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Neue Hubschrauber-Kamera für Katastrophenfall

04.07.2014, 12:11 Uhr

Fotos: DLR

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Vabene++ kann Dichte von Menschenmengen ermitteln

Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben ein neues echtzeitfähiges Kamerasystem auf einem Hubschrauber erfolgreich eingesetzt. Die hochauflösenden Bilder und Videos werden in wenigen Sekunden an Bord des Hubschraubers verarbeitet und zum Boden übermittelt. Mit diesen Daten könnte über die entsprechenden Leitstellen bei Großereignissen oder Katastrophen der Verkehr situationsbedingt gelenkt und Hilfskräfte schnell an ihren Einsatzort geleitet werden. Das neue Kamerasystem wurde im DLR-Verkehrsforschungsprojekt Vabene++ (Verkehrsmanagement bei Großereignissen und Katastrophen) an dem DLR-Forschungshubschrauber BO 105 angebracht.

Nach Angaben des DLR kann das Kamerasystem sowohl Fahrzeuge als auch Personen erfassen und so die „Beurteilung der Dichte von Menschenmengen und die Geschwindigkeit von Personengruppen oder dem Autoverkehr“ ermöglichen. Bei Großveranstaltungen oder im Katastrophenfall können diese wichtige Informationen für die Einsatzkräfte sein. „Fahrzeuge und Menschen haben eine bestimmte Textur auf den Luftbildern. Menschen können wir zum Beispiel als kleine Punkte erfassen, die einen bestimmten Schatten werfen“, beschreibt Dominik Rosenbaum, beim DLR-Institut für Methodik der Fernerkundung als Teilprojektleiter in Vabene++ verantwortlich für die Informationsextraktion aus luftgestützten Bild- und Radardaten. Um die Geschwindigkeit von Fahrzeugen oder Bewegungen in Menschenmengen zu erkennen, stehen die Forscher noch vor einer weiteren Herausforderung: Sie müssen von Bild zu Bild ein Fahrzeug oder eine Person wiedererkennen und gleichzeitig die Bewegung des Hubschraubers herausrechnen. „Das gelingt durch die direkte Georeferenzierung der Bilder. Von einem Bild zum anderen können wir bis zu 90 Prozent der Fahrzeuge und Personen richtig zuordnen.“

Diese Georeferenzierung findet – ebenso wie die Auswertung der Bilddaten – direkt an Bord statt. Das bedeutet, dass die Bilder „in das Gradnetz einer Karte eingepasst“ werden und sofort in einem Geografischen Informationssystem (GIS) weiterverarbeitet werden können. Damit die großen Datenmengen schnell zur Einsatzzentrale gelangen, nutzen die Forscher einen Mikrowellenlink mit einer Übertragungsrate von elf Megabit pro Sekunde. Vorgängermodelle des Kamerasystems haben die Forscher mit den DLR-Forschungsflugzeugen Dornier Do 228-212 und Cessna 208B Grand Caravan erprobt und damit unter anderem das Ausmaß der Überflutungen von Donau, Elbe und Saale im Juni 2013 dokumentiert.

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