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Kein struktureller Rassismus bei den Kölner Johannitern

15.12.2022, 08:26 Uhr

Foto: J. Dommel/Johanniter

Gutachten bestätigt aber Fehlentwicklungen und Fehlverhalten in der Rettungswache


Nach der Berichterstattung der „taz“ über Rechtsextremismus im Rettungsdienst der Kölner Johanniter, hat die Hilfsorganisation ein Gutachten zu den Vorfällen in Auftrag gegeben. Der Abschlussbericht liegt jetzt vor. Darin heißt es, dass „bei den mitarbeitenden Personen der Feuerwache 9 der JUH Köln (FW9) keine Hinweise auf strukturellen Rechtsradikalismus beziehungsweise Rassismus gefunden“ worden seien. Gleichwohl seien die in den Medien genannten Vorfälle „allerdings überwiegend wie beschrieben oder ähnlich passiert“. Das Gutachter-Team von Guttmann Communications bewertet diese als Ausnahmen von der Regel, da sie von Einzelpersonen ausgingen. Es habe darüber hinaus eine schweigende passive Mehrheit gegeben, die die Grenzüberschreitungen zuließ. Im Sommer 2020 habe es erkennbar Fehlentwicklungen und Fehlverhalten in der Rettungswache gegeben. Die Aufklärung und Aufarbeitung der Vorgänge durch den Regionalvorstand im Jahr 2020 seien weder zielführend noch konsequent gewesen.

Eine fragwürdige, bisweilen diffamierende Alltagssprache werde von vielen Mitarbeitenden auch heute noch nicht als fremdenfeindlich oder rassistisch angesehen. Anders verhalte es sich bei anti-demokratischen, radikalen politischen Einstellungen, die deutlicher wahrgenommen und weitgehend nicht gutgeheißen würden. Das Arbeitsumfeld der FW9 im Jahr 2020, so heißt es im Abschlussbericht, habe den Schilderungen nach ein Bild der Verwahrlosung geboten. Hinzu seien Faktoren wie das sozial schwierige Einsatzgebiet, eine hohe Arbeitsbelastung und die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie gekommen, die „nachvollziehbar eine große Unzufriedenheit und Frustration bei den Mitarbeitenden erzeugten.“

In Hinsicht auf die Berichterstattung rund um die Vorgänge in der FW 9 im Jahr 2020 und implizierte oder explizite Vorwürfe („Rechte Retter“, taz) wird konstatiert, dass ein struktureller Rassismus oder Rechtsradikalismus sich nicht erkennen lasse. Was es jedoch gegeben habe, war eine deutlich wahrnehmbare strukturelle Verwahrlosung. „Isoliert, Schicht für Schicht unter sich, in einem regel- und sanktionsfreien Umfeld, scheinen gewisse moralische Leitplanken verloren gegangen zu sein.“

Der neue Vorstand habe inzwischen in einigen konkreten Punkten Abhilfe geschaffen und eine Reihe von Änderungen und Umstrukturierungen auf den Weg gebracht. Die strukturellen Ursachen seien erkannt worden, aber noch mindestens in Teilen zu beobachten. Es bleibe eine Führungsaufgabe, die durch die Medienberichterstattung hervorgerufene Diskussion zu nutzen, um die Organisation im positiven Sinne weiterzuentwickeln. Die Operationalisierung der JUH-Leitlinie in einen praxisnahen Verhaltenskodex wäre laut Abschlussbericht ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Dafür sollten die Mitarbeitenden an der Erarbeitung beteiligt werden.

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