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Deutsche Helfer häufig überflüssig, bringen aber Spenden

14.10.2009, 10:07 Uhr

Foto: H. Hohmann/THW

Auslandseinsätze in der Kritik

Unter der Überschrift „Werben mit der Katastrophe“ hat die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer heutigen Ausgabe einen Artikel veröffentlicht, der sich kritisch mit den Auslandseinsätzen deutscher Helfer befasst. Denn Einheimische können oft schneller und effizienter helfen als Betreuer, die erst anreisen müssen. Genau das sei aber das Problem für die Spendenwerbung der Hilfsorganisationen: Geld gäbe es vor allem für deutsche Helfer, die dort im Einsatz seien. Da die Organisationen mit ihren Arbeiten in den Krisengebieten werben, trauten sich nicht alle entsandten Helfer zuzugeben, wenn sie überflüssig seien. Der Arzt Richard Munz, Verfasser des Buches „ Im Zentrum der Katastrophe: Was es wirklich bedeutet, vor Ort zu helfen“ plädiert deshalb für mehr Ehrlichkeit. Er selbst war für das DRK nach dem Erdbeben in Padang vor Ort, kehrte aber wieder heim als er sah, dass die indonesischen Ärzte und Schwestern die Opfer versorgen konnten.

 

Auch der Transport von deutschen Hilfsgütern wird kritisch bewertet. Ein Caritas-Sprecher sagte, es sei schneller und billiger, in der Region, wo das Unglück passierte, einzukaufen. Zudem unterhalten große Hilfsorganisationen in gefährdeten Ländern vorsorglich Lager. Das Dilemma für die Katastrophenhelfer bestehe darin, dass sie innerhalb von 48 Stunden nach einem Unglück die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewinnen müssen, um Spenden zu bekommen. Später interessiert sich niemand mehr für das Thema. Das wahre Ausmaß können Sie in dieser kurzen Zeit aber oft gar nicht ermessen, sollen aber den Medien Schaden- und Opferzahlen nennen. „Da wird von manchen übertrieben“, sagt Wolfgang Tyderle von Care Deutschland. Auch die Organisationen seien nicht immer gut aufeinander zu sprechen. So werde kritisiert, dass das THW bei Katastrophen oft die deutschen Botschaften berät, welche Unterstützung nötig sei. Indirekt beeinflusse es damit, an welche Organisationen die Bundesregierung Zuschüsse vergebe.

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