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Nur jeder zweite Polytraumatisierte wird leitliniengerecht versorgt

01.10.2015, 15:58 Uhr

Baden-Württemberg legt Rettungsdienst-Qualitätsbericht 2014 vor

Die Stelle zur trägerübergreifenden Qualitätssicherung im Rettungsdienst Baden-Württemberg (SQR-BW) hat ihren Qualitätsbericht für das Jahr 2014 vorgelegt. Grundlage für den Bericht sind die Erfassung und Übermittlung der notärztlichen Einsatzdokumentation, die im vergangenen Jahr auf die Datensatzbeschreibung der SQR-BW umgestellt wurde. Zeitgleich wurde ein landeseinheitlicher Einsatzstichwortkatalog in allen Leitstellen eingeführt. Zukünftig sollen noch die Daten von RTW-Einsätzen in die Qualitätssicherung integriert werden, dazu wird in diesem Jahr ein Pilotprojekt mit unterschiedlichen Dokumentationslösungen und -systemen durchgeführt.

Obwohl für das Jahr 2014 noch nicht von allen Notarztstandorten die Daten vorgelegt wurden, lässt sich bereits festhalten, dass die Ausrückzeiten der notarztbesetzten Rettungsmittel in Baden-Württemberg auffallend lang sind. Die Ausrückzeiten der RTW und KTW mit Sondersignal seien abgesehen von einzelnen Rettungswachen „erfreulich kurz“. Die Fahrzeiten in der Notfallrettung seien insgesamt „in einem üblichen und annehmbaren Rahmen“, einzelne Standorte hätten allerdings sehr lange Fahrzeiten.

Erfasst wurden auch Daten aus den Bereichen Diagnostik und Monitoring, Versorgung und Transport sowie Reanimation. Hier kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass z.B. die Kapnometrie bzw. Kapnografie zur Verifizierung der korrekten Tubuslage bei Intubierten angesichts der Gefahr von Fehlintubationen mit 72% entschieden zu selten durchgeführt wird. Auch die Blutzuckermessung bei Patienten mit Bewusstseinstrübungen erfolgt nur in 74% der Fälle. Nur jeder zweite Polytraumatisierte in Baden-Württemberg wird leitliniengerecht versorgt, eine HWS-Immobilisation erfolgt bei nur 10,12% der bewusstlos polytraumatisierten Patienten. Ähnlich sieht es bei der leitliniengerechten Versorgung bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt aus: sie wird nur in knapp der Hälfte der Fälle durchgeführt. In fast jedem vierten Fall wird kein 12-Kanal-EKG geschrieben, und in fast einem Drittel werden keine Antikoagulanzien verabreicht. Bei der Reanimation wird die Effektivität der Herzdruckmassage nur in 52,5% der Fälle überwacht. „Selbst bei intubierten Patienten wird die Kapnometrie in mehr als einem Viertel der Reanimationen nicht angewendet“, heißt es in dem Bericht. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf.

Der Qualitätsbericht der SQR-BW steht ab dem 5. Oktober 2015 zum Herunterladen auf www.sqrbw.de zur Verfügung.

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