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Nur noch ein SAR-Hubschrauber für Seenotrettung im Einsatz

10.10.2014, 15:18 Uhr

Foto: BMVg

Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr

Die teilweise massiven Mängel in der Ausrüstung der Streitkräfte gefährden nun auch Fähigkeiten der Bundeswehr im Bereich des Such- und Rettungsdienstes (engl. Search and Rescue – SAR) der Marine an der deutschen Küste. Wie die Online-Ausgabe der Tagesschau heute berichtet stehe für die Seenotrettung nur noch ein SAR-Hubschrauber vom Muster Sea King Mk 41 beim Marinefliegergeschwader 3 in Nordholz zur Verfügung, womit erhebliche Zweifel an der flächendeckenden, umfassenden und effektiven Einsatzdurchführung bei Rettungseinsätzen über See bestehen. Die Deutsche Marine weist im Zuständigkeitsbereich der SAR-Leitstelle Glücksburg zwei SAR-Standorte aus und zwar in Helgoland (Nordsee) und Warnemünde (Ostsee), womit der SAR-Dienst adäquat abgedeckt werden könnte. Jedoch ist schon seit längerer Zeit bekannt, dass oft nur noch ein SAR-Hubschrauber in Nordholz zur Verfügung steht, da nur wenige dieser Maschinen wirklich einsatzbereit sind. Derzeit seien von 43 Marinehubschraubern nur 7 einsatzbereit. Mit der Verlegung des Marinefliegergeschwaders 5 von Kiel nach Nordholz hat sich die Situation noch verschärft. Durch die Vorhaltung nur noch eines SAR-Hubschraubers an der Nordsee könnten Verzögerungen von bis 25 Minuten entstehen. Nach Aussagen der Marine habe es allerdings nie Verzögerungen gegeben.

Rechtlich ist die Lage klar: Mit dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt, auch „Chicagoer Abkommen“ genannt, der International Civil Aviation Organization (ICAO) hat sich diese 1956 verpflichtet, einen Such- und Rettungsdienst einzurichten. Hierzu existiert seit 1979 eine Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Bundesminister für Verkehr und dem Bundesministerium der Verteidigung. Dazu sind auch regelmäßige Schulungen notwendig, die laut dem Bericht aufgrund des geringen Klarstandes der Maschinen nicht umfassend erfolgen können. Der Nachfolger des Sea King der MH 90 ist frühestens für Ende 2017 in Sicht, wobei es sich dabei um Planungen handelt.

An der Küste und auf See arbeitet der SAR-Dienst der Marine eng mit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zusammen. Gerade bei maritimen Rettungseinsätzen ist eine schnelle Unterstützung aus der Luft absolut notwendig. Auch die Rettung im Bereich Offshore wird in diesem Artikel angesprochen, die allerdings im Rahmen des Werksrettungsdienstes der Industrie obliegt. Anders sieht es bei Großschadenslagen auf See aus, wo erhebliche Fähigkeiten zum Lufttransport und zur Luftrettung benötigt werden. In der Nacht stehen laut Bundeswehr ohnehin nur 15% der zivilen Luftrettungsmittel an der Küste zur Verfügung. Die Rettung von Seeleuten wird von vielen Experten als eine staatliche Daseinsfürsorge betrachtet, die im Kern der DGzRS und dem SAR-Dienst der Bundeswehr obliegt. Hans-Peter Bartels, MdB aus Kiel und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag, bezeichnete die Maßnahmen der Seenotrettung derzeit als nicht perfekt und die Gesamtsituation als „extrem ärgerlich“. (Scholl)

Stumpf + Kossendey Verlag, 2020
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