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Von der Nadeldekompression bis zur Clamshell-Thorakotomie

18.05.2017, 16:22 Uhr

Professor Dr. Holger Rupprecht mit Notfallsanitäter Andreas Schubert vom DRK Saalfeld, Facharzt Stephan Fengler, Oberarzt Dr. Michael Cercasov und Chefarzt Dr. Hermann Schaedel (v.l.) (Foto: Thüringen-Kliniken)

Workshop mit Experten für Traumatologie und Notfallmedizin

Am vergangenen Samstag führte Professor Dr. med. Holger Rupprecht, Chefarzt der Klinik für Thorax-, Gefäß- und Viszeralchirurgie am Klinikum Fürth und u.a. ehemaliger Schriftleiter der RETTUNGSDIENST, an den Thüringen-Kliniken in Saalfeld mit einem Vortrag in einen Workshop zum Thema „Thoraxtrauma und Atemwegsmanagement“ ein. Während seiner einstündigen, überaus eindrucksvollen und vor allem lebendigen Präsentation vermittelte Professor Dr. Rupprecht den Anwesenden Tipps und Tricks aus der Praxis für die Praxis zur präklinischen und klinischen Behandlung des zeitkritischen schweren Thoraxtraumas. Hierbei streifte er das gesamte Repertoire der Notfallbehandlung: von der Nadeldekompression und Thoraxdrainage beim Spannungspneumothorax bis hin zur sogenannten Clamshell-Thorakotomie bei einer Herzbeuteltamponade. Das Auditorium aus präklinischen und klinischen Mitarbeitern zeigte sich von den exzellenten Ausführungen sowie das einmalige Bild- und Videomaterial beeindruckt.

Im Anschluss an Rupprechts Vortrag moderierte Chefarzt Dr. med. Hermann Schaedel, der mit seinem Team der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte, eine Fragerunde, die dem Auditorium die Möglichkeit bot, den Experten zu den Themen zu befragen. Nach einer kleinen Pause folgte der praktische Workshop-Teil dieser Veranstaltung. Dabei konnten die Teilnehmer in Kleingruppen die speziellen Techniken des Atemwegsmanagements, der Punktions-Dilatations-Tracheotomie, der Koniotomie und der Thoraxdrainage in Seldingertechnik trainieren. Unterstützt wurden sie dabei von Notfallsanitäter und RETTUNGSDIENST-Autor Andreas Schubert von der DRK Rettungsdienst Saalfeld gGmbH, der gemeinsam mit Chefarzt Dr. Schaedel seit einigen Jahren Fortbildungsseminare für ärztliches und nicht-ärztliches Personal aus Kliniken und Rettungsdienst organisiert.

Kommentare

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19.05.2017, 23:08 Uhr von Thorsten
Das ist ja alles ganz toll, wenn auf Vorträgen erläutert wird, wie eine Thorakotomie durchgeführt wird, wie eine Nadeldekompression erfolgen sollte und so weiter. Ich frage mich, was soll das dem Notfallpatienten nützen, der polytraumatisiert auf der Straße liegt?

Es ist doch ganz einfach: "Es gibt keine Fachärzte für Notfallmedizin (Notärzte) in Deutschland!" und solange es die nicht gibt, werden auch weiterhin Hausärzte in Ruhestand, Chirurgen, Internisten, Anästhesisten, Urologen etc. im Rettungsdienst ihr Unwesen treiben. Solange es keine einheitlichen Qualitätsstandards gibt, solange wird kein Arzt in Deutschland die Kompetenz haben solche Techniken durchzuführen. Das Defizit liegt aber nicht nur bei der Ärzteschaft. Die Krankenhäuser sind das nächste Problem. Kein Dorfkrankenhaus führt chirurgische Eingriffe (Thorakotomie, Lapratomie, Not-Sektio, etc.) unter Reanimation oder im Schockraum durch. Selbst die grossen Universitätskliniken verfügen m.E. häufig nicht über solche Möglichkeiten. In Deutschland verfügen noch nicht einmal alle Krankenhäuser mit Notaufnahme über ausreichend Notfall Erythrozytenkonzentrat (Null negativ) um schwerverletzte Patienten effektiv zu behandeln. Es gibt nach wie vor nicht überall eine 24 Stunden Vorhaltung von Notfallchirurgieteams. Die Einteilung der Kliniken in verschiedene Stufen (Trauma Center Levels) fehlt in der BRD gänzlich. Es wird erwartet, dass jeder Rettungsdienst, Hausarzt und Zuweiser jegliches Leistungsspektrum von jedem Krankenhaus der Umgebung kennt.

Das Hauptproblem in Deutschland ist die Verbandelung von Gesundheitswesen und Politik. Solange jeder Kreis sein eigenes KH möchte und sei er auch noch so klein, solange wird es flächendeckend in der BRD keine "echten" Notaufnahmen geben.

Als Rettungsdienst werden wir also weiterhin Nachts an Notfallstationen klingeln müssen, damit uns eine Pflege öffnet, deren wichtigste Tätigkeit es ist die Krankenkasse einzulesen und Adresskleber zu drucken, egal wie schlecht es einem Patienten geht. Wir werden weiterhin blutjunge und unerfahrene Assistenzärzte auf den NEFs haben, die nach 2 Wochenenden "Notarztkurs" und 50 Einsätzen denken, sie verstehen die Welt der Notfallmedizin. Wir werden weiterhin eine Pflege auf den Notfallstationen haben, die über keinerlei Fachweiterbildung verfügt und deren erste Massnahme es ist Halskragen, Sauerstoff und Vakuummatratze beim Patient nach Treppensturz zu entfernen. Wir werden weiterhin Kliniken haben, die nicht einmal wissen, was MANV bedeutet und die bereits bei 2 Rettungswagen gleichzeitig hoffnungslos überfordert sind. Das ganze wird dann von schlauen Ärzten auf teuren Vorträgen als das "beste Rettungsdienstsystem der Welt" bezeichnet. Im postfaktischen Zeitalter sind wissenschaftliche Beweise für solche Aussagen schliesslich auch nicht nötig.
20.05.2017, 07:01 Uhr von Freidenker
und Nun? Klingt sehr nach kognitiver Verzerrung.....
20.05.2017, 10:00 Uhr von E
@ Thorsten: Und wir werden auch weiterhin Notfallsanitäter haben, die trotz allem immer noch nicht gut genug ausgebildet sind ( Bundesweit ).
Die nicht jährlich überprüft werden.
Die in manchen Regionen nicht mehr machen dürfen als ein RettAss.
Die keine höhere Verantwortung als vorher haben und deswegen auch erleichtert sind.
20.05.2017, 11:44 Uhr von christiane
@Thorsten:
" fehlende Notfallchirurgieteams--Einteilung der Kliniken in verschiedene Stufen"

Diese Problematik hat man wohl jetzt endlich erkannt--und plant mittlerweile effektive-todsichere Gegenmaßnahmen.
Laut Rhein-Neckar-Zeitung --20./21.Mai 2017 "Brettspiel für den Ernstfall"--sollen Unfallchirurgen jetzt mittels eines Brettspiels lernen/sensibilisiert werden--im Notfall menschenlebenrettend agieren zu können.

"Zivile Krankenhäuser sind hierzulande nicht auf einen Bombenanschlag eingestellt--Dies wollen Unfallchirurgen zusammen mit der Bundeswehr ändern------Zu Beginn des Spiels hat jeder Patient noch sechs Lebenspunkte.Je nach Verletzung gibt es dann Abzüge.In einem Brettspiel simulieren im Frankfurter Uni-Klinikum Unfallchirurgen,was sie in ihrem Krankenhaus nach einem Bombenanschlag in einer Fußgängerzone einer Großstadt mit rund 120 Verletzten erwarten würden......Die Teilnehmer dürfen um Personal würfeln und müssen "Ereigniskarten" ziehen.Wenn dort zum Beispiel steht, dass ein Operationssieb nicht funktioniert, erschwert dies die Lage......Was sich nach einem unterhaltsamen Gesellschaftsspiel für hartgesottene Ärzte anhört,ist der Test für den Ernstfall....Wir simulieren eine Mangelsituation....Bei dem neuen Kurs gehe es nicht um "Panikmache",sondern um die Vorbereitung auf den Ernstfall...Die Bedrohungslage ist da. .....Bei den Teilnehmern der Premierenschulung am Freitag ist das ungewöhnliche Brettspiel gut angekommen......Das gibt mir eine neue Sicht"

Hätte man hier einmal die Kommentare durchgelesen,wüßte man, seit wann im Rettungsdienst eine "Mangelsituation" herrscht--und dass es dazu keine 120 Patienten gleichzeitig braucht.--Der Artikel steht unter "Aus aller Welt"---und ist--- kein Witz!

"Es geht nicht um Panikmache...."--Panik braucht man nicht machen--die ist bzgl. Rettungsdienst seit Jahren längst da-------spielt weiter.........
20.05.2017, 19:54 Uhr von Thorsten
@Christiane: Ironie? Ich hoffe, dass ist nicht Ihr Ernst. Ein Brettspiel zum erlernen der taktischen Notfallmedizin? Das ist bestimmt ein Aprilscherz.
21.05.2017, 04:09 Uhr von christiane
@Thorsten:

Ich hatte bereits eine Quelle genannt.Ich führe gerne weiter aus für die, denen es offenbar schwerfällt, sich selbst Infos dazu zu besorgen!

Hessenschau.de."Infos zum Kurs:Der zweieinhalbtägige Kurs heißt:"Terror und Disaster Surgical Care (TDSC) und kostet laut Veranstalter für Teilnehmer rund 600 Euro.Er richtet sich an Entscheidungsträger in Kliniken,wie Chefärzte und Oberärzte"

Der Kurs mag sinnvoll sein---es wird auch berichtet, dass die große Politik für dieses Thema wohl nicht ausreichend interessiert zu sein scheint--Dass aber in sämtlichen Medien--Karriere-Spiegel,fnp.de,focus,süddeutsche-wissen-medizin--merkurist.de.....hauptsächlich über dieses "seltsame"Brettspiel berichtet wird zeigt doch, wie einseitig auch die Medien dieses doch durchaus wichtige Thema kleinreden!
21.05.2017, 11:16 Uhr von Sascha
@christiane:
Das eine ist eine Art "Brettspiel" um Einsatztaktik zu trainieren, das andere angewandte Skills in der Akutmedizin. Hat jetzt nur bedingt was miteinander zu tun.
Deutschland ist ganz weit hinten, was akute Lagen im Terror anbelangt, also lasst sie doch Brettspiele machen.
21.05.2017, 15:54 Uhr von christiane
@Sascha:
Deutschland ist mittlerweile in Vielem ganz weit hinten.Man muss jedem Einzelnen dankbar sein, der solche Aktionen wie "Workshops" --Traumalogie,--Notfallmedizin,Terrorlagen...durch Eigeninitiative ins Leben ruft. Eigentlich MUSS es Aufgabe einer Regierung sein,selbst dafür zu sorgen, dass überall die medizinische Versorgung--gleich gut-- funktioniert.

Wieso darf man in Deutschland eine Klinik--eine Uniklinik-- betreiben, wenn man anscheinend noch nicht einmal weiß, wie man während nicht alltäglichen "Ereignissen" reagieren muss?Gibt es keinen Plan A plus?

Terroranschläge, Amokläufe gibt es doch nicht erst seit 2016!
Warum bemüht man sich nicht rechtzeitig um eine Weiterbildung?

Als in Mannheim bei 40 Grad viele Menschen den Notruf wählten und mittlerweile eine Wartezeit von 1 Stunde im Rettungsdienst aufgelaufen war, musste der Dezernent für Sicherheit und Ordnung zur Leitstelle fahren um den "Katastrophenfall"auszurufen, damit wenigstens die Notfälle zeitnah abgearbeitet werden können.

Wir brauchen doch gar keinen Terroranschlag um zu beweisen, dass wir bereits jetzt überfordert sind.
Thorsten spricht von "Fachärzten für Notfallmedizin".Diese Forderung--auch Ärztliche Leiter Rettungsdienst" kenne ich seit vielen Jahren.Diese Fachärzte könnten dann auch für Weiterbildung innerhalb ihrer Klinik oder im Rettungsdienst sorgen.--Wer soll es jetzt richten? Die Bundeswehr!
Herr Schäuble quält sich mit einem Milliardenüberschuss herum--anstatt Steuergeschenke zur Wahl sollte es "sichere Sicherheit" geben---das "beste Rettungsdienstsystem der Welt"--immer, ob bei einem Massenanfall von Verletzten,ob bei 40 Grad Hitze oder im Terrorfall.
22.05.2017, 09:23 Uhr von pa.
@Torsten
Keine Frage das manches verbessert werden sollte/muß.. Aber alles oder überwiegend als schlecht zu bezeichnen wäre sachlich nicht ganz richtig.
Was die Notärzte betrifft, so kann ich aus jahrzehntelanger Erfahrung sagen gibt es Schwankungsbreiten. Es gibt einen Teil Notärzte auf die das zutrifft. Es gibt aber auch einen Teil NA mit denen es sich gut zusammen arbeiten läßt, die auch was von der Materie verstehen.
Lösung hier stärkere Bekanntmachung mit der Notfallmedizin während des Studiums und mehr Praktika im RD.
Bezüglich der Krankenhäuser kann ich nicht ganz zustimmen. Ich finde es traurig, das immer mehr KH geschlossen werden in der Fläche. Die Folgen muß der RD immer mehr ausbaden. Längere Fahrtzeiten bis zum nächsten KH uns dadurch längere Bindung des RD für einen Einsatz. Damit Kollision mit Hilfsfristen.
Bei den KH gibt es eine Einteilung in Grund-,Grund und Regel-,Schwerpunkt-und Maximalversorgung. Einige nennen sich noch KH der Supramaximalversorgung.D.H. sie sind auf Großschadenslagenn besonders gut vorbereitet.
Es gibt zwar nicht die angelsächsischen Einteilungen, abr es gibt lokale, regionale und überregionale Traumazentren.
22.05.2017, 20:52 Uhr von Karsten
@Thorsten

Deinen Frust kann ich Dir nicht nehmen, aber vielleicht kann ich ihn ja durch Aufklärung etwas mildern: Es gibt in Deutschland tatsächlich verschiedene Trauma-Level (s.u.).
Und auch in anderen Ländern kann nicht jedes Krankenhaus jedes Trauma oder jeden MANV routinemäßig versorgen.

http://www.traumanetzwerk-dgu.de/

Gruß von einem notfallmedizinisch regelhaft völlig überforderten Anästhesisten ;-))
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