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Höhlenforscher im Riesending wird medizinisch stabilisiert

11.06.2014, 11:53 Uhr

Fotos: BRK BGL

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Liegender Abtransport mit der Höhlentrage nicht möglich

Die Rettungsarbeiten in der Riesending-Schachthöhle am Untersberg laufen auf Hochtouren weiter: Aktuell steht die weitere medizinische Versorgung und Stabilisierung des Verunglückten im Vordergrund; der Höhlenforscher wird Passagen aus eigener Kraft bewältigen müssen, da ein liegender Abtransport mit der Höhlentrage aufgrund einiger Engstellen nicht durchgehend möglich ist.

Mittlerweile ist auch die Infrastruktur in der Höhle relativ gut ausgebaut: Die Einsatzkräfte haben mehrere Biwaks mit Trinkwasser, Verpflegung und Schlafsäcken eingerichtet und weiter ausgebaut, sichern die bestehenden Seileinbauten der Höhlenforscher zusätzlich mit neuen Bohrhaken und Seilen redundant ab, erneuern alte Seile und betreiben eine Versorgungskette mit Personal und Material in den Berg. Das internationale Team aus Deutschen, Österreichern, Schweizern und Italienern kann vom Höhleneingang aus über das mittlerweile installierte Höhlenfunksystem Cavelink mit den Höhlenrettern bis kurz vor dem Patienten kommunizieren. Cavelink ist eine auf Langwellen basierende Funktechnik, die Textnachrichten zwischen Höhleneingang und dem Unfallort ermöglicht. Zusätzlich stehen ein kabelgebundenes Höhlentelefon bis auf etwa 400 m Tiefe und ein Satellitentelefon zur Kommuniktion mit der Einsatzleitung im Tal zur Verfügung.

Am späten Dienstagabend setzten die Hubschrauber-Besatzungen von Landes- und Bundespolizei im Schwebeflug und per Winde Höhlenretter aus Norditalien an der Einsatzstelle ab, die gegen 22 Uhr in das Riesending einfahren konnten. Personal, das teilweise bereits seit Sonntagabend in der Höhle ist, kann so im Schichtdienst abgelöst werden. Gegen 23 Uhr wurden Höhlenretter, die kurz zuvor ausgefahren waren, von zwei nachtflugtauglichen Polizeihubschraubern zurück ins Tal geflogen; ihnen geht es den Umständen entsprechend gut.

Die Voraustrupps am Höhlenrettern der Bergwachten Berchtesgaden und Freilassing und der Salzburger Höhlenrettung, darunter auch Sanitäter waren am Sonntagnachmittag in Rekordzeit bis zum Patienten abgestiegen und konnten so rasch mit der Erstversorgung beginnen; sie fahren nun aus der Höhle aus und werden durch neue Mannschaften abgelöst.

Die Riesending-Schachthöhle ist hochgradig komplex und technisch extrem anspruchsvoll. Bereits im Einstiegsbereich stürzt das Gelände über frei hängende und steinschlaggefährdete Abseilpassagen rund 350 Meter senkrecht in die Tiefe. Die Stollen setzen sich dann kilometerweit durch Schächte, unterirdische Bäche, Engstellen und Siphons fort. Die Rettung kann sich noch über mehrere Tage hinziehen.

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