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Wie können BOS bei einem Blackout miteinander kommunizieren?

05.05.2017, 09:58 Uhr

Foto: MCC Halle Münsterland

Fachtagung KRIFA in Münster

Wie kann die Einsatzfähigkeit und Kommunikation von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) bei einem Blackout sichergestellt werden? Bestehen Notfallpläne bei der Telekom? Mit Fragen dieser Art beschäftigen sich am Mittwoch rund 170 Teilnehmer, bestehend aus Vertretern von Behörden, Rettungsdiensten und des Katastrophenschutzes, auf der Fachtagung KRIFA in Münster.

Wie gravierend die Folgen eines Blackouts sein können, stellte Benno Fritzen, pensionierter Chef der Feuerwehr Münster, in seinem Vortrag „Das Schweigen der Ämter – Wie kommuniziert ein Krisenstab ohne Strom?“ anhand von verschiedenen Beispielen dar: Ohne Strom würden z.B. die Beatmungsgeräte in Pflegeeinrichtungen ausfallen, die Bevölkerung wäre über Radio und TV kaum noch erreichbar. Und wie können der Krisenstab im Rathaus, die Feuerwache, die Rettungsleitstelle und weitere Helfer noch miteinander kommunizieren und Einsätze koordinieren? Dass die Telekom bis Ende 2018 auf Voice over IP (Internettelefonie) umstelle, verstärke das Unbehagen noch, so Fritzen. Auf diese Sorge gingen Johannes Hartl und Thomas Paul vom „Team Emergency und Crisis Management“ der Telekom ein: Nicht jeder der 100.000 Mobilfunkmasten in Deutschland könne „für mehrere Stunden notstromfähig“ gemacht werden. Die Telekom verfüge jedoch über eine Ersatz-Energieversorgung in den Netzknotenpunkten und über mobile Einheiten, sodass eine Stadt mit 500.000 Einwohnern versorgt werden könne. Hartl und Paul wiesen jedoch auch noch auf ein weiteres Problem hin: „Die Cyberkriminalität wird häufig unterschätzt, ist aber mindestens genauso wichtig wie ein Blackout.“
 
Weitere Vortragsthemen auf der Veranstaltung waren u.a. „Unterbringen großer und unterschiedlicher Personengruppen – Erfahrungen aus der Unterbringung von Flüchtenden 2016“ (Ingo Schlotterbeck), „Evakuierung XXL – Planungsansätze zur Evakuierung von Städten“ (Benno Fritzen) und „Konzeption Zivile Verteidigung (KZV) – Umsetzung auf kommunaler Ebene“ (Per Kleist). Einen ausführlichen Bericht zu der Veranstaltung lesen Sie in IM EINSATZ.

Kommentare

06.05.2017, 10:37 Uhr von Herbert
Ein Blackout kann nicht mit unserem bisherigen Krisenmanagementdenken bewältigt werden. Wenn bereits nach wenigen Tagen rund 1/3 der Bevölkerung nicht mehr selbstversorgungsfähig ist, dann geht es ins eingemachte. Um das abfangen bzw. verzögern zu können, muss die Bevölkerung JETZT ihre Selbstwirksamkeit erhöhen! Dazu sind auch dezentrale Anlaufstellen für die Selbstorganisation ("Selbsthilfe Basen") sinnvoll und notwendig. Die Einsatzorganisationen und deren Familien sind ja selbst Betroffene und werden nur eingeschränkt handlungsfähig sein. Dieses Szenario - genauso wie in weitreichender IT-Ausfall - muss anders gedacht werden, was bisher viel zu wenige passiert.
08.05.2017, 17:05 Uhr von jupp-x
Sollten die Telekommunikation längerfristiger ausfallen, dann dürfte endlich die Frage öffentlichkeitswirksam aufgearbeitet werden; wie oder warum konnte so was überhaupt passieren?
Ob für wenige Stunden wie bei Ausfall der kompletten TK-Technik in Siegen (Jan 2013; kein Telefon, Mobilfunk, Internet und wesentliche Unterstützungsfunktionen wie elektronisches Bezahlen via Plastikgeld bzw. Kreditkarten im gesamten südlichen Westfalen bzw. angrenzenden Bundesländern); oder beim mehrtägigen Stromausfall im nördlichen Münsterland (Nov. 2005).

Solange jede hauptverantwortliche Führungsverantwortung in den Gebietskörperschaften (für nPol-BOS) im Stillen hofft, das es andere -Exekutive bzw. Legislative- treffen möge, wird sich nicht viel ändern. Essentielle Infrastrukturrisiken (vgl. Komtar zur SK-Verlagsmeldung 21.04.2016; EZ-Vertretungsbetrieb) werden weiterhin verdrängt, bzw. verniedlicht; oder inhaltlich als unzuständig / unvermeidbar dargestellt. Abhilfe kostet nun mal Geld für einen Fall des Falles, der als höchst "unwahrscheinlich" eingeschätzt wird.

Die Berufsvereinigung der Telekommunikationsingenieure (ifkom.de) hatte schon 2010 anschaulich (BMWI-PTSG) beim zuständigen Bundesminister auf gravierende Handlungseinschränkungen (bei wettbewerbsfreundlich verwässerten Mindeststandards) hingewiesen:
http://p266900.mittwaldserver.info/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&g=0&t=1494341865&hash=28011c2bc9c8f18ebe8da44e96eeefe896a0112e&file=uploads/media/100202_BMWI-PTSG_02.pdf

Vorteilhaft ist in derart beeinflussten Krisensituationen, das sich kein Bürger bei lokalen Stromausfällen über die 110 oder 112 beschweren kann.

Sollte die Telekom während der Krifa 2017 bei ca. 22.000 bundesweit eigenen Mobilfunkantennenstandorten tatsächlich den Eindruck erweckt haben, selbst eine größere Stadt mit mehreren hunderttausend Einwohner "jederzeit" nach einem gewissen Anlaufzeitraum ersatzweise (an mehr als x-Standorten) versorgen zu können, dann hat die Volksverdummung (Funkabdeckung in bebauten Arealen, Verkehrsleistung, Stromversorgung Transitebene, uvm???) einen neuen Gipfel alternativer Fakten erreicht.

Ausbaden müssen derartige Vernebelungskerzen beispielsweise Menschen, die in steckengebliebenen Aufzügen wegen total ausgefallener Alarmierungswege übers Wochenende eingeschlossen bleiben. Oder unsere Senioren zu Hause, die sich voll auf ihren Hausnotrufdienst (HND über VoIP oder Mobilfunkalternativen) verlassen, aber partiell ausgelöste Hilfeersuchen (vom Funkfinger) wegen lokaler Störungen in der öffentlichen Notstromversorgung bzw. privaten HND-Anschluss nicht "übertragen" werden können.

Hier reicht schon ein lokaler Stromausfall über mehr als 10 Minuten, und nach einem bösen Sturz oder gravierenden Kreislaufbeschwerden wird für alleinstehende ältere Bürger der "Regelrettungsdienst" unerreichbar!
08.05.2017, 17:45 Uhr von Laurenz
Hallo Leute,
aufwachen wir in BaWü funken nach wie vor manuell und die flächendeckende Einführung des Digitalfunk lässt immer noch auf sich warten. Ausserdem haben nicht einmal alle Fahrzeuge Mobiltelefone. Gewünscht ist die Anmeldung des Patienten über die Leitstelle. Rückfragen geht nur über Privathandy. Unsere Schweizer Nachbarn lachen sich Tod über unsere Infrastruktur. Die sind bereits mit der Nachfolgegeneration des Digitalfunk beschäftigt (Satellitengestützt Iridiumstandard) aufgrund von schlechten Erfahrungen von Digitalfunk bei Tunneleinsätzen; die Schweizer verfügen für jedes Fahrzeug über ein OCS mit Direktverbindung zum Leitstellenserver, Fahrzeug- und Mobilfunkgeräte "Polycom" für jede Einsatzkraft und Fahrzeughandys mit Behördenvorrangschaltung. Einsatzfax auf jedem Fahrzeug,... . Selbst die Österreicher sind wesentlich fortschrittlicher was Kommunikation angeht. Nach einem Blackout wird in Deutschland gar nicht mehr gefunkt, so einfach ist das wenn die Technik aus den 1960 Jahren stammt und über ein halbes Jahrhundert alt ist. Abgesehen davon sind doch sämtliche Leitstellen im Südwesten (nach wie vor 27 Kleinstleitstellen in BaWü) überhaupt nicht auf irgendeinen Blackout vorbereitet. Unsere Leitstelle kann jeder Passant über sein Smartphone Hacken (W-LAN), eine einfache Rettungsdecke über die öffentlich zugängliche Relaisstation reicht aus um den Funk lahmzulegen (selber bereits ausprobiert :-)), länger als 2 Stunden Stromausfall macht unser alter Notstromversorger und die paar Akkus auch nicht, von Sonnensturm oder Terrorsicherheit brauchen wir nicht einmal diskutieren. Die Technik in allen Leitstellen in BaWü die ich kenne ist echt das allerletzte. Da wird seit Jahrzehnten Schei... als Gold verkauft. Hauptsache schöne Büromöbel und viele Computerbildschirme. Das kann man schön medienwirksam einweihen und dadurch Wählerstimmen kaufen. Themen wie Sicherheit und Systemstabilität interessieren keinen (aussen hui innen pfui).
10.05.2017, 09:02 Uhr von Flo
@Laurenz, was versprechen sich die Schweizer von einem Funksystem auf Satellitenbasis bei Einsätzen im Tunnel?
Das dürfte doch von der Physik her keinen Unterschied machen wo der Sender sich befindet. Außer ist stelle einen Repeater vor den Tunneleingang und ggf alle X Meter im Tunnel einen auf.
10.05.2017, 13:03 Uhr von Philip
@Laurenz
also bei uns konnte in der Vergangenheit ein Sendemast den Funkbereich (knapp 1.000 qkm) "ausleuchten". Heute, in Zeiten des Digitalfunks, braucht ein Ort mit 5 qkm allein schon zwei Digitalfunksendemasten. Beim analogen Funk konnte ein ELW mit entsprechend ausfahrbarer Antenne an exponierter Stelle die Aufgabe der Leitstelle übernehmen. Dies geht mit dem Digitalfunk nicht mehr.
2h Stromausfall dürften die Akkus der Sendestationen auch an ihre Grenzen bringen. Dann steht der Ort ohne BOS Funk da. Die LST kann ich mit einem mobilen Generator einspeisen und damit den analogen Funk am laufen halten. Aber alle Digi-Funkmasten anzuschließen dürfte unmöglich sein.
Einziger Vorteil des Digitalfunks ist in meinen Augen die Abhörsicherheit und damit der Datenschutz. Obwohl, was war an den Infos, wo es brennt, so wichtig?
11.05.2017, 17:02 Uhr von Rötger
Der Digitalfunk ob terristisch oder gar satgestützt funktioniert im Bereich der Hochfrequenz wie der "alte"analoge Funk. Erbenötigt Sender Empfänger, Antennen und STROM. Ob da ein Chip die Information in ein Datenformat packt ist egal.
In grossen Einsatzlagen gibt es meineserachtens eher zuviele (unnütze) Informationen als zuwenig, was die Überlastung des Systems bewirkt. Es wird auch die Welt nicht untergehen, wenn die Handyversorgung zusammenbricht,es sei denn man hat sein System allein darauf abgestützt. Deshalb gehört ein stabiles, redundantes und flexibles System den BOS zur Verfügung gestellt. Bei allem Schönen des TETRA-Systems, der alte BOS-Funk war auf den V-Fall ausgelegt mit der Möglichkeit selbst einfache Relaisstellen zu betreiben.
13.05.2017, 13:50 Uhr von Dr. Gabriel
Wie einfach Gehackt werden kann, haben gestern die Englischen Krankenhäuser erfahren.
Nichts ging dort mehr. Die Angreifer haben sich eine Lücke im System zu Nutze gemacht, der von der NSA
vor Jahren Mal benutzt wurde. Das Loch war bekannt und konnte durch ein Update geschlossen werden.

Was natürlich nicht gemacht wurde.

Neben England waren zig Tausende von Computer in Russland, den Baltischen Staaten, Deutschland, etc. betroffen.

Was den Digitalfunk oder Mobilfunk angeht, bei uns im Gebiet gibt es "Schwarze Löcher".
Da kommt man mit Trommeln oder Brieftauben besser zurecht.

Es gab Mal eine Zeit, da waren Sirenen auf den Dächern.
Viele davon wurden im Laufe der Zeit wegen Unterhaltskosten abgebaut.
Heute jammern viele Denen hinterher.

Ein Onkel von mir hat im Garten, tiefste Lüneburger Heide, einen Mast mit Sirene stehen.
Er selbst ist in dem Dorf Chef der Feuerwehr.
Diese kann man bei Stromausfall mit Handkurbel betätigen.
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