S+K Verlag
Der einzige Fachverlag für
Notfallmedizin in Deutschland.
Bücher, Zeitschriften und Nachrichten
rund um das Thema Rettungsdienst.

Ver.di Baden-Württemberg schlägt längeren Einsatz von Rettungsassistenten vor

11.01.2019, 12:56 Uhr

Foto: R. Schnelle

Landesfachkommission fordert zudem Verringerung der wöchentlichen Arbeitszeit im Rettungsdienst


Die Landesfachkommission Rettungsdienst der Gewerkschaft Ver.di in Baden-Württemberg begrüßt die derzeit laufende Reform der Rettungsdienststruktur im Südwesten durch das Innenministerium in Stuttgart. Dabei spricht sich die Gewerkschaft neben landesweit einheitlichen Standards für eine ganzheitliche Betrachtung der Notfallrettung in dem Bundesland unter Einbeziehung der Kliniknotaufnahmen und Leitstellen aus. Für die Leitstellen fordert Ver.di sogar ein eigenes Gesetz, in dem auch Finanzierung, Personalvorhaltung und die Qualifikation des Personals geregelt sein sollen. Ver.di fordert dazu die Schaffung eines neuen Berufsbildes von „mindestens drei Jahren Ausbildungsdauer“. Es sei allerdings nicht notwendig, dort den medizinischen Teil so umfangreich wie beim Notfallsanitäter zu gestalten, „da die Kernaufgabe des Leitstellenpersonals nicht in der Behandlung, sondern dem Erkennen von Notfallbildern, deren Wertung und dem Anleiten der Hilfesuchenden zu sehen ist.“ Zudem müssten die Leitstellen ein „hoheitliches Dispositionsrecht über den Kassenärztlichen Notdienst“ erhalten, um „Fehldispositionen in der Notfallrettung“ zu vermeiden.

Indirekt bezieht die Landesfachkommission Stellung gegen die Ausschreibung rettungsdienstlicher Leistungen: „Die Branche darf nicht den marktüblichen Bedingungen ausgesetzt werden, da sonst über Konkurrenz und Billigpreise die Qualität und Attraktivität leidet.“ Als eine der größten Herausforderungen für den Rettungsdienst wird in dem Gewerkschaftspapier die Personalknappheit definiert. Ihr könne nur dadurch begegnet werden, dass der Beruf des Notfallsanitäters „auch in der Praxis attraktiv wird“. Konkret fordert Ver.di dazu eine Verringerung der wöchentlichen Arbeitszeit, um in einem ersten Schritt die physischen und psychischen Belastungen dieser Tätigkeit abzubauen. Kaum ein Rettungsdienstler schaffe es ja, seinen Beruf bis zum Rentenalter auszuüben. Was die angespannte Personalsituation im Rettungsdienst in Baden-Württemberg betrifft, so befürwortet die Landesfachkommission eine sehr pragmatische Lösung: „Daher wird es aus unserer Sicht erforderlich sein, die Übergangsfrist für den Einsatz von Rettungsassistenten zu verlängern.“

Gleichwohl stellt sich Ver.di in vollem Umfang hinter eine „Professionalisierung“ der Branche und verlangt vor allem eine rechtssichere Grundlage für die Arbeit der Notfallsanitäter: „Wir müssen uns dafür einsetzen, dass die während der Ausbildung erlernten Inhalte künftig auch angewendet werden dürfen.“ Derzeit müsse immer noch auf den rechtfertigenden Notstand zurückgegriffen werden, wenn im Grenzbereich heilkundlicher Maßnahmen agiert werde: „Eine Gratwanderung zwischen dem Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung und des Übernahmeverschuldens“. Pläne in einigen Bundesländern, die Rettungssanitäter-Ausbildung auf ein Jahr zu verlängern, werden als „Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnet, an den sich weitere Qualifikationsmöglichkeiten anschließen könnten. Auch eine Reform der pflichtmäßigen regelmäßigen Fortbildung fordert Ver.di. Diese soll „idealerweise in Form eines einheitlichen Kurssystems nach internationalen Standards“ geregelt werden.

Um die Wartezeiten im Krankentransport zu reduzieren, befürwortet die Gewerkschaft, eine bestimmte landesweite Vorhaltung von KTW festzuschreiben. Ferner sollen zur Qualitätssicherung einheitliche Normen eingeführt und das System der Refinanzierung überarbeitet werden. Ausdrücklich begrüßt wird die Tätigkeit der Stelle zur trägerübergreifenden Qualitätssicherung im Rettungsdienst Baden-Württemberg (SQR-BW). (POG)

Stumpf + Kossendey Verlag, 2019
KontaktRSS Datenschutz Impressum