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First Responder im Landkreis München seit 25 Jahren im Einsatz

29.11.2019, 09:36 Uhr

Fotos: Freiwillige Feuerwehr Oberschleißheim

Festakt betont den Nutzen qualifizierter Ersthelfer


Als vor 25 Jahren der Startschuss für das Pilotprojekt fiel, stieß es mancherorts noch auf starke Skepsis. Zum ersten Mal sollten Angehörige von Freiwilligen Feuerwehren ihr angestammtes Fachgebiet aus Brand- und Katastrophenschutz sowie technischer Rettung um ein neues Tätigkeitsfeld erweitern, das der organisierten Ersten Hilfe am Ort. Die Männer und Frauen der drei beteiligten Feuerwehren im nördlichen Landkreis München, Oberschleißheim, Unterschleißheim und Aschheim, sollten künftig von der Integrierten Leitstelle bei medizinischen Notfällen in ihrem Einzugsbereich zeitgleich mit dem Rettungsdienst alarmiert werden. Ihre Aufgabe: Das therapiefreie Intervall bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes so kurz wie möglich zu halten. Zentrale Bedeutung hatte und hat nach wie vor dieser Zeitfaktor beim Herz-Kreislauf-Stillstand, weswegen die First Responder der Feuerwehr von Anfang an mit halbautomatischen AED-Geräten ausgerüstet wurden. Nach Ablauf der einjährigen Pilotphase hatte das First-Responder-Konzept mit der Rettung mehrerer Patienten aus akuter Lebensgefahr seine Sinnhaftigkeit bewiesen und wurde zur festen Einrichtung und das nicht nur im Landkreis München. Das First-Responder-Konzept, auch unter Einbeziehung der Feuerwehren, besaß bald Vorbildcharakter für ganz Deutschland.

Prof. Dr. Karl-Georg Kanz, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Regierungsbezirks Oberbayern-West und medizinischer Vater des Projekts, ging in seinem Vortrag beim Festakt zum 25-jährigen Jubiläum vor allem auf den schnellen Einsatz von Defibrillatoren ein. Dieser Punkt hatte seinerzeit teilweise heftige Debatten ausgelöst. Im Rahmen des Pilotprojekts, so Kanz, habe klar belegt werden können, dass der Einsatz von AED-Geräten durch Feuerwehrleute sicher erfolgen könne. Mittlerweile befinden sich an vielen öffentlichen Plätzen solche Defibrillatoren, die auch von Laien benutzt werden können. In der Stadt Unterschleißheim, dem größten der drei oben genannten Orte, wurden 2015 in dem Projekt „Beherzt helfen“ AED im ganzen Stadtgebiet installiert und Schulungen für die Bürger durchgeführt. Die Gründer des 1994 gestarteten Projekts, Max Eichner, Hermann Bayer und Hans Hirschfeld berichteten von ihren Motiven, das Projekt zu initiieren, von ihren Erfahrungen und von Widerständen, mit denen sie zu Beginn zu kämpfen hatten und über die heute gelächelt werden kann. So wurde z. B. einige Zeit auf die Klärung der Frage verwendet, ob und unter welchen Umständen z.B. ein Feuerwehrangehöriger das Fahrzeug einer Hilfsorganisation im First-Responder-Einsatz lenken darf und umgekehrt. In Unterschleißheim hatten sich früh die örtliche BRK-Bereitschaft und die örtliche Gruppe der BRK-Wasserwacht den First Respondern angeschlossen. Nach wie vor gibt es einen hohen Bedarf an den schnellen Ersthelfern: Rückten sie z.B. in Unterschleißheim mit jetzt rund 20.000 Einwohnern im ersten Jahr 130-mal aus, so waren es 2018 schon 569-mal.

Wie wichtig schnelle Erste Hilfe sein kann, dokumentierte eindrucksvoll die Videobotschaft eines Patienten, der beim Joggen in der Region vor vier Jahren einen Kreislaufstillstand erlitten hatte und ohne die First Responder nicht überlebt hätte. Der offizielle Dank erfolgte durch den Landrat von München und die Bürgermeister von Ober- und Unterschleißheim mit Urkunden und einem eigens entworfenen Preis in Form einer Holzskulptur für die Initiatoren und Verantwortlichen des Projekts. (POG)

Bücher zum Thema:

First Responder: Verstärkung für die Rettungskette

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Stumpf + Kossendey Verlag, 2019
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