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Missstände durch Struktur des Rettungsdienstes

22.07.2021, 15:33 Uhr

Foto: P.G. Knacke

Für eine Studie wurden 700 Rettungsassistenten, Notfallsanitäter und Notärzte befragt


Im Journal „Plos One“ ist kürzlich eine Studie zur Häufigkeit von Fehlern im Rettungsdienst und zur Qualität der Kommunikation innerhalb der Teams veröffentlicht worden (hier). Dr. Matthias Zimmer, Dr. Daria Magdalena Czarniecki und Prof. Dr. Stephan Sahm haben dafür mehr als 700 Rettungsassistenten, Notfallsanitäter und Notärzte befragt, die sie aufgrund ihres Alters, der Geschlechtsverteilung und Berufserfahrung als repräsentativ für die Mitarbeiter im Rettungsdienst in Deutschland betrachten. Laut Studie hätten mehr als zwei Drittel der Befragten davon berichtet, dass Patienten aufgrund eigener Fehler Schaden genommen hätten. In 5% der Fälle sei der Schaden sogar beträchtlich gewesen (bleibende Behinderungen oder Tod der Patienten).

Erschreckend, so die Studie, sei der eklatante Mangel an einer etablierten Struktur im Umgang mit Fehlern. Offen mit Vorgesetzten über Fehler sprechen könnten weniger als die Hälfte, jeder Dritte befürchte Sanktionen, wenn Mängel offen angesprochen würden. Die Autoren attestieren einen Mangel an Professionalität vor allem im Kommunikationsbereich. Dies liege nicht zuletzt an der Struktur des Rettungsdienstes, wenn erst am Notfallort Notärzte auf Rettungsassistenten und Notfallsanitäter treffen. Oft kenne man sich nicht. Dies liege auch daran, dass Notarztdienste nicht selten von Vermittlungsfirmen besetzt würden. Zudem seien viele Verantwortliche nach wie vor der Meinung, Rettungsfachpersonal solle am Notfallort Erste Hilfe leisten und der Arzt sei Herr der Lage. Dies werde den Anforderungen im Rettungsdienst nicht gerecht. Den Befragten sei dies bewusst, sie würden durchweg gemeinsame Trainings, eine sachgerechte Kommunikation und eine angemessene Kultur und Umgang mit Fehlern fordern. Diese Missstände, so die Autoren, seien durch die Verantwortlichen in den Ministerien möglichst rasch zu beseitigen.

Stumpf + Kossendey Verlag, 2021
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