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Johanniter präsentieren Rettungswagen mit Anti-Gaffer-QR-Code

07.10.2021, 10:17 Uhr

Fotos: B. Stelley/Johanniter

Studie will Verhalten an Unfallstellen untersuchen


Die Johanniter wollen das Verhalten von Schaulustigen am Unfallort wissenschaftlich untersuchen und gleichzeitig sogenannte Gaffer aufklären. Mit großflächigen QR-Codes auf Rettungswagen soll Smartphones, wenn sie das Fahrzeug mit der Kamera erfassen, eine Weiterleitung auf die Seite gaffen-toetet.de vorgeschlagen werden. Dort erscheint die Warnung: „Achtung! Gaffen tötet! Es kann Rettungskräfte behindern und zur Straftat werden.“ Der RTW wird ab heute auf der Messe Florian in Dresden erstmalig präsentiert.

In einer begleitenden Studie der Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften soll erfasst werden, wie viele Gaffer es im Durchschnitt gibt, wie diese stören, inwiefern sie die Rettungskräfte nervös machen und wie stark sie diese von der Rettung ablenken. Zudem geht es darum, ob viele Rettungsmittel oder ein Hubschrauber die Gaffer erst richtig anziehen und wann die „Zeugen“ zu Behinderern oder gewalttätigen Störern werden. Auch soll belegt werden, welches Vorgehen störendes Verhalten unterbindet oder Gaffer ganz abhält. Aus Sicht des untersuchenden Teams sei Aufklärung und Selbstreflektion besser als Strafe, da sich hinter dem Gaffen zutiefst menschliche Züge verbergen. Kaum jemand habe den Vorsatz, Menschenleben in Gefahr zu bringen. Zudem würde von einem Unfall eine „magische“ Anziehungskraft ausgehen, wie Eye-Tracking-Studien belegen: Im Schnitt sehen Vorbeifahrende 12 Sekunden zu. Niemand schaut nicht hin. Schon nach zwei Sekunden des „Gaffens“ werden durch die Ablenkung Folgeunfälle wahrscheinlich. Fast alle würden wissen, das dies sozial nicht erwünscht sei. Diese Effekte sollen jetzt in einem einjährigen Pilotprojekt an 22 Standorten weiter untersucht werden. Anschließend soll es auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden.

Stumpf + Kossendey Verlag, 2021
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