische, um Module aufzunehmen die den gleichen qualitativen Output haben wie im optimierten Sonderfahrzeug? Wie ist das mit der Raum- und Platzaufteilung (Stichwort: Inkubator-Quertransport)? Was kostet es mehr einen Regel-RTW innen so aufzubauen, dass er ähnlich konsequent desinfizierbar ist wie einen Infektions-RTW? Wie ist das mit dem Personal? Sind alle Regel-Besatzungen für jedweden Fall routiniert, gerüstet und auf die umfangreiche Medizintechnik eingewiesen (Stichwort: Schulungsaufwand) oder muss dann der Regel-RTW erstmal durch die Gegend gurken und Personal sowie Ausrüstung einsammeln? Es gibt Einsatzgebiete für Sonderfahrzeuge, die im Regelrettungsdienst von locker 150 RTW abgedeckt werden. Diese aufzurüsten wird deutlich teurer als der gut geplante Einsatz eines Sonderfahrzeuges. Und was man zum Stichwort Multifunktionalität nie vergessen darf, wenn man den Anspruch hat alles zu können, kann man am Ende meist alles nur halb und nichts richtig.
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