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rund um das Thema Rettungsdienst.

Streit um Arbeitszeitregelung im bayerischen Rettungsdienst beigelegt

31.07.2017, 14:48 Uhr

Foto: BRK BGL

Hart erkämpfter Tarifabschluss zwischen BRK und Ver.di

Zwei Jahre lang dauerte das Ringen am Verhandlungstisch, nun erfolgte die Einigung in letzter Minute: Nach Presseberichten haben sich das Bayerische Rote Kreuz und die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di auf einen Tarifkompromiss geeinigt. Zum Schluss hatte sich die Situation so zugespitzt, dass Ver.di auch einen Streik nicht mehr ausgeschlossen hatte. „Ich bin erleichtert“, kommentierte BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk den Ausgang der Verhandlungen.

Hauptstreitpunkt in der Tarifauseinandersetzung war die Arbeitszeitregelung im Rettungsdienst gewesen. Ver.di hatte eine Regelarbeitszeit von 38,5 Wochenstunden gefordert, das BRK hatte auf der Option einer 45-Stunden-Woche bestanden. Nun gibt es einen Kompromiss: Ab 1. Januar 2018 wird für die Einsatzkräfte im Krankentransport durchgehend die 38,5-Stunden-Woche mit festen Pausen gelten – aufgrund der Planbarkeit dieser Einsätze, wie Stärk betonte. In der Notfallrettung bleibt es bei der 45-Stunden-Woche, „wenn nach Abzug von neu definierten Zusatzarbeiten mindestens drei Stunden Bereitschaft verbleiben“, wie der „Münchner Merkur“ meldete. Zugeständnisse machte das BRK nach dieser Darstellung auch bei der Ankündigungsfrist für kurzfristige Dienstplanänderungen. Sie sollen künftig vor Ort geregelt werden. (POG)

Kommentare

01.08.2017, 07:45 Uhr von Lars
Hallo liebe Redaktion,

ich glaube euch ist ein Fehler unterlaufen. In dem Satz "In der Notfallrettung bleibt es bei der 45-Stunden-Woche, „wenn nach Abzug von neu definierten Zusatzarbeiten verbleiben“, wie der „Münchner Merkur“ meldete." fehlt vermutlich die Anzahl der Ruhezeiten nach Abzug der arbeiten.

Viele Grüße
Lars

[Anm. Admin: Vielen Dank für die Anmerkung. Wir haben den Fehler korrigiert.]
01.08.2017, 09:21 Uhr von Freidenker
45h Arbeitszeit....werden diese denn nun auch voll bezahlt? Oder verbleibt es bei Arbeitszeitbereitschaft? Die Arbeitgeber geben weiterhin zu erkennen, das Sie nicht in der Lage sind , die Arbeitnehmer so zu beschaeftigen, als das es nicht zu verlaengerten Arbeitszeiten kommen kann. Arbeitsmedizinische Tatsachen sind scheinbar weiter ausgeblendet. Arbeitsumstaende und Arbeitsumfelde verbleiben teilweise als nicht zitierfaehig.
Welche Qualitaet von Beschaeftigten meinen die Arbeitgeber mit solchen Bedingungen zu rekrutieren ? Wirkliche Wertschaetzung und Anerkenntnis einer Berufsgruppe sieht m.E.anders aus. Fahrer und Traeger duerfen offenbar weiterhin nichts kosten. Als nichts anderes als Fahrer und Traeger wird das Personal im RD betrachtet sei es von Arbeitgebern, Krankenkassen, Arbeitsagentur,Rentenversicherung,Ordnungsbehoerden,Gerichten.
Selbst im klinischen Bereich wird der "neue" NotSan bestenfalls im innerklinischen Transportdienst gesehen, von den ganz wenigen Positionen in einigen Aufnahmen abgesehen.
Die Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen fuer AN konnten vor 10-15 Jahren im Handumdrehen manifestiert werden , anders herum dauert es Dekaden , wenn es Zugunsten von AN wirken
soll.Von einer nachhaltigen und professionellen Veraenderung des Rettungswesens sind wir daher m.E. entfernter denn je...... Daran aendern auch eine andere Berufsbezeichnung und andere Rezepturen nichts. Von der Gewerkschaftsleistung und den organisierten Kollegen im Ganzen hier spreche ich erst gar nicht.


Traurig und Ernuechternd.
01.08.2017, 09:40 Uhr von Flo
@Freidenker, da wird wieder Bereitschaftszeit drin sein.
Frage wäre aber, wenn ich mir so manche Äußerung ansehe, ob es auch von Seiten aller AN gewollt ist ohne auszukommen. Klar wäre jede Stunde an der Wache = bezahlte Arbeitszeit wünschenswert, nur wäre das dann auch das Ende von 12 und 24 Stunden Diensten.

Und zumindest ein Ende der unbezahlten Bereitschaftszeiten ist ja zumindest für die Wachen in Sicht an denen man auf weniger als 3 Stunden Bereitschaftszeit kommt weil halt die Tätigkeiten rund um den Einsatz wie Protokolle schreiben oder Materialnachfüllen auch vom AG als Arbeitszeit anerkannt werden.
01.08.2017, 10:11 Uhr von pa.
Natürlich wären kürzere Arbeitszeiten in der Notfallrettung schön. Aber mit dem jetzigen Ergebnis ist zumindest eine relativ gute Basis für Verhandlungen in der Zukunft geschaffen worden.
Die Bezahlung gegenüber früher ist auch besser geworden.
01.08.2017, 10:16 Uhr von O.
@ Flo
Bei Erfassung von "allen" Arbeitszeiten liegt ja schon ein Hase im Pfeffer. Bei einigen AG z.B. wird nur die Einsatzzeit zur Auslastungsanalyse herangezogen. Alles was an der Wache stattfindet fällt hinten runter, führt also zu unvollständigen Zahlen -> Bereitschaftszeiten (Die tun ja an der Wache nichts, oder so ähnlich.).
Es kann für mich nur zwei Wege geben: Entweder ich arbeite nur so viel wie ich bezahlt bekomme (z.B. Angestellte bei BF HH), oder es wird jede Stunde bezahlt. Außerhalb des Gesundheitswesens ist das durchaus normal....
01.08.2017, 11:42 Uhr von Flo
@O., genau der Punkt wird ja jetzt in Bayern angegangen. Das eben auch das fertigen der Protokolle oder das nachfüllen vom Verbrauchsmaterial als Arbeitszeit anerkannt wird.
01.08.2017, 13:05 Uhr von Philip
@Freidenker
zum NotSan in Kliniken: Ich sag es mal flapsig; der gehört da nicht hin. So wie sich bei der Neueinführung der NotSan keiner für die vielen RettAss im Krankenhaus interessiert hat, genauso wenig hat man diesen Bereich für die NotSan im Blick. Wie sollen die da auch Maßnahmen in der Anästhesie a la der ATAs durchführen? Der NotSan arbeitet im Rahmen einer Notfallentscheidung bis zum Eintreffen des Notarztes. Das hat für die Klinik keine Relevanz. Dort stehen die Ärzte zur Verfügung, also darf der NotSan/RettAss sein Können nicht einsetzen.
Beim ATA steht bspw. in der DKG Empfehlung zur Ausbildung unter Lernbereich II, Lerneinheit 1:
"(Ziel ist...) Medikamente, die zur Anästhesie und im Rahmen der Anästhesie in den operativen und diagnostischen Fachgebieten angewendet werden, zu kennen (Indikationen, Wirkungen,
Dosierungen) und anzuwenden."
Das Zitieren des §4 des NotSanGs mit seinem "... im Notfalleinsatz" spare ich mir.

Die Berufsverbände hatten beim NotSanG ausschließlich das aktive, hauptberufliche, vollzeitarbeitende Rettungsdienstpersonal im Fokus und sonst niemanden. Man wollte die Ehrenamtlichen aus dem Rettungsdienst drängen, koste es was es wolle.
01.08.2017, 14:33 Uhr von Philip
@Freidenker
habe in meinem letzten Absatz in der Aufzählung das Wort "langjährig" vergessen ;-)
01.08.2017, 15:49 Uhr von Benjamin
In der Wirklichkeit schaut es in Bayern folgendermaßen aus: jede KTW-Stunde wird 1:1 als Vollarbeitszeit bei einer 38,5 Stunden Woche bezahlt. Das sind faire Bedingungen, wenn man ein Gehalt von knapp 2.000€ Netto (für RS in der Gehaltsgruppe 5 mit Stufe 3 und höher) mit etwas Berufserfahrung und Wochenendtätigkeit mit einbezieht.

In der Notfallrettung werden bei 12 Stunden insg. 10,52 Stunden, gerechnet auf die 38,5 Stunden, als Arbeitszeit berechnet. Der Rest ist Bereitschaftszeit. Auf die 45 Stunden pro Woche gerechnet sind die 12 Stunden natürlich Vollarbeitszeit. Und man darf auch nicht außer acht lassen, dass es immer mehr Rettungswachen in Bayern gibt, bei denen auch in der Notfallrettung die 38,5 Stunden Woche angewendet wird. Meist an Wachen, die aufgrund des Trust-Gutachtens und der Empfehlung des INM Schichtzeiten von 7 oder 8 Stunden haben und hier eine Bereitschaftszeit bei bestem Willen nicht mehr tragbar ist.
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