S+K Verlag
Der einzige Fachverlag für
Notfallmedizin in Deutschland.
Bücher, Zeitschriften und Nachrichten
rund um das Thema Rettungsdienst.

Weinheim hat das dichteste AED-Netz

03.01.2012, 13:13 Uhr

Foto: Stadtverwaltung Weinheim

Feuerwehr wirbt für Aufstellung von Geräten

Die Freiwilligen Feuerwehr Weinheim will die Stadt Weinheim, die City, aber auch die Ortsteile und Örtlichkeiten, an denen sich viele Menschen aufhalten, mit einem möglichst dichten Netz von AED-Geräten überziehen. Seit Anfang des Jahres werben Feuerwehrleute, die in Weinheim auch ausgebildete Feuerwehrsanitäter sind, für ihr Projekt und gehen auch mal „Klinken putzen“ bei Firmen und Behörden. 39 AED-Geräte sind in Weinheim schon installiert. Damit liegt die 43.000 Bewohner große Bergstraßenstadt laut landesweitem Katastereintrag auf Rang eins der Städte beim Verhältnis Einwohner/Geräte.

Einen großen Coup landete die Feuerwehr bei der Sparkasse Rhein Neckar Nord. Dort hängt nun in jeder Filiale gleich neben dem Geldautomat ein AED. Fast täglich kommen mehr Orte hinzu: die Woinemer Hausbrauerei, das Finanzamt, Unternehmen der Stadt wie Freudenberg und Naturin, die Bäckerakademie, das Rathaus usw. Bald sollen auch am Marktplatz, im Sportstadion und an anderen viel frequentierten Orten AED hängen. Dazu haben die Feuerwehrsanitäter gemeinsam mit der Johanniter-Unfall-Hilfe und Ärzten der GRN-Klinik Weinheim eine Informationsoffensive begonnen, um möglichst viele Menschen mit dem Thema und am besten mit den Geräten vertraut zu machen. 

Die Weinheimer Feuerwehr und die Stadt Weinheim wollen nun als Nächstes dafür sorgen, dass die Standorte der Geräte für Passanten bekannt und im eiligen Fall auch gut erkennbar sind. Sie sind an den Türen der Behörden oder Geschäfte gekennzeichnet, Stadtpläne mit den eingezeichneten Standorten werden im Internet zur Verfügung stehen und an zentralen Orten einsehbar sein.

Kommentare

03.01.2012, 20:16 Uhr von Maria
Lieber die Leute regelmäßig und effektiv in Erster Hilfe und HLW ausbilden als an jeder Straßenecke einen teuern AED platzieren. Sicher haben AED auch im öffentlichen Raum ihre Berechtigung, aber in diesem Falle finde ich es schon etwas übertrieben.
04.01.2012, 09:02 Uhr von Jörg
Liebe Kollegen aus Weinheim,

Super Aktion! Lasst Euch durch "Schlauschnacker" nicht irritieren :)

Grüße, Jörg
04.01.2012, 12:40 Uhr von Mathias
@Maria: Ein kleiner Vorschlag ... finde heraus, welche Überlebensraten (Krankenhausentlassung) bei beobachtetem Herz-Kreislauf-Stillstand mit Kammerflimmern die Stadt (oder von mir aus auch der Kreis) in der Du lebst oder arbeitest, hat, und poste sie hier.

Dann können wir in einem Jahr vergleichen, wie "übertrieben" das Projekt in Weinheim denn ist.
Ich kann mich Jörg nur anschliessen und freue mich auf die Zahlen!
04.01.2012, 22:06 Uhr von Willy
Manchmal glaube ich, dass einige Menschen in unserem Land AED immer noch für "Teufelszeug" halten. Schaut man z.B. in die USA - wobei man dieses Land nicht immer als Vorbild nehmen muss -, sind sie uns in Bezug auf öffentlich zugängliche AED um Lichtjahre voraus. Wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe, hängen allein am Flughafen von Detroit über 200 Stück. Wie oft höre ich: "Wir haben das Gerät noch nie gebraucht." Ich argumentiere dann immer: Wir hängen doch die Feuerlöscher nicht ab, auch wenn sie nicht gebraucht werden, oder?

Sicher wäre eine umfassende Erste-Hilfe-Ausbildung der Bevölkerung wünschenswert, aber der AED ist ein wichtiges Hilfsmittel im Kampf gegen den plötzlichen Herztod. Habe vor zwei Jahren etwas Ähnliches bei uns im Stadteil versucht, leider konnte ich niemanden für mein Vorhaben begeistern.

Ich finde die Aktion einfach großartig! Weiter so. Wenn Ihr jetzt noch die Ausschilderung der Geräte erfolgreich umsetzt, ist die Aktion ein riesiger Schritt in die richtige Richtung.

Grüße an die Bergstraße,
Willy
05.01.2012, 17:10 Uhr von Maria
@ Alle
Lest doch bitte erst einmal genauer durch, was ich hier schreibe.

Ich habe auch nie behauptet, AEDs wären Teufelszeug – also bitte – so ein Geschwätz!

Öffentliche AEDs sind sinnvoll – ich bezweifle jedoch die Notwendigkeit, solche Geräte "an jeder Straßenecke" aufzustellen. An Plätzen mit viel Publikumsverkehr wie Sportplätzen und -hallen, Bahnhöfen, Flugplätzen, Einkaufszentren etc. sind AEDs angebracht, aber selbst in den USA hängt nicht in jeder Schalterhalle einer Bank ein AED!

@ Willy
Ich gebe Dir da vollkommen recht, aber ein Flugplatz und eine kleine Filiale einer Kreissparkasse sind eben 2 paar Stiefel ...

@ Mathias
Zum Thema Überlebensrate in meinem Landkreis: wir waren einer der ersten Landkreise in Deutschland, welche präklinisch die Hypothermiebehandlung nach Herz-Kreislauf-Stillstand einführten. Ausserdem einer der ersten Landkreise weithin, welcher bereits 1992 ein erstes
HVO-System etablierte. Die Überlebensrate nach Herz-Kreislauf-Stillstand (Klinikentlassung) kann ich gerne noch erfragen, liegt meines Wissens nach aber über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Diese hohe Quote wird erreicht durch: einen sehr guten Rettungsdienst, ein dichtes Netz an HVOs (mit AEDs!) und guter Öffentlichkeitsarbeit.

Hier übrigens noch, was die AHA und Dr. Dr. Dirks dazu sagen:

“Die American Heart Association empfiehlt einen AED an jedem Ort, an dem innerhalb von 5 Jahren wahrscheinlich ein plötzlicher Herztod erfolgen wird."

"Defibrillatoren an Orten bekannter Inzidenz für Kreislaufstillstände sind eine effektive Strategie", so Dr. Dr. Dirks. Allerdings passierten die meisten Kreislaufstillstände zu Hause (70-80%).

Grüße
Maria
07.01.2012, 10:25 Uhr von Werner
Wie würde Thomas Gottschalk sagen: "Respekt, Respekt, meine Herren."
07.01.2012, 23:52 Uhr von Norbert
Liebe Weinheimer, einfach bravo für Euer Engagement. Wir haben in Longyearbyen/Spitzbergen, Norwegen für ca. 180 Eiwohner einen Defi vorrätig, wenn wir mal alle hochrechnen (ca. 2.400 Einwohner.) Wir handeln nach der Devise "now or never".

Und ist ein Defi schnell zur Hand, dann sind gute Voraussetzungen gegeben. Wer will den Angehörigen denn sagen "Sorry, ich hätte gern mehr getan, aber ich hatte keinen Defi zur Hand, deshalb ist Ihr Angehöriger verstorben. Es tut mir leid ..."

Ihr Kritiker, wisst ihr was? Es ist ein trauriges Gespräch/Argument, das Ihr da in den Raum stellt.
08.01.2012, 03:04 Uhr von Christian
Hallo Maria,

es geht auch nicht um "jede Straßenecke" oder "jede Schalterhalle", sondern vielmehr darum, eine Grundversorgung in Sachen Public Access Defibrillation (PAD) aufzubauen. Hier bieten sich Orte, an denen der AED 24 h zugänglich ist, einfach an. Es war nie angedacht, alle Banken o.Ä. auszustatten. Durch die Kooperation mit der Sparkasse konnten zwei Bereiche abgedeckt werden:

1. Innenstadtbereich inkl. Einkaufszentren wie Atrium und Weinheim-Galerie (zum Thema AHA: "... oder wo sich regelmäßig mehr als 1.000 Personen aufhalten"),
2. weit abgelegene Ortsteile mit langen Anfahrtszeiten des Rettungsdienstes.

Die Anbringung der Geräte ist immer verbunden mit einer Schulung der dort Beschäftigten.

Viele Grüße
Christian

Die AED-Standorte werden auch durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit bekanntgemacht und es gab mehrere Infoveranstaltungen für die Bevölkerung.
09.01.2012, 18:16 Uhr von Oliver
Dringt hier der Eifer von Floriansanhängern gegen die eine "Maid" vor, die zum Denken und zum redlichen Diskutieren sich Gehör verschaffen wollte??

Man spreche doch nicht so offen gegen eine Idee unter der Ägide einer Feuerwehr, also bitte, Maria ... das sind Helden, da macht man so etwas nicht ;-)
18.01.2012, 14:50 Uhr von Bernd
Hallo,
wir haben in den letzten Jahren hier in Krefeld rund 280 Geräte bei verschiedensten Institutionen und Firmen etabliert.
Dies war durch eine gemeinsame Anstrengung der FW, der Hi-Orgs und privater Unterstützer möglich. Parallel zu den Geräten laufen natürlich auch verstärkt Schulungen. Wir sind nun aber an einem Punkt, an dem wir den vordringlichen Einsatz des AED etwas kritisch sehen.
Für uns steht inzwischen "Null No-Flow Zeit" im Vordergrund. Dies wird unseres Erachtens auch durch die neuen Guidelines unterstützt. Praktisch heisst es deshalb, im Vordergrund steht die Kompression, wenn dann ein weitere Helfer zur Verfügung steht natürlich auch die Beatmung, und der Einsatz des AED.
Durch das städtische Umfeld ist in recht kurzer Zeit der RD vor Ort und kann dann die weiteren Massnahmen einleiten. Die derzeitigen Softwareinstallationen auf den AED führen hier eher zu einer Verzögerung der Kompression, "Ruhe bewahren ...".
Mich würde interessieren, wie Ihr diese Situation seht.
Weiterhin alles Gute bei Eurem guten und wichtigen Projekt.
Gruss
Bernd
Kommentar hinzufügen
Benachrichtigen Sie mich, wenn es neue Kommentare gibt.
Sicherheitsabfrage: 2 + 9 = 

Felder, die mit einem * gekennzeichnet sind, sind Pflichtfelder.

zum Seitenanfang
KontaktRSS
Stumpf + Kossendey Verlag, 2016
Impressum