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Schutzwesten im Rettungsdienst – effektiv oder unnötig?

21.04.2017, 11:25 Uhr

RETTUNGSDIENST 5/2017: Eigensicherung

Die Regelungen und Vorschriften im Hinblick auf den Arbeitsschutz und die Arbeitssicherheit miteinander vereinbar zu machen, ist vor dem Hintergrund einer vielfältigen Einsatzpraxis und diversen Einsatzanforderungen für die Verantwortlichen oftmals ein undurchsichtiges und damit kaum lösbares Problem. Diese RETTUNGSDIENST-Ausgabe ruft u.a. die wesentlichen Elemente der Persönlichen Schutzausrüstung in Erinnerung, fragt nach dem Sinn von (Stich-)Schutzwesten im Einsatz und skizziert die Hygiene als Lernprozess.

Weitere Artikel im Mai:

  • Die Kasuistik: Reanimation eines 15-jährigen Patienten mit Kammerflimmern
  • „Sie haben doch Schweigepflicht?“ Ein Fall mit unerwarteter Wendung
  • Endokrinologische Notfälle: Einsatz bei verändertem Drüsenverhalten

Das Inhaltsverzeichnis finden Sie hier.

Kommentare

22.04.2017, 08:34 Uhr von Hans
Ich sag mal wenn die Westen nicht effektiv wären dann würde es solche nicht geben. Ich bin eigentlich dafür zumindest das diese auf Fahrzeugen für die komplette Besatzung vorhanden sind.
Es kann niemand behaupten der im Rettungsdienst tätig ist nicht mal in eine sogenannte dynamische Situation zu kommen.
Wenn man täglich die Presse verfolgt in dieser Zeit würde ich sagen lieber gestern als heute beschaffen als es wieder zu ZERDISKUTIEREN...
LG Jerry H.
23.04.2017, 12:03 Uhr von christoph
Ich habe eine und will sie nicht mehr missen. Trage sie aber Unter der Kleidung. Somit nicht Sichtbar.
24.04.2017, 10:52 Uhr von Motobike112
Ich fahre seit knapp 30 Jahren beruflich im Rettungsdienst sowohl Stadt- bzw auch Landrettung.
Sicherlich gibt es manch Einsätze wo man darüber nachdenken hätte können, aber mit klarem Auftreten und eingehen auf Patienten, kam ich immer raus und das ohne Probleme.

Die Frage ist, wo fängt man an und wo hört man auf. Geht man dann weiter wenn man die Weste hat, Schussicher oder nur Stichsicher, danach Pfefferspray... dann noch Kabelbinder???

Überlegt euch mal, wo gibt mir die Weste Schutz... NUR Oberkörper, der Rest ist frei!!!
24.04.2017, 12:37 Uhr von Sven
Ein zwei schneidiges Schwert, auf der einen Seite bieten sie sicherlich Schutz.
Auf der anderen Seite sind diese Westen meistens nich 100%ig zu verstecken, und hier produzieren wir wieder eine Eskalation beim gegenüber. Ein weiteres Problem sehe ich bei falsch verstandenem Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter, hieruas könnte sich eine erhöhte Risikobereitschaft ableiten.
Desweiteren stimme ich Motobike vollkommen zu.

LG

Sven
24.04.2017, 14:30 Uhr von Florian
Natürlich gehört auch Ausbildung (regelmäßige) dazu. Um eben nicht Opfer des eigenen Sicherheitsgefühls zu werden. Aber das ist ja gerade hier in D-Land im Rettungsdienst so eine Sache. Alles pseudo-professionell halt. Die Kollegen aus London tragen Westen die im Stil einer Überziehweste passend zu ihrer Dienstbekleidung sind. Wenn man wirklich will, dann kann man das schon so verpacken, dass die Sanis nicht wie ein SWAT-Team light aussehen. Ist halt ne Frage der Ernsthaftigkeit und Investitionsbereitschaft. An beidem mangelt es leider.

Übrigens: diese künstliche Eskalation ist nicht Zielführend in dieser Debatte. Von passiven Mitteln hin zu aktiven Wirkmitteln zu argumentieren ist albern und zeigt, dass so mancher hier sich mangels Erfahrung nicht vorstellen kann, dass es Gegenden gibt, wo Kollegen froh um etwas mehr Schutz wären.

Mir ist bisher nicht einmal etwas ins Auge gekommen bei meiner Tätigkeit, lag wohl daran, dass ich konsequent bei entsprechenden Situationen eine Schutzbrille Trage. Rettungsdienst ist für jeden Mist zur Last-line-of-Defense geworden. Die Verantwortlichen sollten besser nicht auf die ersten toten Sanis warten bis was passiert. Ein geschützter Körperstamm erhöht indes die Überlebenswahrscheinlichkeit. Extremitätenverletzungen können rasch versorgt oder Blutungen gestoppt werden. Das man sowas bei entsprechender Ausbildung noch erwähnen muss spricht auch mal wieder Bände. Wir werden auch nicht immer wieder diskutieren müssen, ob wir primär etwas in einer Bedrohunglage zu suchen haben. Jeder mit einem Funken Restverstand kennt die Antwort auf diese Frage. Der Rettungsdienst sieht sich aber auch dank der "jeder Anrufer bekommt einen RTW" Politik, mit zunehmend "unklaren" Situationen konfrontiert. Die Verfügbarkeit von Polzeikräften ist Vielerorts hier in Deutschland mit mangehalft zu bewerten. In auffallend vielen Situationen wird die Polizei von mir nachgefordert und nicht parallel alarmiert. Aufgrund von FuStW-Mangel. Dann stehe ich aber schon da mit meinem RTW bis ich raushabe was los ist und bin bereits Ziel. Selbst wenn die Polizei mit vor Ort ist, kann ich immer noch Opfer werden, davor schützen einen auch 2-4 Beamte nicht. Soviel zur Einsatzrealität. Für alle möglichen und unmöglichen Situationen haben wir Schutzausrüstung an/dabei, sogar für SARS, Ebola und Dengifieber! Auf alles bereiten wir uns vor. Nur nicht auf eine derart reale und konkrete Gefahr. Peinlich peinlich peinlich. 25 Jahre hat es gedauert. Es werden nochmal 25 vergehen sage ich, bis Rettungsdienst endlich ernst genommen wird.
25.04.2017, 07:18 Uhr von Christoph
Eine "einfache" Vorhaltung von Schutzwesten auf dem Rettungsmittel für die Besatzung ist nicht möglich, die Schutzwesten müssen individuell auf den Träger angepasst werden. Gerade bei Unterziehschutzwesten können diese nicht in der ad hoc Situation angelegt werden, sondern müssen permanent getragen werden, da das (korrekte) Anlegen doch Zeit kostet. Außerdem sind auch Unterziehschutzwesten beim Träger zu erkennen. Neben den oben beschriebenen Punkten kommt dann noch die jeweilige Schutzklasse der Weste hinzu. Das Arbeiten am Patient mit angelegter (Unterzieh)Schutzweste sollte auch geübt und trainiert werden, es ist nämlich schon hinderlich, man hat nicht den Bewegungsspielraum und gerade wenn es etwas wärmer wird - schwitzt man in so einem Ding relativ schnell. Man muss sich auch vor Augen halten, welche Bereiche eine Schutzweste abdeckt und welche Körperstellen unbedeckt und ungeschützt sind.

In den meisten Fällen gauckeln die Unterziehschutzwesten Sicherheit vor, der Rettungsdienstler ist kein Polizeivollzugsbeamter, der im Zweifel trotzdem in eine eskalierende Situation rein muss, sollte sich die Situation vor Ort als zu gefährlich herausstellen, sollte der ureigene Fluchtinstinkt greifen und ein geordneter Rückzug angetreten werden und Fachpersonal in Form von Polizei nachgefordert werden.
25.04.2017, 21:43 Uhr von E
@Christoph: Sehe ich genauso.
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