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„Hilfe für Helfer“ in Eschede – ein Projekt mit langfristigen Folgen

03.06.2008, 12:10 Uhr

Foto: „Christoph 4“, MHH

Fast eine Woche dauerten die Rettungs-, Bergungs- und Aufräumarbeiten beim ICE-Unglück in Eschede. Eingesetzt waren dabei zirka 2.000 Einsatzkräfte, die im Umkreis von 200 km alarmiert worden waren. Viele waren ehrenamtlich tätig. Erstmals nach einem Großschadensereignis wurde in Eschede ein umfangreiches und dauerhaftes Unterstützungsangebot für Einsatzkräfte etabliert. Mit Mitteln des Bundes und des Landes Niedersachsen und später auch der Deutschen Bahn AG konnte eine „Koordinierungsstelle Einsatznachsorge“ eingerichtet werden, die anderthalb Jahre hindurch für die Helfer und ihre Angehörigen Informationen, Einzelgespräche oder Gespräche in Gruppen anbot und, bei Bedarf, Kontakte zu Traumaexperten herstellte. Parallel dazu wurde auf der Grundlage der Erfahrungsauswertung ein Konzept zur Implementierung der psychosozialen Nachsorge in die Katastrophenschutzstrukturen entwickelt und zum Projektabschluss Ende 1999 dem Niedersächsischen Innenministerium als Empfehlung übergeben.

Die Einsatznachsorge wurde breit akzeptiert, etwa ein Drittel der in Eschede eingesetzten Helfer hat nach Einsatzende eine psychosoziale Beratung in Anspruch. Gleichzeitig wurde von Experten, insbesondere aus den Fachgesellschaften der Psychologie und Psychiatrie und den Psychologischen Instituten der Universitäten kritisch angemerkt, dass die vor Ort eingesetzte Helfernachsorge als junges Fachgebiet noch keine fundierte wissenschaftliche Absicherung habe.

Daraufhin reagierte das Bundesministerium des Innern, nicht zuletzt in Verantwortung für seine Bundeseinsatzkräfte, und initiierte 2002 über das heutige Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ein umfassendes Forschungsprogramm zur psychosozialen Prävention, Vernetzung und Qualitätssicherung im Einsatzwesen. Die Ergebnisse der ersten Forschungsarbeiten, an der sich insgesamt weit über 4.000 Einsatzkräfte aus Rettungsdienst, Feuerwehr, THW, Polizei, Bundeswehr und Katastrophenschutz aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligten, liegen inzwischen vor und sind, auch als Zusammenfassung, im Internet unter www.einsatzkraft.de und www.psychosoziale-notfallversorgung.de verfügbar.

Einen ausführlichen Artikel zum Thema „10 Jahre nach der ICE-Katastrophe: Wie hat sich Psychosoziale Prävention seither entwickelt?“ von Dr. Jutta Helmerichs finden Sie in der aktuellen RETTUNGSDIENST

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