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Notfallsanitäter sollen mit Telenotfallmedizin Notärzte entlasten

01.07.2021, 15:46 Uhr

Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, Dr. Bodo Lenkewitz, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und Notfallsanitäterin Zoe Rodefeld (v.l.) (Foto: Landkreis Northeim)

Landkreis Northeim startet zweijähriges Pilotprojekt


Im Landkreis Northeim können sich Notfallsanitäter zukünftig bei Einsätzen durch Telenotfallmediziner per Video-Chat beraten lassen. Laut Pressemitteilung könne damit „das notärztliche Know-how, also die Entscheidung und Anordnung des Schmerzmittels, sofort an den Patienten gebracht werden – es muss nicht darauf gewartet werden, bis der nachgeforderte Notarzt nach längerer Fahrt eingetroffen ist.“ EKG-, Herzfrequenz-, Blutdruck- und andere Vitaldaten werden über eine gesicherte Internetverbindung mit einer Verzögerung von ca. 1 sec auf dem Monitor des Telenotfallmediziners dargestellt, Bild- und Tonübertragung erfolgen über eine andere Internetverbindung, vergleichbar WhatsApp, aber gesichert. Der Datenaustausch erfolge über einen deutschen Server unter deutschen Datenschutzbedingungen.

Wie der Landkreis Northeim mitteilt, sei durch die Nutzung vorhandener Technik der „finanzielle Aufwand im Vergleich zu den beiden anderen in Deutschland erprobten Telenotarztsystemen, die Investitionen von mehr als 30.000 Euro je Rettungswagen erforderten, hier unter 2.000 Euro je Fahrzeug.“ Zudem sei sie bereits in der Wohnung des Patienten einsetzbar. Gemeinsam mit dem Landkreis Goslar habe man nach zweijähriger Planung und Vorarbeit dieses Pilotprojekt aufgelegt, das im Vorfeld mit dem Innenministerium, dem Landesausschuss Rettungsdienst sowie mit den Krankenkassen abgestimmt wurde. Es ist auf zwei Jahre angelegt und soll Zahlen liefern, in welchem Umfang durch „diese zusätzliche ärztliche Unterstützung der Notfallsanitäter eine sinnvolle Entlastung des Notarztes erzielt werden kann und wie der Notfallsanitäter dadurch ausgewählte Krankheitsbilder mit ggf. zugeschalteter Beratung durch den Telenotfallmediziner effektiver und schneller behandeln kann.“

Der Arzt sei an die Rettungsleitstelle in Goslar angegliedert und habe seinen Arbeitsplatz dort in einem separaten Raum. Dort werden auf zwei Monitoren die Werte des Patienten angezeigt, auf einem weiteren erfolge die übliche notfallmedizinische Dokumentation. Der Notfallsanitäter trage einen Harnisch vor der Brust, in dem ein Mobiltelefon so getragen werde, dass in eingeschaltetem Zustand das Bild des Patienten übertragen werden könne, die Sprachverbindung werde über einen Ohrhörer hergestellt. Während des Gespräches werde der Patient von dem anderen Teampartner des Rettungswagens betreut. Vor Gesprächsbeginn werde der Patient darüber informiert, dass ein Notarzt per Videoverbindung zugeschaltet wird. Der Gesprächsaufbau kann nur vom Notfallsanitäter aus aufgebaut werden, eine unbeabsichtigte oder unkontrollierte Überwachung des Rettungsteams oder des Patienten sei weder möglich noch gewünscht.

Stumpf + Kossendey Verlag, 2021
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